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IHK-Konjunkturklima: Aufschwung mit Hürden

IHK-Konjunkturklima: Aufschwung mit Hürden

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Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 1383
Janine Blacha

Janine Blacha

Fachbetreuerin Referat Regionale Wirtschafts- und Verkehrspolitik, Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 1375

Die Konjunktur in Mittelfranken ist auf einem kräftigen Wachstumskurs, allerdings mehren sich die Sorgen um Fachkräfte, Lieferengpässe und weitere Preissteigerungen.

Kernaussagen

  • Geschäftslage: Kräftiges Umsatzwachstum nach den Lockdowns, hohe Zufriedenheit in fast allen Branchen, verbrauchernahe Dienstleistungen noch mit Nachholbedarf
  • Geschäftserwartungen: Gewachsene Zuversicht
  • Investitionsplanungen weiter expansiv
  • Beschäftigung: Plus in Industrie und unternehmensnahen Dienstleistungen
  • Fachkräfteknappheit, Lieferengpässe sowie weiter anziehende Preise für Rohstoffe und Vorleistungen behindern die Erholung
  • Wirtschaftspolitischer Fokus auf Digitalisierungsfortschritten und wettbewerbsneutraler Klimapolitik

Ausführliches Konjunkturklima

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Das Konjunkturklima der mittelfränkischen Wirtschaft hat sich dank steigender Umsätze in allen Branchen weiter aufgehellt. Die Unternehmen zeigen sich bereits wieder zufriedener und zuversichtlicher als vor der Corona-Krise. Mit fortschreitenden Lockerungen der Restriktionen folgen nun auch die Betriebe aus Handel und Dienstleistung der Industrie, die schon im ersten Halbjahr 2021 das Wachstum angekurbelt hatte. Doch der Motor droht ins Stottern zu geraten: Materialmangel und deutlich gestiegene Preise für Energie und Rohstoffe bremsen Produktion und Export.

Der IHK-Konjunkturklimaindex hat sich gegenüber dem Frühjahr um fast 20 Punkte erhöht und dokumentiert die kräftige Erholung in allen Branchen.

Während sich Geschäftslage und ‑erwartungen im Einzelhandel und den verbrauchernahen Dienstleistungen angesichts wachsender Nachfrage im Spätsommer weiter aufhellen, entwickeln sich zugleich die angebotsseitigen Lieferengpässe und Produktionsausfälle zum Flaschenhals für das Wachstum in Industrie und Bau. Wermutstropfen der gestiegenen Kauflaune:  Auch in Handel und Dienstleistung rechnen die Betriebe für die kommenden Monate mit steigenden Verkaufspreisen.

IHK-Konjunkturklima Herbst 2021 - Saldo

Indikatoren im Überblick

Geschäftslage

Über alle Branchen der mittelfränkischen Wirtschaft hinweg setzt sich der Trend der gesamtwirtschaftlichen Erholung bis in den Herbst 2021 fort. Hintergrund ist die Erholung von Binnen- und Auslandsnachfrage, verbunden mit einer verbesserten Auftragslage bzw. gewachsenen Umsätzen. Unter den Befragten überwiegt die Zufriedenheit, der Saldo aus gut- und schlecht-Urteilen steigt auf plus 21 und liegt damit nur noch knapp unter dem Wert vor der Pandemie.

Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Betriebe haben sich stabilisiert und steigen weiter an. Über alle Branchen dominiert die Zuversicht. Der resultierende Saldo von plus 14 liegt bereits wieder höher als vor der Pandemie. Die Aussicht auf eine anhaltend gute Nachfrageentwicklung dominiert erste Sorgen vor möglichen Bremseffekten aufgrund von Engpässen bei Material oder Personal.

Investitions- und Beschäftigungspläne

Rasch wechselnde Perspektiven und uneinheitliche oder gar unklare Regelungen für Lockerungsschritte prägen eine Situation der wirtschaftlichen Verunsicherung. Die Pendelbewegungen, die im Verlauf der Pandemie in den Einschätzungen der mittelfränkischen Betriebe zu Geschäftslage und -erwartungen zu beobachten sind, erschweren Planungen. Dies äußert sich in fortgesetzter Zurückhaltung bei den Beschäftigungs- und Investitionsabsichten der mittelfränkischen Betriebe. Ein erheblicher Teil der Befragten behält den krisenbedingten Fokus auf Liquiditätssicherung und Ausgabenkürzungen bei. Die stärksten Impulse für den Arbeitsmarkt und die Investitionsnachfrage kommen aus der Industrie.

