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Sale-and-Lease-Back

Hin und zurück

Verkauf © 29mokara/Thinkstock

Gebrauchte Maschinen verkaufen und gleich wieder anmieten – dadurch kann man die Liquidität im Betrieb erhöhen.

Bei Immobilien ist Sale-and-Lease-Back (SLB), also deren Verkauf und anschließende Wiederanmietung, ein bewährtes Mittel, um Liquidität im Unternehmen zu generieren. Weniger bekannt hingegen ist die Möglichkeit, eine solche Transaktion auch mit beweglichen Gegenständen des Anlagevermögens, insbesondere mit dem Maschinenpark, zu realisieren. Dafür eignen sich auch bilanziell bereits abgeschriebene und in Gebrauch befindliche Maschinen. Es handelt sich somit um ein klassisches Instrument der Innenfinanzierung, indem stille Reserven gehoben werden.

Eine der Besonderheiten dieser Form des SLB ist es, dass nicht ausschließlich die (bei Banken sonst übliche) Bonität des Unternehmens im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr auf die Werthaltigkeit des Maschinenparks selbst abgestellt wird. Es ist somit auch möglich, Liquidität in schwierigen Situationen wie einer Restrukturierung oder gar einer Insolvenz zu schaffen. Neben dem Maschinenpark kommen auch andere Mobilien (z.B. Firmenfahrzeuge) oder sogar immaterielles Vermögen (Patente) für dieses Verfahren in Frage. Voraussetzung ist jedoch, dass diese sich nach marktüblichen Methoden bewerten lassen. Als Basis für die Bewertung werden aktuelle Marktwerte statt der Buchwerte herangezogen, was teilweise erhebliche Aufschläge bedeutet. Ein weiterer positiver Aspekt ist die mit dem SLB verbundene Bilanzverkürzung und die damit steigende Eigenkapitalquote.

Sinnvoll ist die Finanzierung via SLB einer Daumenregel zufolge ab einem Liquiditätsbedarf bzw. Kaufpreis von ca. 250 000 Euro sowie einer zweistelligen Anzahl zu verkaufender Anlagen (keine Einzelmaschinen). In Frage kommen daher bevorzugt mittelständische Unternehmen aus Branchen, die traditionell mit einem hohen produktiven Anlagevermögen ausgestattet sind, wie z.B. der Maschinen- und Anlagenbau, die Bau- oder auch die Lebensmittelindustrie. Für die zu veräußernden Maschinen muss zudem zwingend ein funktionsfähiger Zweitmarkt vorhanden sein, um im Fall der Fälle (also der Zahlungsunfähigkeit des Leasing-Nehmers) als verwertbare Sicherheit für den Leasing-Geber dienen zu können. Das bedeutet, dass individuell gefertigte Maschinen bzw. Sondermaschinen nicht finanzierungsfähig sind. Schwierig gestaltet sich Sale-and-Lease-Back auch mit Anlagen, die einem schnellen technologischen Wandel bzw. kurzen Innovationszyklen unterliegen (z.B. Anlagen der Informationstechnologie).

Ablauf des Sale-and-Lease-Back

Der Ablauf des SLB von Maschinen und Anlagen ist identisch mit dem klassischen SLB: Der Eigentümer verkauft sie direkt an einen Spezialfinanzierer außerhalb des Unternehmens. Die Bewertung der Maschinen erfolgt schnell und anhand von externen Gutachtern bzw. Sachverständigen. Für eine erste Einschätzung und ein Angebot ist meist schon ein detaillierter Anlagespiegel ausreichend. Im nächsten Schritt least das Unternehmen die Mobilien umgehend wieder zurück, sodass die Maschinen und Anlagen den Produktionsstandort physisch nicht verlassen und die Produktion ganz ohne Zeitverzug weiter läuft.

Die Leasing-Raten können mit dem Finanzierungspartner situationsgerecht und in Abhängigkeit vom projizierten Cash-Flow des Unternehmens festgelegt werden – ein weiterer Vorteil zur klassischen Bank- oder Herstellerfinanzierung. Nicht nur für Gebrauchtmaschinen kann diese Variante des SLB eine attraktive Alternative sein, sondern auch zur Finanzierung oder zum Leasing von Neumaschinen. Es sind dabei sowohl Voll- als auch Teilamortisationsmodelle mit zuvor definiertem Restwert und individueller Laufzeit (häufig zwischen 36 und 60 Monaten) möglich. Die Leasing-Raten sind teilweise als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig.

Ein weiterer interessanter Aspekt dieser alternativen Finanzierungsform liegt darin, dass sie auch im Rahmen von Unternehmensnachfolgen eingesetzt werden kann. Die Liquidität, die durch das SLB geschaffen wird, kann Bestandteil der Akquisitionsfinanzierung sein und erschließt dem Nachfolger – über das vorhandene Eigenkapital und eine Bankenfinanzierung hinaus – eine zusätzliche Quelle für den Kaufpreis. Gerade bei Unternehmensnachfolgen durch natürliche Personen (vor allem Kandidaten für Management-Buy-In und Management-Buy-Out, deren Eigenkapital meist begrenzt ist), kann dies eine überaus interessante Option darstellen. Aber auch für den Herauskauf eines Gesellschafters lässt sich das SLB einsetzen.

Bislang gibt es nur wenige Anbieter dieser Form des SLB in Deutschland. Mit steigender Bekanntheit des Instruments und der wachsenden Bereitschaft gerade mittelständischer Unternehmen, sich über die klassische Bankfinanzierung hinaus auch alternativen Finanzierungsformen zu öffnen, wird sich der Markt aber in den kommenden Jahren mit großer Sicherheit positiv entwickeln.

Autor: 

Christian Weibrecht ist Geschäftsführender Gesellschafter der Weibrecht & Kollegen Corporate Finance GmbH in Nürnberg (weibrecht@weibrecht-kollegen.de).

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 04|2015, Seite 38

 
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