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Polyplast

Gut verpackt von A nach B

Polyplast Altdorf © Christine Popp

Solides Gebinde: Uli Sander (l.) und Mitarbeiter Felix Kagerbauer mit einem Werkstückträger für Bremsscheiben.

Das Altdorfer Unternehmen stellt Kunststoffprodukte her und hat sich auf Schutzabdeckungen spezialisiert.

Was haben ein Kartoffelsack und ein Margarinebecher auf der einen Seite sowie Sonnenbrillen, Kotflügel und Bremsscheiben auf der anderen Seite gemeinsam? Alles hat mit Produkten der Firma Polyplast Sander GmbH zu tun. Die erstgenannten Produkte stammen aus der Anfangszeit des 1953 in Nürnberg gegründeten Familienunternehmens, die anderen hängen mit den aktuellen Produkten zusammen. Polyplast – seit 1989 in Ludersheim bei Altdorf ansässig – ist heute Spezialist für thermische Kunststoffbearbeitung und Anbieter von Logistiklösungen für verschiedene Branchen. So gehören Aufsteller, z. B. für Brillen, und Verkaufshilfen zum Sortiment. Vor allem beliefert der Betrieb aber die Automobilindustrie mit Werkstückträgern und Systembehältern sowie mit Schutzabdeckungen, damit lackierte Karosserieteile der Fahrzeuge bei der Montage nicht beschädigt werden.

Begonnen hat das Unternehmen mit der Produktion von geschweißten und bedruckten Polyethylen-Beuteln, beispielsweise für Kartoffeln. Später kamen Margarine-Becher und Produkte für die Spielzeugindustrie dazu, erklärt Seniorchef Uli Sander, als er über die Anfänge der Firma berichtet. Sein Vater Bruno hatte den Betrieb aufgebaut und ihm auch den heutigen Namen gegeben. "Polyplast, eben viel Kunststoff, und so ist es bis heute", sagt Uli Sander. "Thermoverformbarer Kunststoff, das ist unsere Welt, in der wir zuhause sind und enorm viel Wissen und jahrzehntelange Erfahrung in die Waagschale werfen können." Nachdem die Spielzeugindustrie in den 1960er und 1970er Jahren ihre Produktion immer mehr nach Asien verlagerte, musste sich Polyplast nach neuen Betätigungsfeldern umsehen. Damals entstanden die ersten Geschäftsbeziehungen zur Automobil- und Automobilzulieferindustrie, die seither kontinuierlich ausgebaut wurden und heute rund 60 bis 70 Prozent des Firmenumsatzes ausmachen.

Schutz für Autobauteile

Ob für Nockenwelle, Tacho, Drehzahlmesser oder Hydraulik-Ventile, je nach Kundenwunsch produziert Polyplast im Vakuum-Tiefziehverfahren Werkstückträger und Systembehälter. In diesen liefern die Automobilhersteller ihre Bauteile dann geschützt vor Staub, Wasser und Stößen an die Produktionsstätten weltweit. Außerdem hat sich Polyplast auf die Herstellung hochwertiger Schutzabdeckungen spezialisiert. "Wie eine zweite Haut passen die sich den Karosserieteilen an und schützen so den Lack bei der Montage vor Kratzern", erklärt Uli Sander, der selbst schon vor Jahren einen patentierten Felgenschutz entwickelt hat. Mit den eigenen Produkten sei man in den modernen Automobilfabriken Wegbereiter für die Industrie 4.0: "Denn nur wenn alle Einzelteile präzise angeliefert in den Fertigungsstraßen für die automatisierte Produktion parat stehen und gut entnehmbar sind,  kann das funktionieren", so Uli Sander.  Die Karosserie-Schutzabdeckungen aus dem Hause Polyplast in Altdorf sind beispielsweise bei einem großen bayerischen Automobilhersteller so geschätzt, dass er sie in die USA für die dortige Montage liefern lässt.

Kunststoff sei eine der umweltfreundlichsten Logistiklösungen, wie Uli Sander erklärt. Vorteile seien das geringe Gewicht, Haltbarkeit, Ladungsdichte sowie die Mehrwegfähigkeit. Nicht mehr benötigte oder beschädigte Produkte nimmt Polyplast von seinen Kunden zurück, der Kunststoff wird dem Produktionskreislauf erneut zugeführt und zu neuen Platten recycelt.