Über alle mittelfränkischen Befragten haben sich die Investitionsplanungen weiter verbessert. Dank verbesserter Kapazitätsauslastung können die Investitionsbudgets mehrheitlich steigen. Während der Pandemie wurden zahlreiche Investitionsvorhaben auf Eis gelegt und Ersatzbeschaffungen aufgeschoben. So hatte noch im Frühjahr jeder vierte Betrieb überhaupt keine Investitionen geplant. Im Herbst 2021 lösen immer mehr Unternehmen diese Investitionsbremse und tragen damit zum verbesserten Investitionsklima bei.

In den Beschäftigungsplänen der mittelfränkischen Betriebe zeigt sich wachsende Zuversicht über die weitere Verbesserung der Auftragslage. Die Wirtschaft in Mittelfranken kann sich weiter von den Corona-bedingten Folgeschäden für den Arbeitsmarkt erholen und vollzieht die Wende am Arbeitsmarkt. Mehrheitlich planen die Befragten nach gut zwei Jahren der Zurückhaltung nun wieder mit höheren Beschäftigtenzahlen.

IHK-Konjunkturklima

IHK-Konjunkturklima Frühjahr 2021

Im IHK-Konjunktur­klima­­index spiegelten sich nach dem historischen Absturz im Frühjahr 2020 um fast 50 Punkte bis zum Frühjahr 2021 Hoffnungen und Enttäuschungen der Wirtschaft während der Restriktionen in zwei Lockdowns. So entwickelte sich ein Auf und Ab des Index mit sinkender Amplitude. Mit einem nochmaligen Anstieg im Herbst 2021 um fast 20 Punkte von 98,3 auf 117,4 Punkte scheint die Erholung nun auf breiter Front angekommen – der IHK-Konjunkturklimaindex übertrifft das Niveau vor der Krise.

IHK-Konjunkturklima regional

Auch in regionaler Perspektive wird eine Rückkehr zurück in die Normalität erkennbar: Disparitäten zwischen den mittelfränkischen Teilräumen, die sich aufgrund von unterschiedlichen regionalen Branchenschwerpunkten während der Pandemie vergrößert hatten, verringern sich nun wieder. Der bisherige Tabellenführer Fürth konnte zwar weiter wachsen (um 5,6 auf 127,2 Index-Punkte), doch rückt Erlangen mit einem kräftigeren Anstieg (um 28,1 auf 135,0 Punkte) auf den Spitzenplatz vor. Auch Nürnberg konnte (um 20,5 auf 115,1 Punkte) wachsen, ebenso das südöstliche Mittelfranken (um 9,3 auf 123,3 Punkte). Den niedrigsten Stand des regionalen Konjunkturklimas verzeichnet weiterhin Westmittelfranken (109,1 Punkte), doch gelang hier mit einem Anstieg um 31,6 Punkte der deutlichste Aufhol­prozess. Weiterhin leidet Westmittelfranken stärker als die Industrieregion unter der geringen Nachfrage von Touristen. Doch werden für Gastgewerbe, Einzelhandel und Freizeitangebote erste Impulse nach den beiden Lockdowns erkennbar.

Konjunkturklima nach Wirtschaftssektoren

Wie bereits im Frühjahr hängt auch im Herbst 2021 das Tempo der Erholung von der Corona-Krise von den unternehmerischen Möglichkeiten ab, die sich für einzelne Branchen und Betriebe aus den schrittweisen Lockerungen der Corona-Restriktionen ergeben. Die Vorreiter der Erholung aus Industrie und Bau lassen keine weiter wachsende Euphorie erkennen, dagegen hellt sich die Stimmung in Handel und Dienstleistung deutlich auf, und selbst im Hotel- und Gastgewerbe sowie den Dienstleistungen für Verbraucher kehrt bei weiter angespannter Lage Zuversicht zurück.  

