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Konjunktur in Mittelfranken

Regionale Wirtschaft brummt

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Der IHK-Konjunkturklima-Index ist nochmals angestiegen und lässt in den nächsten Monaten sehr gute Geschäfte erwarten.

Die Unternehmen der mittelfränkischen Wirtschaft waren in den Wintermonaten sehr erfolgreich und zeigen sich zu Jahresbeginn sehr zufrieden. Die Hälfte der Betriebe meldet eine Verbesserung der Geschäftslage gegenüber der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst. 45 Prozent können ihr gutes Niveau halten, nur sechs Prozent der heimischen Betriebe berichten von rückläufigen Geschäften. Zu dieser erfreulichen Entwicklung tragen die erhöhten Umsätze im In- und Ausland gleichermaßen teil. Ein gestiegenes Auftragsvolumen aus dem Ausland melden 40 Prozent der im Ausland aktiven Betriebe, im Herbst lag der Anteil noch bei 25 Prozent.

Die Unternehmen bewerten nicht nur ihre aktuelle Lage äußerst positiv, auch ihr Ausblick auf die kommenden Monate ist optimistisch, erklärte IHK-Präsident Dirk von Vopelius bei der Vorstellung des aktuellen IHK-Konjunkturklimas. Allen weltweiten Konflikten und Unwägbarkeiten zum Trotz sehen sie mehrheitlich positive Impulse. 24 Prozent der Betriebe gehen von einer guten Geschäftsentwicklung aus, im Herbst 2014 glaubten das nur 17 Prozent der Befragten. Mit Ausnahme des Handels prognostizieren alle Branchen in Mittelfranken einen Aufwärtstrend. Dass die Wirtschaft in Mittelfranken brummt, zeigt auch der IHK-Konjunkturklima-Index, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt: Er ist von zuletzt 119,6 auf nun 125,6 Punkte angestiegen und signalisiert einen dynamischen Start in das Jahr 2015.

Vor allem die Binnenwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt, höhere Konsumausgaben zur Weihnachtszeit und der Rückgang des Ölpreises haben für Impulse gesorgt. Zum stabilen Inlandsgeschäft kommen derzeit gestiegene Erwartungen an das Auslandsgeschäft – mit Ausnahme von Russland. Der im Verhältnis zum Dollar gesunkene Euro-Kurs und die Entkoppelung des Franken vom Euro kurbeln die deutschen Exporte an. Begleitet wird der positive Trend von soliden Investitionsplänen und von einer steigenden Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen. Eine anhaltend dynamische Entwicklung bei Industrie und Bauwirtschaft sowie ein stabiles Geschäft bei den Dienstleistern unterstreichen die guten Aussichten für die Wirtschaftslage in Mittelfranken.

Industrie: Die mittelfränkischen Industrieunternehmen melden eine ausnehmend gute Geschäftslage. Eine Mehrheit von 58 Prozent spricht von einer Verbesserung gegenüber dem bereits guten Herbstgeschäft. Mit einem Saldo von plus 52 bewegt sich die heimische Industrie auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren. Bei rund 40 Prozent der Industriebetriebe sind die Auftragsvolumina in den zurückliegenden Monaten gestiegen. Der Anstieg kommt gleichermaßen aus dem In- und Ausland, wobei die stärksten Zuwächse aus Nordamerika und Asiens stammen. Die durchschnittliche Auslastung der Produktionskapazitäten hat sich seit dem Herbst noch einmal verbessert und liegt aktuell bei 91 Prozent. Trotz oder gerade wegen des hohen Niveaus: Der Wachstumsmotor Industrie blickt positiv, aber verhalten in die kommenden Monate. Sowohl die Erwartungen als auch die Investitionsneigung der mittelfränkischen Industriebetriebe sind im Saldo positiv, insgesamt aber rückläufig.

Bauwirtschaft: Das mittelfränkische Baugewerbe ist nach wie vor höchst zufrieden mit der Geschäftslage. 60 Prozent der Bauunternehmen berichten von guten Geschäften, eine Verschlechterung über den Jahreswechsel hinweg meldet kein einziges Unternehmen. Der spät einsetzende und verhältnismäßig milde Winter hat dazu beigetragen, dass die Bauwirtschaft dem saisonalen Geschäftsrückgang entgegenwirken konnte. 20 Prozent der Baubetriebe melden einen Auftragsbestand, der größer als saisonüblich ist. Der Saldo der Geschäftslage sinkt winterbedingt zwar um fünf Punkte, bleibt mit plus 60 aber auf hohem Niveau. Als Zugpferd erweist sich derzeit insbesondere der öffentliche Bau, aber auch Wohnungsbau und Wirtschaftsbau bleiben auf konstant hohem Niveau. Die im Herbst noch eher zurückhaltenden Erwartungen der Baubetriebe steigen deutlich an und lassen mit einem Saldo von plus 20 auf gute Geschäfte im Frühjahr schließen.

