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IHK-Vollversammlung

Neuer Kostenplan für das „Haus der Wirtschaft“

Tief in das Erdreich gruben sich die Archäologen vor und gewannen dabei völlig neue Erkenntnisse zur Geschichte Nürnbergs. Der Bayerische Rundfunk berichtete live von der Baustelle

Wegen archäologischer Sensationsfunde: IHK-Neubau dauert länger und wird teurer als geplant.

Die Vollversammlung der IHK hat sich in ihrer Sitzung vom 13. Oktober ausführlich mit der Baumaßnahme „Haus der Wirtschaft“ befasst und das Budget der neuen Sachlage angepasst. Die reinen Baukosten steigen um knapp zehn Prozent von 27,8 auf 30,6 Mio. Euro und sind damit noch von der ursprünglich eingeplanten Reserve abgedeckt. Die Steigerung fällt im Wesentlichen bei den zur Sanierung anstehenden Altbauten an, bei denen sich im Zuge der Abbrucharbeiten überraschende Erkenntnisse zu Statikproblemen und weitaus höhere Schadstoffbelastungen als erwartet ergeben haben. Auch sind sehr aufwändige Sicherungsmaßnahmen am benachbarten denkmalgeschützten „Haus zum Savoyschen Kreuz“ notwendig, die ebenfalls die Kosten steigen lassen. Zur Absicherung von weiteren Unwägbarkeiten hat die Vollversammlung eine Reserve von 6,6 Mio. Euro beschlossen.

Die Projektkosten, also die Kosten für Umzug und Interimsquartier, liegen um lediglich 0,2 Mio. Euro über dem Plan. Zusammen weichen die Baukosten einschließlich der neu beschlossenen Reserve und der Projektkosten um knapp zehn Prozent von den ursprünglich geplanten Kosten ab. „Das ist bedauerlich, liegt aber noch im Rahmen des Üblichen bei derartigen Bauvorhaben,“ so IHK-Präsident Dirk von Vopelius. „Was uns allerdings wirklich trifft, sind die Kosten für die Archäologie, die keiner erwartet hatte, und die zu tragen, wir gesetzlich verpflichtet sind.“

Ausweitung der Archäologie

Im Auftrag der IHK hatten Experten das Baugelände im Vorfeld mit Bodenradar, Sondierungsbohrungen und Probegrabungen mit dem Ergebnis untersucht, dass im Boden kaum interessantes Material zu vermuten sei. Die Ergebnisse der Grabungen waren dann jedoch völlig überraschend, wie Stadtarchäologe John Zeitler bei einer Live-Sendung des Bayerischen Fernsehens von der Baustelle sagte: „Wir müssen die städtische Geschichte Nürnbergs umschreiben.“ Der Beginn der Besiedlung wird nun etwa auf das Jahr 850 datiert – 100 Jahre früher als bislang angenommen. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir in eine so frühe Zeit kommen“, so Grabungsleiter Dr. Jan Weinig.

Die geplante Dauer der Grabungen von maximal sechs Monaten und der entsprechende Planungsansatz von 0,2 Mio. Euro waren aufgrund der sensationellen Funde nicht zu halten, vielmehr ist jetzt von archäologiebedingten Kosten in Höhe von 4,2 Mio. Euro auszugehen – vorausgesetzt die Grabungsarbeiten werden tatsächlich wie von den Archäologen angekündigt bis Februar 2016 abgeschlossen. Um eventuelle Verlängerungen der Grabungszeit abzusichern, hat die Vollversammlung zusätzlich eine Reserve von 1,5 Mio. Euro beschlossen. Die Archäologiekosten umfassen die unmittelbaren Grabungsarbeiten, den archäologiebedingten Mehraufwand auf der Baustelle (Unterfangen bestehender Gebäude, Spundwände etc.) sowie die Mehrkosten der archäologiebedingten Verlängerung der Bauzeit (Miete im Interimsquartier und Baupreis-Index).

Finanzierung gesichert

Die Vollversammlung der IHK beschloss, das Gesamtbudget von 39,7 auf 49,3 Mio. Euro aufzustocken. In der mittelfristigen Finanzplanung bis 2019 ist diese Summe eingestellt. Eine Kreditaufnahme oder Erhöhung der Beiträge ist nicht notwendig. IHK-Präsident Dirk von Vopelius sagte: „Ich danke allen Mitgliedsbetrieben aus ganz Mittelfranken, dass wir diese Anstrengung gemeinsam meistern.“ Der neue Zeitplan sieht vor, dass im Sommer 2016 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Der Wiedereinzug in das Haus der Wirtschaft am Hauptmarkt ist für das Jahr 2018 vorgesehen.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2015, Seite 50

 
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