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Metallpigmente und Metallfolien für Kunden weltweit

Die Carl Schlenk AG mit Sitz in Roth-Barnsdorf ist Spezialist für Metallpigmente und spezielle technische Metallfolien. Das Familienunternehmen, das in der vierten Generation von Joachim von Schlenk (41) geleitet wird, kann in diesem Jahr auf eine 125-jährige erfolgreiche Firmengeschichte zurückblicken.

Im Jubiläumsjahr bedankte sich das Unternehmen bei seinen Mitarbeitern im Sommer mit einem großen Familienfest mit Gauklern, Artisten, Musikern und einem riesigen Feuerwerk. „Wir sind ein sehr regional gewachsenes Unternehmen. Manche unserer Mitarbeiter sind schon in der fünften Generation bei uns. Das bringt eine gewisse Loyalität mit sich, für die wir sehr dankbar sind. Und dadurch, dass unsere Mitarbeiter uns sehr langfristig verbunden sind, bringen sie auch viel Know-how mit ein, ohne das wir nicht so erfolgreich sein könnten“, so Unternehmenschef Joachim von Schlenk, der im übrigen fest davon ausgeht, dass die Schlenk-Gruppe auch in Zukunft ein familiengeführtes Unternehmen bleiben wird. „Wir haben viel Nachwuchs in der Familie. Da ist sicher ein geeigneter Nachfolger darunter.“

Metallpigmente, Metallpulver, Metallfolien – für den Endverbraucher hört sich das ziemlich abstrakt an. Jedoch begegnet man Produkten der Carl Schlenk AG in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen: Das Gold auf der Goldbären-Tüte und auf der Nescafé-Gold-Verpackung, der silber-schimmernde Nagellack und das Armaturenbrett in silber-metallic im edlen Z4 von BMW. Extrem dünn gewalzte Folien werden zum Beispiel in Solarzellen, in der Weltraumtechnik, bei vielen Arten der Stromübertragung und bei Mobiltelefonen zur Strahlungsabschirmung eingesetzt.

Etwa ein Viertel des Jahresumsatzes von rund 75 Mio. Euro erzielt das Unternehmen mit Folien. „Schlenk-Folien sind so dünn, dass selbst ein Haar dagegen dick erscheint. In der Elektronikindustrie wird alles immer kleiner, leichter und leistungsfähiger, deshalb entwickeln und fertigen wir bei Schlenk immer dünnere Spezialfolien“, erklärt Michael Bauer aus der Marketing-Abteilung. Das Schlenk-Walzwerk produziert so aus immer weniger mehr, wie dieses anschauliche Beispiel zeigt: Um ein Fußballfeld mit einer Kupferfolie der 1993 gefertigten Durchschnittsdicke abzudecken, hätte man etwa 2 200 Kilogramm Kupfer benötigt. Mit der 2003 üblichen Dicke von nur noch 0,032 Millimetern bräuchte man zum Abdecken der gleichen Fläche nur noch rund 1 400 Kilogramm, eine Rohstoffersparnis von 36 Prozent.

Eines der Hauptgeschäftsfelder der Schlenk Gruppe ist die Produktion von Aluminiumpulver für die Porenbetonindustrie, mit der 1956 begonnen wurde. Das Aluminiumpulver wird einer Mischung aus Zement, Kalk, Sand und Wasser zugegeben, die dann in die Treibform gegossen wird. Es findet eine Reaktion statt, bei der Wasserstoff entsteht. Dieser bläht, ähnlich wie die Hefe den Kuchen, den Betonschlamm auf. Die Porenstruktur bleibt beim Härteprozess erhalten. Der poröse Stein ist extrem leicht und isoliert hervorragend. Die Produktion von Aluminiumpigmenten – jährlich werden in der Firmengruppe 10 000 Tonnen dieses Metalls verarbeitet – hat bei Schlenk eine lange Tradition seit 1892. „Wir sind damit der älteste Hersteller dieser Produkte weltweit“, so Michael Bauer.

Ebenfalls schon sehr lange, nämlich seit 1897, ist das Unternehmen, das heute rund 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt und weltweit über 600 Mitarbeiter beschäftigt, eine börsennotierte Aktiengesellschaft. In Deutschland sind rund 500 Mitarbeiter aktiv, darunter 31 Auszubildende. Die Schlenk Gruppe hat Niederlassungen in Tschechien, Frankreich, Hongkong, Italien, Slowenien und in den USA.

Mit Optimismus blickt Joachim von Schlenk, der sich als Vorsitzender des IHK-Gremiums Roth für die regionale Wirtschaft engagiert, in die Zukunft. „Für das laufende Jahr erwarten wir eine Umsatzsteigerung von etwa zehn Prozent. Wir wachsen vor allem im Bereich Folien für die Elektronikindustrie und bei den Pigmenten mit Metalleffekt, aber auch bei der Herstellung von Aluminiumpulver für Porenbeton.“ Mit dem Erfolg des Unternehmens einher gehe auch ein klares Bekenntnis zum Standort Bayern: Zwischen 1997 und 2003 hat Schlenk 55 Mio. Euro investiert, davon 42 Mio. im Freistaat. Im Sommer 2003 wurde von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber das neue Technologiezentrum in Roth eingeweiht. Rund 2,3 Mio. Euro hat Schlenk allein in diese neue „Denkfabrik“ investiert, in der in enger Abstimmung mit den Kunden an der Herstellung neuer Materialien geforscht wird. Im laufenden Jahr investiert die Schlenk-Gruppe acht Mio. Euro in Bayern, die Summe fließt überwiegend in Projekte zur Kapazitätserweiterung. Verbunden mit der regen Investitionstätigkeit ist auch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, in den letzten zehn Jahren hat die Gruppe ihre Mitarbeiterzahl um rund 200 erhöht.

Nicht nur in Sachen Investitionen und Arbeitsplätzen bekenne sich die Schlenk-Gruppe klar zu ihrer fränkischen Heimat. Waren es in den Anfangszeiten die Gründung einer Betriebskrankenkasse und einer Unterstützungskasse sowie der Bau von Werkswohnungen, so wird heute u.a. dem Umweltschutz große Bedeutung beigemessen. So wurde vor gut zehn Jahren im Zuge einer Werkserweiterung ein großangelegtes Renaturierungskonzept für die Wälder und Auen rund um den Industriestandort umgesetzt, wo heute wieder seltene Vogel- und Pflanzenarten heimisch sind. Auch die 1998 in Roth-Barnsdorf neu errichtete Hauptverwaltung ist ein architektonisches Beispiel für die Verbindung von Ökologie und Ökonomie.

Christine Popp
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2004, Seite 56

 
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