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Immer mehr läuft übers Netz

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Viele Geschäftsinhaber meinen, über das Web ließe sich kein Geschäft machen. Ein teurer Irrtum, denn Suchmaschinen liefern Neukunden. Von Mario Fischer, Illustration: Petra Herberger.

Mittlerweile ist unbestritten, dass vernünftig gestaltetes Suchmaschinen-Marketing einer der effektivsten und kostengünstigsten Akquisitionskanäle ist. Immer mehr Menschen benutzen als erste Anlaufstelle das Web. Um sich dort zurecht zu finden, nutzen sie in der Regel Suchmaschinen. Und zumindest auf Deutschland bezogen ist das eindeutig Google, mit einem summierten Marktanteil von knapp 95 Prozent aller Suchanfragen. Finden sie dort die aus ihrer Sicht richtigen Informationen und Produkte, fällt die Kauf(vor)entscheidung schon zu einem großen Teil im Netz. Kritiker halten dem entgegen, dass ein bundesweites "Gefundenwerden" einem lokal agierenden Unternehmen gar nichts oder nur wenig bringe. Was helfe einem Nürnberger schon ein Suchtreffer eines Blumenhändlers in Hamburg?

Dabei wird verkannt, dass es mittlerweile viele Möglichkeiten gibt, gezielt auch in Suchmaschinen lokal zu werben. Jeder kennt wohl die bezahlten Anzeigen bei Google, die passend zu einem Suchbegriff rechts neben den normalen Suchergebnissen stehen. Die wenigsten wissen aber, dass man solche Anzeigen auch für regional eingrenzbare Gebiete schalten kann. So ist es möglich, den Blumenhändler, den Frisör, den Rechtsanwalt, aber auch den Juwelier aus Fürth für Suchende eben nur aus Fürth einblenden zu lassen. Genauso ginge es, für ein größeres Einzugsgebiet einen virtuellen Radius von z.B. 60 Kilometern um Fürth zu schlagen und überall dort die eigene Werbung anzeigen zu lassen. Damit wird verhindert, dass ein lokales Unternehmen sich bundesweit dem Klickwettbewerb stellen muss und am Ende noch für unnötige Klicks aus den falschen Städten zahlt.

Freilich hängt der Erfolg einer solchen Anzeige von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist wohl der Anzeigentext selber. Klingt dieser langweilig, altbacken oder genauso, wie all die anderen Anzeigen, werden sich sicher wenig Surfer auf die eigene Website locken lassen. Noch schlimmer und recht kostspielig ist es, die falschen Suchbegriffe zu buchen. Unternehmen denken oft in ihren eigenen Produkt- und Markenwelten. Der Kunde hat von diesen Worten in der Regel keine Ahnung und sucht eher problemorientiert. Das heißt, er umschreibt sein Problem mit seinen Worten. Oder er verwendet einfach andere Begriffe. Suchen Menschen nach einem "Tacker", nützt es wenig, diesen korrekt mit "Hefter" zu bewerben. Das Suchwort "Blumenladen" mag einem Floristen oder einem Gartencenter vielleicht zu profan wirken. Aber genau danach suchen wohl die meisten, die für den Heimweg eine Überraschung für den Lebenspartner im Auge haben.

Einen weiteren, wichtigen Aspekt stellen die eigenen Internet-Seiten dar, auf die Suchende nach dem Klick auf die Werbung landen. Knapp eine Sekunde bleibt, dann entscheidet der Besucher, ob er richtig ist oder ob er den Zurück-Knopf in seinem Browser klickt und sich dem nächsten Treffer zuwendet. Und genau hier schlummern die größten Potenziale. Nicht wenige Unternehmen verscheuchen mit suboptimalen und auch manchmal wirklich schrecklichen Webseiten den Kurzbesucher gleich wieder. Hier wird das meiste Geld verbrannt. Wohl auch deswegen, weil die Web-Agentur, die Werbeagentur und andere an dem Prozess Beteiligte nicht auf die mittlerweile benötigten ganzheitlichen Konzepte ausgerichtet sind. Jeder sieht nur seinen Ausschnitt. Wird dies noch gepaart mit fehlenden Kenntnissen über den eigenen Tellerrand hinaus, kann eigentlich nichts Vernünftiges mehr dabei herauskommen. Und so entsteht die vielfach verbreitete Meinung, dass Web sei zwar ganz nett und man müsse schließlich eine Website haben, aber Geschäfte kämen dabei nicht zustande. Was für ein Irrglaube.

Überall da, wo Web-Seiten und Online-Werbung professionell integriert gestaltet werden, steigen auch die Umsätze spürbar. Wie sollte es auch anders sein? Jede Sekunde werden bei Google im Mittel 14 000 Suchanfragen gestartet. Und ein Drittel davon ist lokaler Natur! Die Menschen suchen verzweifelt lokale Informationen. Sie suchen lokale Unternehmen in der eigenen Stadt – oft, um direkt vor Ort einkaufen zu können. Wo bekommt man in Nürnberg eine bestimmte Citizen-Uhr, wo das Outdoor-GPS von Magellan und wo richtiges Büttenpapier? Man findet sie nicht, die lokalen Unternehmen. Weil die meinen, man würde sie nicht suchen. Und so wandert immer mehr Geld direkt aus den Läden in virtuelle Webshops. Die wissen, welches Potenzial zu heben ist. Und sie tun es. Wenn man bedenkt, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann, wird es höchste Zeit, dass der lokale Handel reagiert. Denken Sie daran: Lokales Online-Marketing bringt Neukunden und damit frischen Umsatz!

Externer Kontakt:

Prof. Dr. Mario Fischer ist Direktor des tms Instituts in Nürnberg und Experte für Suchmaschinen und Online-Marketing

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2008, Seite 24

 
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