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Kleinmahlen statt wegwerfen

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Beispielhafter Umgang mit Ressourcen: : Udo Dobberke mit dem Bayerischen Ressourceneffizienzpreis, den Sysplast im vergangenen Jahr vom Bayerischen Umweltministerium erhielt.

Ökologisch und ökonomisch sinnvoll: In Nürnberg werden Kunststoffe so recycelt, dass sie mit Neuware mithalten können.

Udo Dobberke lässt kleine, cremeweiße Plastikkörnchen durch seine Finger rinnen. Eine gewisse Begeisterung kann der Geschäftsführer der Sysplast GmbH dabei nicht verhehlen. „Das ist Regranulat von hoher Qualität. Es ist sortenrein, auf Augenhöhe mit Neuware“, sagt er. Kleinmahlen statt wegwerfen – dieses Konzept verfolgt, vereinfacht gesagt, seine Firma mit Sitz in Nürnberg. Das Unternehmen bereitet Kunststoffabfälle und -ausschuss so auf, dass es qualitativ mit neuem Material vergleichbar ist. So werden z. B. Duschköpfe, Armaturen, Kühlergrills, Gangschaltungen von Autos und weitere Ausschussware bei Sysplast in Regranualat verwandelt, das wieder in die Produktion wandert.

„Die Nachfrage nach Regranulat ist europaweit hoch. Hersteller wie wir kommen mit der Produktion kaum nach“, erklärt Dobberke. Kein Wunder: Recycling ist umweltfreundlich und spart zugleich Kosten. „Bei der Aufbereitung von Kunststoff werden im Vergleich zur Neuherstellung rund 85 Prozent an Energie eingespart“, sagt der Sysplast-Chef. Gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Gisbert Schulte-Bücker und weiteren 15 Beschäftigten in Fertigung und Qualitätssicherung stellt er aus Kunststoff, der bei den Herstellern als Ausschuss anfällt, wieder Kunststoff her – Regranulat nennt sich das recycelte Endprodukt.

Gute Preise für sortenreine Stoffe

Bereits zu Körnchen zerkleinert, wird der Rohstoff in riesigen Säcken, sogenannten Big Bags, in die Produktionshallen in der Beuthener Straße angeliefert. Mit aufwändigen Messverfahren, Schmelzprüfungen und weiteren Analysen werden die Kunststoffe zunächst qualitativ und quantitativ bewertet. Dabei geht es darum, die angelieferten Materialien sicher zu identifizieren. Nur sortenrein erzielen die Stoffe einen guten Preis und lassen sich wiederverwenden. „Die ideale Form ist für uns der sortenreine Zustand, der dann von uns nur noch in eine verarbeitungsfähige Form gebracht werden muss“, so Dobberke. Kunststoffmischungen erzielen niedrigere Verkaufspreise und werden bei zu schlechter Qualität thermisch verwertet, also als Brennmaterial verwendet. Alles was den Qualitätstest bei Sysplast aber schafft, wird gereinigt, geschmolzen und wiederaufbereitet. Aus dem alten Gehäuse einer Kaffeemaschine oder aussortierten Formteilen der Automobilindustrie werden so neue Gehäuse oder auch Telefone. „Bei uns passiert der letzte Veredelungsschritt. Aus Abfall wird Sekundärrohstoff“, sagt Dobberke. 1 000 Kilogramm Mahlgut in der Stunde können in dem Betrieb verarbeitet werden.

10 000 Tonnen Regranulat pro Jahr hat Sysplast zuletzt hergestellt – mit steigender Tendenz, wie der Geschäftsführer erklärt. Der Umsatz lag unter fünf Mio. Euro, bei rund 200 festen Kunden, die überwiegend aus der Automobil-, Sanitär- oder Telekommunikationsbranche stammen. Das Nürnberger Unternehmen hat noch keine allzu lange Geschichte: Die Anfänge von Sysplast gehen zurück in die 70er Jahre. In einer Zeit, in der Recycling noch kein großes Thema war, bereitete der Vorläufer des Unternehmens als Teil der Grundig AG bereits Produktionsausschüsse auf. Anfang der 80er Jahre wurde daraus das größere „Zentrum für Kreislaufwirtschaft“. 2003, als Grundig insolvent ging, löste sich Sysplast als selbstständiges Unternehmen heraus. Seit 2014 liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Herstellung von Regranulaten. Seit 2020 richten Udo Dobberke und Gisbert Schulte-Bücker das Unternehmen neu aus: Die Kunststofffirma arbeitet mit der Energenta-Gruppe im münsterländischen Ochtrup zusammen und deckt mit ihr die komplette Wertschöpfungskette in der Kreislaufwirtschaft ab.

„Es geht hier um die Produktverantwortung, die der Gesetzgeber von Herstellern einfordert“, sagt Dobberke. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) soll die Kreislaufwirtschaft zur „Schonung der natürlichen Ressourcen und der Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“ gefördert werden. Anstatt des täglichen Bemühens, Rohstoffe einzukaufen, zielt das Sysplast-Konzept darauf ab, die Materialien direkt vom Abfallentstehungsort zu bekommen. „Der Handel mit Ausschuss ist ein eigener Industriezweig: Was bei der Produktion in der Tonne landet, wird als Rohstoff weiterverkauft“, erklärt der Geschäftsführer. Oft verlören die Hersteller nach dem Verkauf den Überblick, was mit ihrem „Abfall“ passiert. Manches wird zu Ballen gepresst, ins Ausland gebracht und dort wieder aufbereitet. Diese Methode mag günstig sein, aber sicher nicht umweltschonend. „Wir greifen in den Prozess ein, bevor die Ware auf den Nachfragemarkt kommt“, so der Geschäftsführer. „So sichern wir uns die Stoffströme und wissen gleichzeitig, dass die Rohstoffe von guter Qualität sind. Wir haben uns in den Kreislauf eingeklinkt.“ Aktuell laufen Gespräche mit weiteren potenziellen Kunden über dieses Abnahmemodell. „Insgesamt kommt das Konzept ‚Wo landet unser Ausschuss?‘ gut an“, versichert der Firmenchef.

Für ihren beispielhaften Umgang mit Ressourcen wurde Sysplast 2021 vom Bayerischen Umweltministerium mit dem erstmalig vergebenen Bayerischen Ressourceneffizienzpreis ausgezeichnet. Mit dem Einsatz der Recompounds von Sysplast könnten Unternehmen ihre Kosten und CO2-Emissionen reduzieren, heißt es in der Begründung. Durch die Einsparung wertvoller Rohstoffe verbesserten sie ihre Öko-Bilanz und zeigten, wie sich Ökonomie und Ökologie verbinden lassen, so das Ministerium. „Die Anerkennung für unsere langjährige Arbeit hat uns sehr gefreut“, sagt Dobberke. Doch mit dem Preis hat sich das Thema Forschung und Innovation für Sysplast längst nicht erledigt. Das Unternehmen ist im ständigen Austausch mit Forschungseinrichtungen. Viele Stunden im Jahr beschäftigen sich die Nürnberger mit neuen Technologien und Forschungsthemen, damit Recycling noch effizienter und umweltfreundlicher wird.

Autor: 

(dr.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 02|2022, Seite 80

 
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