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IHK-Konjunkturklima

Lage trotz Herbstabkühlung robust

Die Wirtschaft in Mittelfranken steht trotz der unsicheren weltwirtschaftlichen Lage gut da. Allerdings schrauben die Unternehmen ihre Erwartungen für die nächsten Monate zurück.

Ähnlich positiv wie im Frühjahr 2012 beurteilen die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage: Über 90 Prozent sind zufrieden mit ihren Geschäften und rund ein Drittel berichtet sogar von gestiegenen Auftragseingängen. Die schwierige konjunkturelle Lage einiger europäischer Nachbarländer und die Unsicherheit bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise spiegeln sich also nicht in den aktuellen Bewertungen der Unternehmen wider, wohl aber in deren Erwartungen. In der Gesamtheit geht die mittelfränkische Wirtschaft zurückhaltend in die bevorstehenden Wintermonate und erwartet kaum mehr Dynamik.

Dies führt zu einem Absinken des IHK-Konjunkturklimaindexes, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt. Mit einem Wert von 112,3 liegt der Index um 9,5 Punkte unter der Gesamttendenz der Vorbefragung im Frühjahr. Nach zwei erfreulichen Jahren mit Spitzenwerten – nicht nur beim IHK-Konjunkturklimaindex, sondern auch bei den Investitions- und Beschäftigungsplänen der regionalen Wirtschaft – zeigt sich bei der Herbstumfrage eine deutliche Tendenz: Die mittelfränkische Wirtschaft erweist sich als robust und widerstandsfähig und geht mit Bedacht in die Zukunft. Vorsichtige Pläne bei Investitionen und Beschäftigung zeigen, dass die Unternehmen eine Verlangsamung des Wachstums fest im Kalkül haben.

Geschäftslage wird als gut beurteilt

Aktuell steht die Region noch immer auf konjunkturell stabilen Beinen. Die Geschäftslage hat sich im Vergleich zur letzen Befragung kaum verändert und ist mit einem Saldo von plus 34 nach wie vor auf einem sehr guten Niveau. Marginal verändert hat sich der Anteil derjenigen, die von einer schlechten wirtschaftlichen Lage berichten – ihr Anteil liegt aber weiterhin unter der Marke von zehn Prozent. Mit anderen Worten: über 90 Prozent der mittelfränkischen Unternehmen zeigen sich zufrieden mit den Geschäften.

Erwartungen sind eingetrübt

Die Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft an die kommende Entwicklung sind eher vorsichtig, hier dürften sich die bestehenden konjunkturellen Unwägbarkeiten niederschlagen: Die schwindende wirtschaftlichen Dynamik bei wichtigen Handelspartnern sowie die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum. Aktuell rechnet noch jedes fünfte Unternehmen mit besseren Geschäften, beinahe ebenso viele haben genau gegenteilige Erwartungen. Die Mehrheit aber, nämlich über 60 Prozent, rechnet nicht mit Veränderungen in den kommenden Monaten.

Entwicklungen der Branchen

Die mittelfränkischen Industrieunternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage zwar positiv, dennoch ist ein Rückgang bei der Lagebeurteilung zu verzeichnen. Im Saldo sinkt der Wert um acht Punkte auf plus 27. Neben einer Konsolidierung nach den vergangenen Rekordumfragewerten spielen auch die engen internationalen Verflechtungen der Branche eine Rolle beim Stimmungseinbruch. Ein Drittel der Industrieunternehmen berichtet insgesamt von gesunkenen Auftragseingängen, dabei fallen die Rückgänge aus dem Ausland, insbesondere Asien, stärker ins Gewicht als die aus dem Inland. Die im Frühjahr geäußerten, gestiegenen Erwartungen der Industrie wurden also enttäuscht, die aktuellen Erwartungen hat die Branche entsprechend nach unten korrigiert. Der negative Saldo bei den Aussichten auf die kommenden Monate schlägt sich in negativen Beschäftigungsplänen und stagnierenden Investitionsplänen der Industrie nieder.

Die Suche nach beständigen Wertanlagen in unsicheren Zeiten und niedrige Zinsen beflügeln die Bauwirtschaft. Nach einem kräftigen Rückgang bei der Beurteilung der Geschäftslage im Frühjahr zeigt sich die Bauwirtschaft aktuell äußerst zufrieden. Knapp die Hälfte der mittelfränkischen Bauunternehmen berichtet von guten Geschäften, eine Verschlechterung über die Sommermonate hinweg meldete kein einziges Unternehmen. Diese Entwicklung entspricht den im Frühjahr geäußerten Erwartungen der Branche, die mit expansiven Investitions- und Beschäftigungsplänen einher gingen. Nun steht der Winter vor der Tür, saisonbedingt sinken die Erwartungen der Bauwirtschaft. Der Rückgang fällt allerdings geringer aus als im Herbst 2011.

