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Boxdorfer Werkstatt

Von Logistik bis digitale Archivierung

Die Zeiten, in denen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) lediglich einfache Montagetätigkeiten und kleine Hilfsarbeiten erledigt haben, sind längst vorbei. "Wir haben ein breites Spektrum und bieten zum Teil hoch spezialisierte und komplexe Dienstleistungen für Industrie, Mittelstand und Handwerk an", sagt Jürgen Emisch, Geschäftsführer der BZB Behinderten-Zentrum Boxdorf gemeinnützige GmbH in Nürnberg-Boxdorf. Dazu gehören einfache Verpackungs- und Kommissionierarbeiten ebenso wie die komplette Büro-Artikel-Logistik für Unternehmen oder die digitale Archivierung.

Dennoch: Alle handarbeitsintensiven Tätigkeiten sind von jeher das Metier einer WfbM. "Wir sind flexibler als Maschinen", sagt Produktionsleiter Bernhard Kreutzer: "Wir können schneller umstellen und arbeiten auch bei Stückzahlen rentabel, bei denen sich eine Automatisierung nicht lohnt, wie zum Beispiel bei Serienvorläufen oder -ausläufen." So übernimmt die Boxdorfer Werkstatt u.a. verschiedene Montagetätigkeiten für Industrie und Handel: Die Beschäftigten mit Körperbehinderung bauen aus rund 100 Einzelteilen Stehhilfen für einen Sitzhersteller zusammen, verpacken und versenden diese, konfektionieren Waschmaschinenschläuche, montieren Bauteile für elektronische Steuerungen oder kommissionieren aufwändige Promotion-Boxen für einen Lebensmittel-Großhändler. Doch die WfbM bietet darüber hinaus auch komplexe EDV- und Logistikdienstleistungen an: So übernimmt die gemeinnützige GmbH die komplette Lagerlogistik für Kunden – einschließlich der Bestandsführung. Für einen Hörgerätehersteller erledigen die Boxdorfer z.B. die komplette Werbeartikel-Logistik einschließlich Versand. Zu den Vorzeigeprojekten der Boxdorfer Werkstatt gehört seit einigen Jahren die Büroartikel-Logistik mit einem eigenen Online-Shop. Rund 12 000 Artikel – vom Aktenordner bis zum Zettelkasten – können die Kunden per Mausklick über das Internet-Portal der Werkstatt (www.bzb-werkstattladen.de) bestellen. Die 20 Mitarbeiter der Abteilung stellen dann die Lieferung zusammen und liefern sie binnen 48 Stunden bis an den Schreibtisch.

Die WfbM übernimmt seit Kurzem auch die Digitalisierung und Archivierung von Akten, wobei nach hohen Datenschutzstandards gearbeitet wird. Nach dem Einlesen mit Hochleistungsscannern werden die Dokumente überarbeitet und mit Schlagworten versehen. Der Kunde erhält dann seine Akten auf einer CD als eigenes Archiv in Bild- und Textformat oder für die Integration in seine vorhandene Datenbank.

Zur Boxdorfer Werkstatt gehört ein kompletter Reha-Bereich mit Assistenz, Pflegedienst und therapeutischen Angeboten, um die Mobilität und Arbeitsfähigkeit der rund 180 Beschäftigten in der Werkstatt und in der angegliederten Förderstätte zu erhalten. Insgesamt über 80 Mitarbeiter sind im Einsatz, um die Arbeitsplätze an die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen sowie Dienstleistungen und Rehabilitations-Angebote weiterzuentwickeln. Gesellschafter der BZB gGmbH ist der 1962 gegründete Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V., der u.a. auch einen eigenen Fahrdienst, stationäre und ambulante Wohnformen, Frühförderungen, Kinderkrippen und Kindergärten sowie mehrere Integrationsfirmen betreibt. Zu den Kunden der Boxdorfer Werkstatt gehören inzwischen viele große Unternehmen wie Siemens, Rehau, die PSD Bank, Akemi, Schwaiger, Semikron oder das Autohaus Pillenstein. Eine weitere Besonderheit von Werkstätten für behinderte Menschen ist, dass Unternehmen, die Aufträge an die Werkstatt vergeben, 50 Prozent der Arbeitsleistungen von ihrer Ausgleichsabgabe abziehen können. Diese Abgabe muss bezahlt werden, wenn Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten nicht mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzt haben. "Die Ausgleichsabgabe ist für viele Unternehmen ohnehin fällig", erläutert Jürgen Emisch: "Wir bieten dafür sogar eine echte Gegenleistung. Bei einem mittleren Unternehmen kann das schon einmal über 20 000 Euro Einsparung im Jahr ausmachen."

Autor: 
leo.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 08|2009, Seite 43

 
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