Von Prototyp bis Serienfertigung

Ressourcenschonung und nachhaltiges Handeln spielen bei dem Kunststoffhersteller auch im Allgemeinen eine große Rolle: 2018 ging auf dem Firmengelände in Altdorf ein Solarpark in Betrieb, der mit etwa 4 000 Quadratmetern einer der größten im Landkreis Nürnberger Land ist. Zudem hat das Unternehmen Mitte 2019 ebenfalls auf dem Betriebsgelände eine Streuobst- und eine Bienenwiese angelegt. Ein Imker kümmert sich nun um vier Bienenvölker und die Beschäftigten dürfen sich bei den Äpfeln und Birnen der Streuobstwiese bedienen. Für diese Maßnahmen wurde Polyplast als eine der ersten Firmen im Landkreis mit dem Titel "Blühender Betrieb" vom Bayerischen Umweltministerium ausgezeichnet.

"Unsere Stärke als mittelständischer Betrieb ist unsere Schnelligkeit und dass wir ultra-flexibel sind, das hören wir immer wieder von unserer Kundschaft", sagt Bastian Sander. Außerdem habe man eine eigene Entwicklungsabteilung und den Formenbau selbst im Haus. So könne man von den Prototypen bis zur Serienfertigung eine Rundum-Lösung anbieten. Er hat zusammen mit seinem Bruder Thomas seit einigen Jahren das Tagesgeschäft der Firmenleitung von seinem Vater übernommen. "Er schleicht sich in den wohlverdienten Ruhestand, ist aber immer noch aktiv, wenn es um Innovationen und Forschungsprojekte geht", beschreibt Bastian Sander mit einem Lächeln im Gesicht die Übergabe der Firmenleitung an die dritte Generation.

Von Ruhestand spürt man allerdings wenig, wenn man mit Uli Sander durch seinen Betrieb läuft. Er sprüht vor Ideen und Innovationskraft, eine Unternehmereigenschaft, die ihn sein ganzes Berufsleben begleitete. Nicht bei allen Ideen reichte es für die Serienreife, wie für den roten Schlitten, der an einer Wand hängt, oder für den Regenschutz mit Solarzelle für Rollstühle. Seine neueste Idee ist eine Kunststoffhaube für die Gastronomie, um in Zeiten von Corona das Essen geschützt zum Gast zu bringen. In der Entwicklungsabteilung von Polyplast arbeitet man derweil gerade in Zusammenarbeit mit einigen Forschungseinrichtungen an einer Verbindung von Polycarbonat und Plexiglas. Insbesondere gehe es darum, diesen leichten, stabilen und UV-beständigen Werkstoff so transparent zu machen, dass er einmal die traditionelle Glasscheibe im Auto ersetzen könnte, erklärt Uli Sander. 

Von der momentanen Wirtschaftskrise bleibt auch Polyplast nicht unberührt: "In den letzten Jahren hatten wir leicht steigende oder zumindest konstante Umsätze von gut sieben Mio. Euro im Jahr, das werden wir 2020 sicher nicht erreichen", sagt Bastian Sander. Man habe vom Betrieb mit drei Schichten auf eine Schicht und Kurzarbeit herunterfahren müssen. "Auch wenn es jetzt wieder langsam losgeht, werden wir das nicht mehr ausgleichen können." Beim Thermoziehverfahren komme es sehr auf die Erfahrung der Beschäftigten an, daher hoffe man, gut durch diese Krise zu kommen und somit das Know-how der Mitarbeiter halten zu können, erklärt sein Vater. Das Unternehmen hat rund 50 Beschäftigte und bildet derzeit fünf Auszubildende zu Industriekaufleuten, Produktdesignern sowie Verfahrensmechanikern für Kunststoff und Kautschuktechnik aus. "Das Wissen, das wir brauchen, ist sehr speziell und deshalb legen wir auch großen Wert darauf, in die Zukunft zu investieren und unseren eigenen Nachwuchs auszubilden", so Uli Sander.

Autor: 

cp.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2020, Seite 84

 
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