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Rehau

Volles Rohr für Energieeffizienz

Rehau_Erlangen_Richard G. Hückel © Udo Greiner

Überdimensional: Richard G. Hückel, Leiter „Projekte Bau“, im Ausstellungsraum vor einem mehr als mannsgroßen Kunststoffrohr.

Die oberfränkische Gruppe ist rund um den Globus aktiv. Am Standort Erlangen ist die Sparte Bau angesiedelt.

Wer sich ein paar Zahlen zur Rehau AG + Co aus Oberfranken anschaut, stellt fest, dass es sich dabei um eine beachtliche Firmengruppe handelt: 3,5 Mrd. Euro Umsatz, davon etwa 70 Prozent in Europa, weltweit rund 20 000 Beschäftigte an 170 Standorten und 40 Werken. Und mit 100 Patentanmeldungen pro Jahr ist sie eine der 50 innovativsten Firmen in Deutschland.

Ihre Ursprünge liegen bei Unternehmensgründer Helmut Wagner, der als Medizinstudent 1948 die „amtliche Erlaubnis zur Errichtung eines kleingewerblichen Industriebetriebs zur Herstellung von Igelit“ (Weich-PVC) erhielt. Mit dieser Genehmigung in den Händen begann er mit nur zwei Mitarbeitern und einer Maschine in seiner oberfränkischen Heimatstadt in einem Nebengebäude mit der Produktion von Wasserschläuchen und Kedern, also Randverstärkungen aus Kunststoff für Planen. Daraus ist die heutige Firmengruppe geworden, die sich in drei Geschäftsbereiche gliedert: Dazu gehört der Sektor Bau, in dem alles von der Fenster- und Fassaden- über die Gebäudetechnik bis hin zum Tiefbau zusammengefasst ist, der Bereich Automotive, der nahezu jedes Dritte in der EU hergestellte Auto mit Technik von Rehau ausstattet, und die industriellen Anwendungen, vornehmlich für Möbel- und Hausgeräteproduzenten.

Etwa 30 Prozent der Erlöse generieren die etwa 400 Mitarbeiter der Niederlassung in Erlangen-Eltersdorf, wo seit 1969 die Division Bau angesiedelt ist. „Wir stehen für Produkte, die Menschen rund um den Globus täglich nutzen und deren Einsatz die Welt von heute verbessert, damit auch kommende Generationen davon profitieren“, sagt Richard G. Hückel, Leiter „Projekte Bau“. Das Spektrum, das in Eltersdorf bearbeitet wird, ist vielfältig. Die jüngste Entwicklung ist das Einbruchpräventionssystem „Smart Guard“: Damit sollen Kriminelle aktiv abgeschreckt werden, bevor etwas passiert. Ein Erkennungssensor wird im Fenster oder der Balkon- und Terrassentür verbaut und löst ein individuelles Alarmprogramm aus – vom Herunterfahren der Jalousien bis zur Benachrichtigung auf das Smartphone, alles über eine App gesteuert und konfiguriert. Aber auch den Luftaustausch in den eigenen vier Wänden hat Rehau optimiert: Durch ein automatisiertes Lüftungssystem, das direkt im Fenster integriert ist und rund um die Uhr gefilterte Frischluft in das Haus oder die Wohnung leitet.

Rasenheizungen in Stadien

Marktführer ist Rehau auch bei Heizungen für Naturrasen auf den Fußballplätzen dieser Welt, so beim Club in Nürnberg und bei der SpVgg Greuther Fürth. Für die Weltmeisterschaft in Russland wurden in acht von zwölf Stadien Rohre auf insgesamt 64 000 Quadratmetern verlegt, für Temperaturen von bis zu minus 15 Grad. Den internationalen Markt erschlossen hat Rehau aber schon viel früher – erstmals 1996 mit Stadien in Usbekistan. Seitdem kamen 330 Systeme dazu, so auch für das Berliner Olympiastadion und die Allianz-Arena in München, die vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ausgestattet wurden. Laut Thorsten Wiggenhagen, Business-Teamleiter Flächenheizung und Kühlung, deckt man von der Fußball-Bundesliga bis zur Dritten Liga mehr als 80 Prozent der Stadien in Deutschland ab. Auch in der Fußballwelt rund um den Globus ist Rehau vertreten – vom AS Monaco bis zu den Tottenham Hotspurs. Das Produktsegment ist damit nicht ausgereizt: Golfplätze in den USA, Fußgängerzonen im zuweilen eisig-kalten Skandinavien, von Schnee und Eis freizuhaltende Bahnsteige in Deutschland, ebenso Hubschrauberlandeplätze, Start- und Landebahnen an Flughäfen und Brücken über Gewässer werden von Rehau mit Warmhalte-Rohren ausgestattet.

Breitband-Ausbau

Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen auch Kommunen, Stadtwerke und Telekommunikationsunternehmen beim Breitbandausbau – denn seit November 2016 schreibt das sogenannte „Diginetz-Gesetz“ vor, in allen Neubaugebieten sowie bei der Sanierung und beim Bau der Straßen die Rahmenbedingungen für Glasfaserkabelanschlüsse zu schaffen. Bis zu 20 Jahre nach Verlegung der Kabelrohre könnten Glasfaserkabel eingeblasen werden, ohne dass erneut Tiefbauarbeiten erforderlich sind, sagt Norbert Daschner, Vertriebsdirektor für Telecommunications. Rehau sieht in diesem Marktbereich angesichts der immer noch mangelnden Versorgung in Deutschland große Vertriebschancen.

Rehau nutzt die selbst entwickelten Produkte auch am eigenen Standort, beispielsweise beim energieeffizienten Bauen und Sanieren sowie für die Nutzung erneuerbarer Energien. Das Unternehmen ist 2017 der Erlanger Klimaallianz beigetreten und will – im Vergleich zu 2009 – bis 2020 den primären Energieverbrauch um 30 Prozent, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um 25 Prozent und den Wasserverbrauch um 40 Prozent senken. Dazu wurde ein Geothermiepark aus eigenen Produkten errichtet: Zwei Sondenfelder mit insgesamt 30 Erdwärmesonden, die zwischen 85 und 95 Meter in die Tiefe reichen, sparen jährlich etwa 195 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid ein. Ein Luft-Erdwärme-Tauscher sorgt für Energie aus dem Erdreich und speist eine Freiflächenheizung. Frischluft gelangt über 1 200 Meter antimikrobiell beschichtete Rohre in die Büros und im Besucherzentrum bleibt die Temperatur zu jeder Jahreszeit dank eines Kühl- und Heizsystems in der Raumdecke, das mit zwei Wärmepumpen verbunden ist, ständig auf angenehmem Niveau. „Unser Visitor Center verstehen wir deswegen als Modell für umweltbewusste Industriekultur“, erklärt Rehau-Fachmann Richard G. Hückel.

Autor: 

ug.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2019, Seite 62

 
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