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Erwartungen erstmals wieder positiv, Lage kaum verbessert

Nach fast drei Jahren der wirtschaftlichen Abschwächung herrscht in der mittelfränkischen Wirtschaft wieder wachsende Zuversicht. Dennoch bezeichnen nur wenige Unternehmen ihre Situation als gut, per Saldo überwiegen die negativen Geschäftsurteile. Im Ausblick auf das kommende Jahr befinden sich jedoch bereits die optimistischeren Stimmen in der Mehrheit. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Ende September abgeschlossenen Herbstumfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Konjunktur.

Im Vergleich zum Jahresbeginn erweist sich damit die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen etwas verbessert; die konjunkturelle Wende zeichnet sich nun immer deutlicher ab. Ein möglicher Aufschwung wird jedoch nur langsam und wenig kraftvoll einsetzen, denn trotz erster Erholungsansätze liegen die Konsum- und Investitionsausgaben noch auf niedrigem Niveau. So werden auch die Investitions- und Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Unternehmen erst mit zunehmender Nachhaltigkeit und Stärke einer Erholung nach oben angepasst.

Geschäftsklima weiter aufgehellt
Bereits im Frühsommer dieses Jahres waren in Mittelfranken erste Anzeichen für einen langsam zurückkehrenden Optimismus und eine wirtschaftliche Belebung zu erkennen. Die Prognose aus der vergangenen IHK-Konjunkturumfrage, die Talsohle der Konjunkturschwäche könnte zu Beginn des Sommers 2003 bereits durchschritten sein, bestätigt sich nun durch die Fortsetzung der Stabilisierung und die leichte Erholung im Herbst. Von den befragten mittelfränkischen Unternehmen beurteilen 29 Prozent ihre derzeitige wirtschaftliche Situation als schlecht, 60 Prozent zeigen sich mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, 11 Prozent bezeichnen sie als gut. Der daraus resultierende Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Meldungen von minus 18 Prozentpunkten liegt um neun Punkte besser als im Frühsommer 2003.

In der Frage nach den Aussichten für die nächsten Monate fällt der Anteil der Pessimisten, die mit einer Verschlechterung ihrer Situation rechnen, gegenüber dem Frühsommer um weitere zehn Prozentpunkte von 24 Prozent auf nun nur noch 14 Prozent. Zugleich ist der Anteil der Optimisten von 13 auf 20 Prozent gestiegen; im Saldo (plus sechs Prozentpunkte) erwartet nun eine Mehrheit der mittelfränkischen Unternehmen eine weitere wirtschaftliche Erholung. Insgesamt hat sich das Geschäftsklima in Mittelfranken weiter aufgehellt.

Investitionen und Beschäftigung
Diese Aufhellung des Geschäftsklimas muss sich nun jedoch noch weiter stabilisieren und verbessern, damit ein nachhaltiger Aufschwung entstehen kann, in dessen Verlauf auch die Geschäftslage mehrheitlich positiv beurteilt wird. Noch beruht das bessere wirtschaftliche Klima vornehmlich auf Hoffnungen. Dies zeigt sich insbesondere in den Investitions- und Beschäftigungsplänen der mittelfränkischen Wirtschaft, die in allen Wirtschaftszweigen von deutlicher Zurückhaltung gekennzeichnet sind. Speziell in der Industrie wollen 24 Prozent (Frühsommer: 39 Prozent) der Befragten ihr Investitionsvolumen kürzen, 15 Prozent (Frühsommer: 19 Prozent) planen mit höheren Investitionsbudgets. Der Saldo aus Zuwachs- und Kürzungsplänen stieg also von minus 20 auf minus neun Prozentpunkte. Die zu Beginn des Sommers eingeleitete Trendwende bei den Investitionen setzt sich damit fort und korrespondiert mit dem weiter gestiegenen Optimismus bei den Geschäftserwartungen.

Dennoch herrscht Vorsicht: Ersatzinvestitionen behalten ihre dominante Position, Investitionen zur Kapazitätserweiterung spielen nur eine geringe Rolle. Analog dazu überwiegen rückläufige Beschäftigungspläne in allen Branchen. Zuerst müssen Auftragseingänge, Kapazitätsauslastung und Erlöse wachsen, dann können die Unternehmen erst investieren und ihre Kapazitäten erweitern, und erst im letzten Schritt werden Neueinstellungen getätigt, um die erhöhten Produktionsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Außenwirtschaftliche Chancen, binnenwirtschaftliche Risiken
Kann die mittelfränkische Wirtschaft nun also endlich die Stagnation der zurückliegenden Monate überwinden? Die Stabilisierung des weltwirtschaftlichen Umfelds spricht für eine konjunkturelle Erholung auch in Deutschland zum Jahresende und während des kommenden Jahres. Insbesondere können die zuletzt rückläufigen Ausfuhren in den kommenden Monaten wieder ansteigen – eine traditionell entscheidende Grundlage jedes konjunkturellen Aufschwunges speziell im stark exportorientierten Mittelfranken.

Lohnzusatzkosten als Hemmnis
Für die Wirtschaftspolitik geht es darum, die außenwirtschaftliche Erholung und die beginnende Belebung der Konsumneigung durch stabile Rahmenbedingungen in Deutschland zu stützen. Vor allem wird es nun allerhöchste Zeit, die strukturellen Reformen in den Systemen der sozialen Sicherung umzusetzen, durch die sich die Wachstumskräfte in Deutschland wieder entfalten können: An erster Stelle müssen dabei die Kosten des Produktionsfaktors Arbeit stehen, also die Lohn- und Lohnzusatzkosten. Immerhin nennen in der aktuellen Konjunkturumfrage drei Viertel der mittelfränkischen Unternehmen hohe Arbeitskosten als Hemmnis für mehr Beschäftigung. Doch auch Regulierungen müssen zurückgeschnitten werden: Jeder zweite Befragte sieht etwa die Kündigungsschutz-Vorschriften als beschäftigungsfeindlich an.

Die Zeit drängt: Wenn im Mai 2004 die Europäische Union auf 25 Mitgliedstaaten wächst, wird auch der Wettbewerb der Standorte verschärft. Nur wenn sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in Deutschland endlich verbessern, werden auch die mittelfränkischen Unternehmen in dem Maße von der EU-Osterweiterung profitieren, wie dies in der Vergangenheit immer gelang, wenn das internationale Handelsvolumen gewachsen ist.

rb.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2003, Seite 35

 
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