Groß- und Einzelhandel: Die Lage der mittelfränkischen Handelsbetriebe hat sich gegenüber dem Herbst verbessert, liegt aber mit einem Saldo von plus 23 unter dem Niveau des Vorjahres. Das liegt daran, dass im Handel eine gemischte Stimmung herrscht: Denn während der Großhandel mit einem Saldo von plus 47 auf sehr hohem Niveau liegt, zeigt sich der Einzelhandel mit einem Saldo von plus 12 nicht so zufrieden, wie man es nach dem lebhaften Weihnachtsgeschäft vermuten würde. Hinzu kommt die Unsicherheit durch den Mindestlohn, der beim Einzelhandel zu weniger Einstellungen führen dürfte. Für kleinere mittelständische, meist familiengeführte Einzelhändler stellt die Lohnuntergrenze ein Risiko dar. Auch der Blick des heimischen Einzelhandels auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten fällt wenig optimistisch aus: Der Saldo der Geschäftserwartungen sinkt deutlich um 15 Punkte auf aktuell minus 10. Der Handel insgesamt erwartet in den kommenden Monaten nur einen leichten Rückgang, weil die positiven Einschätzungen der Handelsvermittlungen den Durchschnitt verbessern.

Unternehmensnahe Dienstleistungen: Jeder zweite unternehmensnahe Dienstleister berichtet von einer Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem Herbst, eine Verschlechterung stellen gerade einmal drei Prozent von ihnen fest. Damit erreicht der Saldo der Lagebeurteilung mit plus 47 Punkten ein Niveau wie zuletzt im Januar 2012. Überaus zufrieden mit den aktuellen Geschäften gibt sich die Informations- und Kommunikationswirtschaft (Saldo plus 67 Punkte), aber auch die Immobilienwirtschaft (Saldo plus 50) ist in bester Stimmung. Mit diesem Schwung gehen die Betriebe der unternehmensnahen Dienstleistungen auch überwiegend gut gelaunt in die Zukunft (Saldo plus 17), fast ein Drittel der Betriebe erwartet in den kommenden Monaten weitere Wachstumsimpulse und will entsprechend investieren und Personal einstellen. Ausnahme: Das mittelfränkische Speditionsgewerbe blickt mit Sorge auf das nächste Halbjahr, die Betriebe erwarten mehrheitlich einen Rückgang der Geschäfte (Saldo minus sechs Punkte).

Verbrauchernahe Dienstleistungen: Die Stimmung bei den Betrieben der verbrauchernahen Dienstleistungen war im vergangenen Herbst auf Rekordniveau, und noch immer berichtet über die Hälfte der Betriebe von einer Verbesserung der Geschäftslage. Im Saldo bleibt die Lagebeurteilung mit höchst positiven 48 Punkten praktisch konstant. Besonders zufrieden zeigt sich zum Jahresbeginn das Reisegewerbe (Saldo plus 50 Punkte), das im Herbst noch über ein rückläufiges Geschäft klagte. Die mittelfränkischen Dienstleister bleiben auch für die kommenden Monate überwiegend optimistisch, die Erwartungen der Branche steigen um sieben Punkte auf einen Saldo von plus 14. Positiv fällt auf, dass die Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes steigende Umsätze mit Geschäftsreisenden registrieren und deshalb häufig Erweiterungsinvestitionen planen.

Investitionen und Arbeitsmarkt

Die hohe Investitionsneigung der mittelfränkischen Wirtschaft spricht dafür, dass die gute geschäftliche Entwicklung nachhaltig ist. Ein Drittel der Betriebe plant, die Investitionsausgaben zu erhöhen, nur elf Prozent wollen sie senken. Der Saldo steigt damit um sechs Punkte auf einen erfreulich hohen Saldo von plus 22 Punkten an. Wichtigste Investitionsmotive im Inland sind derzeit Ersatzbeschaffungen und Produktinnovationen, wichtigster Grund für Auslandsinvestitionen sind Kapazitätserweiterungen.

Auf dem Arbeitsmarkt sind keine tiefgreifenden Veränderungen zu erwarten, der Personalbedarf bei der Mehrzahl der heimischen Betriebe bleibt stabil (72 Prozent). Immerhin 17 Prozent der Betriebe denken aktuell darüber nach, den Personalbestand aufzustocken – besonders die Industrie und die Bauwirtschaft. Deutlich weniger Betriebe wollen Stellen abbauen (elf Prozent), sodass sich im Saldo ein positiver Wert von plus sechs Punkten ergibt. Der Bedarf an Fachkräften in Mittelfranken bleibt weiterhin hoch und ist mit dem heimischen Potenzial nur schwer zu decken, weshalb 40 Prozent der befragten mittelfränkischen Betriebe die Fachkräftesituation als eines der größten Konjunkturrisiken nennen.

Trotz der Vielzahl von konjunkturellen Unwägbarkeiten durch weltweite Konflikte haben die Unternehmen in Mittelfranken in den zurückliegenden Monaten gute Geschäfte gemacht. Auch die Aussichten für das kommende Jahr sind zwar nicht enthusiastisch, aber insgesamt deutlich positiv. Getragen wird die gute Stimmung von verschiedenen Aspekten: Die Binnenwirtschaft profitiert u.a. vom Rückgang der Rohölpreise. Die Produktionskapazitäten der Industrie sind gut ausgelastet, weswegen viele Unternehmen Erweiterungsinvestitionen planen. Die Bautätigkeit bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Steigende Einkommen erhöhen den privaten Konsum. Die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken kommt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und damit dem Export der heimischen Wirtschaft entgegen. Das Jahr 2015 bietet daher gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Den positiven Entwicklungen stehen aber Wachstumsbremsen gegenüber, beispielsweise eine wenig investitionsfreundliche Politik der Bundesregierung sowie Arbeitsmarktregulierungen, die hohe bürokratische Belastungen für Betriebe bedeuten.

 

Autor: 

Dr. Maike Müller-Klier,  Leiterin IHK-Referat Volkswirtschaft

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2015, Seite 22

 
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