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Sielaff

Marktführer bei Automaten

Was haben Automaten der Londoner Underground, der Pariser Metro oder der Baseler Verkehrsbetriebe gemeinsam? Sie kommen aus Mittelfranken, genauer gesagt von Sielaff aus Herrieden. Obwohl Sielaff an 13 Standorten fast 600 Beschäftigte hat, ist die fränkische Ideenschmiede für Automaten meist nur Insidern bekannt.

Das neueste Projekt sind Kaffeeautomaten für das Unternehmen "Tank und Rast", das Raststätten an den Autobahnen betreibt. "Es ist nicht zu glauben, welche Herausforderungen sie bei einem Kaffeeautomaten mit Frischmilch lösen müssen", erklärt Geschäftsführer Jürgen Utschig. Denn Kaffeeautomaten müssen alle 24 Stunden gereinigt werden, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden.

Anlässlich eines Firmenrundgangs, den das Marketing-Netzwerk Trust organisiert hatte und an dem auch IHK-Vizepräsidentin Erika Gruber und der Leiter der Ansbacher IHK-Geschäftsstelle Gerhard Fuchs teilnahmen, erklärte Utschig, Sielaff sei in Deutschland Marktführer. Fünf weitere Automatenhersteller gebe es hierzulande noch, europaweit seien es etwa 30. Die meisten Mitbewerber hätten sich im Gegensatz zu Sielaff ausschließlich auf Verkaufsautomaten spezialisiert. Die Herrieder setzen dagegen auf ein individuelles Know-how, um unabhängiger bei Konjunkturschwankungen zu sein. Wichtige Säulen des Geschäfts sind klassische Verkaufsautomaten, Pfandrücknahmeautomaten, der Gastronomiebereich sowie Vorratsschränke und Automatenverkleidungen.

Angefangen hatte alles mit Automaten für den Verkauf von Schokoladentäfelchen. Der hunderttausendfach produzierte Zigarettenautomat spielt heute nach der Einführung der Jugendschutzkontrolle und des Rauchverbots keine große Rolle mehr. An seine Stelle ist der Kaffeeautomat getreten. Erfolgreich war auch der Einstieg bei den Pfandrücknahmeautomaten, die Sielaff u.a. für die Rewe-Gruppe produziert. Für die neu entwickelte Automaten-Linie hat Sielaff in Ilmenau eigens ein Institut mit 13 Mitarbeitern eingerichtet, das sich in unmittelbarer Nähe zur dortigen Hochschule befindet. Deren Know-how bei der Bildbearbeitung ist für Sielaff von großem Nutzen. Außerdem ist dort das Sielaff Telemetrie Center ansässig, eine technische Hotline für Mitarbeiter aus dem Discountbereich und der Gastronomie.

Sielaff setzt auf individuelle Lösungen für die Kunden statt auf Großserien. So produziert Sielaff in vielen Bereichen lieber selbst, z.B. die Isolation oder bei der Pulverbeschichtung. Durch die hohe Fertigungstiefe bei der Blechverarbeitung kann das Unternehmen auch Lohnaufträge für andere Firmen übernehmen. "Die Pulverbeschichtung war vor zehn Jahren eine Bauchentscheidung", erklärt der technische Leiter Peter Mayer. "Das war eine gute Entscheidung, denn wir konnten unser Lagervolumen und die Durchlaufzeit reduzieren."

Neben dem Hauptstandort im Landkreis Ansbach mit 500 Mitarbeitern gibt es noch einen Produktionsstandort in Oelsnitz (Erzgebirge), drei weitere Vertriebsstandorte in Deutschland sowie Niederlassungen in Tschechien, Polen, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Australien und Großbritannien. Gegründet wurde das Unternehmen, das im letzten Jahr rund 66 Mio. Euro umsetzte, 1886 von dem Ingenieur Max Sielaff in Berlin, der 1889 das erste Patent für einen Verkaufsautomaten bekam. Mit neuen Geldgebern wurde der Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 in Herrieden wieder aufgebaut und befindet sich bis heute in Familienbesitz.

Autor: 
nei.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2009, Seite 61

 
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