Insgesamt profitiert der Handel momentan von einer guten Binnenkonjunktur und stabilen Konsumausgaben. Entsprechend beurteilen die Handelsbetriebe der mittelfränkischen Wirtschaft die Geschäftslage weiterhin positiv, allerdings liegt der aktuelle Saldo (plus 24) deutlich unter dem Wert der Vorbefragung (plus 34). Die Unterschiede liegen hier im Detail: Einer hohen Zufriedenheit beim Großhandel steht eine im Branchenvergleich gedämpfte Einschätzung der Einzelhändler gegenüber. Ähnlich gelagert sind die Erwartungen: Der Großhandel blickt überwiegend erwartungsvoll in die kommenden Monate, die mittelfränkischen Einzelhändler haben dagegen offenbar keine gesteigerten Erwartungen an das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. Unter dem Stricht gehört der Handel aber zu den zuversichtlichen Branchen.

Die Stimmung in den mittelfränkischen Dienstleistungsunternehmen hält sich insgesamt auf gutem Niveau. Die aktuelle Geschäftslage der unternehmensnahen Dienstleister hat sich gegenüber dem Frühjahr 2012 im Saldo verbessert und auch die Aussichten für die nächsten Monate werden überwiegend positiv eingeschätzt. Beinahe jedes dritte Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen erwartet eine weitere Verbesserung der Geschäftslage und jeder zweite Betrieb geht von konstanten Geschäften aus. Auf dieser soliden Basis geben sich die Dienstleister weiterhin besonders expansionsfreudig: Ein Drittel beabsichtigt, die Investitionen weiter auszubauen, und ein Viertel plant, zusätzliches Personal einzustellen. Die Branche gehört damit zu den Stabilisatoren auf dem mittelfränkischen Arbeitsmarkt.

Die Stimmung in den verbrauchernahen Dienstleistungen, allen voran im Hotel- und Gaststättengewerbe, bleibt auf hohem Niveau. Die Branche äußert sich mehrheitlich positiv, ganze 52 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut und weitere 43 Prozent äußern sich zufrieden. Nur vier Prozent berichten von schlechten Geschäften. Die Branche profitiert von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und der hohen Konsumbereitschaft der Verbraucher. Dies beschert den Dienstleistern nicht nur einen guten Stimmungsindex, sondern führt auch zu zusätzlichen Investitionen und Arbeitsplätzen.

Investition und Beschäftigung

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen folgt den gemäßigten Erwartungen: Sie werden in den kommenden Monaten weiter investieren, sind aber insgesamt zurückhaltender als bisher. Immerhin plant knapp die Hälfte der Unternehmen, die Investitionsausgaben aufrecht zu erhalten.

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt bleiben weitgehend stabil: Eine Mehrheit von 72 Prozent der mittelfränkischen Unternehmen will ihre Mitarbeiterzahl beibehalten. Einziger Wermutstropfen: Planten im Frühsommer noch 18 Prozent der Unternehmen mit mehr Personal, so sind es aktuell nur noch 15 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei denjenigen, die ihre Belegschaft verringern. Deren Anteil ist von zehn Prozent auf 13 Prozent gestiegen.

Euro-Risiken dämpfen Entwicklung

Auf den ersten Blick scheinen die Turbulenzen im Euro-Raum keine größeren Wirkungen zu zeigen. Der robuste Arbeitsmarkt sorgt für Kauflust bei den Verbrauchern und beschert nicht nur den Unternehmen volle Kassen, sondern auch Bau- und Immobilienwirtschaft profitieren von niedrigen Zinsen und von der Suche nach beständigen Wertanlagen. Die Binnenkonjunktur läuft also gut.

Trotzt Deutschland also der Euro-Krise? Zwar verzeichnet die IHK bei ihrer aktuellen Konjunkturumfrage eine stabile und positive Lagebeurteilung seitens der Unternehmen, daneben stehen aber auch deutliche Unsicherheiten. Dies drückt sich nicht nur in gedämpften Erwartungen aus. Die Verunsicherung durch die Krisenstimmung im Euro-Land schwächt die Konjunktur, denn die Unternehmen sind insgesamt vorsichtiger geworden, was in der insgesamt sinkenden Investitionsneigung deutlich wird. Umso wichtiger ist es aus Sicht der IHK, für Stabilität im Euro-Raum zu sorgen. Hierzu gehört nicht nur die konsequente und glaubhafte Konsolidierung in den Mitgliedsländern, sondern auch ein Ende der Spekulationen über Austritte einzelner Länder aus dem Euro. Diese Verunsicherung der Märkte führt zu einer Gefährdung der gesamten Euro-Zone – und damit auch Deutschlands.

Autor: Maike Müller-Klier, ist Chefvolkswirtin der IHK Nürnberg für Mittelfranken.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2012, Seite 12

 
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