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GfE Gesellschaft für Elektrometallurgie

Spezialist für Hochleistungsmetalle

Am 22. September feierte die weltweit tätige GfE Gesellschaft für Elektrometallurgie mbH Nürnberg ihr 100-jähriges Bestehen. Entstanden war das Traditionsunternehmen am 1. August 1911 als gemeinsame Gründung der schlesischen Erz-Importfirma Rawack & Grünfeld, des Chemiker Dr. Jakob Forchheimer und von Max Loewi.

Die jüdischen Gründer begannen der Chronik zufolge mit einem Startkapital von 700 000 Reichsmark und produzierten anfangs vor allem Zusatzstoffe für die Stahlherstellung. So wurden vanadiumhaltige Schlacken aufbereitet und zu Ferrovanadium verarbeitet. Die Firmengründer bauten damit auf eine jahrhundertealte Metallurgie-Tradition in Franken auf. Wie die Festschrift vermerkt, markierten die Anfangsjahre der GfE „möglicherweise den Beginn eines großtechnischen Metallrecyclings in Franken“, zumal aus der Restschlacke auch Dünger hergestellt worden sei. In den „Goldenen 20er Jahren“ entwickelte sich die GfE dynamisch, während der Weimarer Republik wurden auch die Auslandskontakte systematisch ausgebaut. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte einen harten Einschnitt: Die jüdischen Firmeninhaber beschlossen, Deutschland zu verlassen; im Zuge der Zwangsarisierung wurde das Unternehmen gemeinsam von den Vereinigten Stahlwerken und den Reichswerken Hermann Göring übernommen. Für die Nazis hatte die GfE große Bedeutung, etwa bei der Produktion synthetischen Erdöls.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm nach und nach die jüdische Gründerfamilie Grünfeld wieder das Unternehmen. Unter dem Namen „Metallurg“ baute sie eine weltweit agierende Firmengruppe auf, mit Standorten von New Jersey bis Turin, von Brasilien bis Zürich. In den Jahren des Wirtschaftswunders stieg die GfE zu einem Global Player auf und wurde beispielsweise zum größten Produzenten von Vanadiumoxid in der westlichen Welt. Abnehmer waren überwiegend europäische Stahlkonzerne wie Thyssen, Mannesmann und Krupp. „Das Werk in Nürnberg florierte“, resümiert die Chronik. Doch in den zwei Stahlkrisen der 1980er und 90er Jahre wurde auch die GfE hart getroffen. „Jetzt ging es um das nackte Überleben“, beschreibt die Festschrift die dramatische Lage. „Die GfE musste sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen, auf innovative und hoch qualitative Nischenprodukte zurückkommen.“

Inzwischen wurde die Konzernstruktur runderneuert, die GfE-Holding ist heute Teil der Advanced Metallurgical Group N.V. (AMG) im US-amerikanischen Safeguard International Fund. Für AMG arbeiten insgesamt 4 000 Menschen, davon 400 bei GfE. Die GfE sieht sich als Nischenanbieter für spezielle, hoch intelligente Materialanwendungen und als Spezialist für 250 Werkstoffe, die in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt werden. Entsprechend vielfältig ist die Produktpalette: Pulver für Schaltkontakte, Magnete, Schweißelektroden, Legierungen für die Wasserstoffspeicherung, Produkte für die Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie, Technologien für Kraftwerke und Chemieanlagen. Ein wichtiger Geschäftszweig sind auch umweltfreundliche PVD-Dünnschicht-Beschichtungswerkstoffe für Architekturglas, Automobilglas, Photovoltaik, Laserspiegel sowie Farb- und Spezialfilter. Intensiv arbeitet die Firma mit Forschungseinrichtungen wie dem Kompetenzzentrum Neue Materialien Fürth zusammen, das unweit des GfE-Standorts an der Stadtgrenze Nürnberg-Fürth liegt. Das innovative Traditionsunternehmen wird auch die Namensgleichheit mit der „GFE Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien mbH“ in Nürnberg überstehen, die Blockheizkraftwerke zum Verkauf anbot und sich dabei nach Meinung der Ermittlungsbehörden betrügerischer Tricks bediente.

Nicht vergessen ist bei der GfE die lange und wechselvolle Firmengeschichte. An den 1879 in Kattowitz geborenen Firmengründer erinnert heute der „Dr. Paul Grünfeld Gedächtnispreis“, den die Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute e.V. alle zwei Jahre an Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Sondermetall-Metallurgie vergibt.

Autor: 
wra.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2011, Seite 110

 
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