Die Erholung der mittelfränkischen Industrie, die sich schon im Herbst 2020 ankündigte und die seit Jahresbeginn 2021 an Fahrt zulegen konnte, droht nun ins Stocken zu geraten. Die aktuelle Lage wird von einer deutlichen Mehrheit der Befragten positiv beurteilt, der Anteil übersteigt auch den Wert vom Frühjahr. Die Erwartungen dagegen gehen ein wenig zurück, da sich Lieferengpässe und erste Produktionsausfälle bereits als Wachstumsbremsen erweisen. Somit bleibt das Konjunkturklima insgesamt auf etwa gleichem Niveau. Konstante Einstellungen zu Investitionen und Beschäftigtenzahlen zeugen von stabiler Auftragslage, aber wenig zusätzlicher Wachstumsphantasie.

Die große Diskrepanz zwischen guter Geschäftslage und eher negativer Erwartungshaltung in der Bauwirtschaft hat sich aufgrund einer etwas zurückhaltenderen Einschätzung der Lage verkleinert. In der Geschäftslage hat sich der Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Urteilen im Vergleich zum Frühjahr etwa halbiert, die Erwartungen sind weiterhin eher skeptisch. Beschäftigungsabsichten und Investitionsvorhaben haben sich im Saldo ebenfalls klar verschlechtert. Materialknappheit und insbesondere starke Preissteigerungen belasten die Branche.

Der Handel zeigt dank der gestiegenen Kauflaune der Verbraucher eine positive Entwicklung und ist ein wichtiger Faktor für den Aufschwung des Konjunkturklimas in Mittelfranken. Besonders eine Verbesserung der Erwartungslage trägt hierzu maßgeblich bei. Optimismus und eine verbesserte Geschäftslage zeigen sich auch in einer Steigerung von Investitions- und Beschäftigungsabsichten. Vorreiter hinsichtlich zuversichtlicher Geschäftsausblicke ist der Einzelhandel, während der Großhandel etwas kleinere Schritte nach vorne macht. Hier dämpfen unklare Aussichten bezüglich der Rohstoffpreise die Stimmung. Auch die Hoffnung auf höhere Verkaufspreise ist im Handel weiter verbreitet.

In den unternehmensnahmen Dienstleistungen insgesamt haben sich die Lage und die Erwartungen weiter verbessert. IT-Dienstleister und Beratung konnten sich weiter verbessern und von einer stabileren wirtschaftlichen Gesamtlage profitieren. Investitionen und erwartete Beschäftigtenzahlen bleiben stabil mit leicht steigender Tendenz.

Leichte Entspannung zeigt sich auch in den verbrauchernahen Dienstleistungen sowie im Gast- und Reisegewerbe. Nach ständigen Einbrüchen der Umsätze durch Corona-Maßnahmen scheint das große Tief überwunden. Eine klare Tendenz für steigende Beschäftigtenzahlen ist noch nicht erkennbar, jedoch können die zuversichtliche Erwartungslage und schrittweise Verbesserungen der Geschäftslage als Vorboten einer weiteren Erholung gewertet werden. Die verbrauchernahen Dienstleistungen und hier speziell das Gast- und Reisegewerbe machen den größten Sprung nach oben im Konjunkturklima, verharren jedoch mit einem Wert von 88 noch immer unter dem neutralen Wert von 100.

Ausblick 

Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung

Während die Sorgen der Unternehmen im Jahr 2020 vornehmlich der Nachfrageentwicklung auf Inlands- und Auslandsmärkten galten, schwächen sich diese während der Monate des Wiederaufbaus von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit im Frühjahr und Sommer 2021 wieder ab. Das Risikopotenzial der Inlandsnachfrage sinkt in der Wahrnehmung weiter (von 65 über 54 auf 41 Prozent der Nennungen im Jahresverlauf). Analog zur Inlandsnachfrage sinkt für exportorientierte Betriebe auch die Auslandsnachfrage als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung weiter ab. Dagegen rücken altbekannte Risiken zurück in den Fokus der Unternehmen, ergänzt durch lange Zeit wenig beachtete Themen an der Preis- und Kostenfront. Unmittelbar verknüpft mit wieder steigenden Beschäftigungsabsichten im Gefolge des Abbaus von Corona-Beschränkungen rückt Fachkräftemangel zurück auf Platz eins der Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung (Anstieg von 38 über 44 auf 60 Prozent). Wenig verändert stellt sich die Risikoeinschätzung dar, was wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (54 Prozent) oder Arbeitskosten (35 Prozent) angeht. Dagegen zeigt sich in den Energie- und Rohstoffpreisen der größte Sprung nach oben in der Risikobewertung der mittelfränkischen Betriebe (im Jahresverlauf von 29 über 40 auf 56 Prozent).

Grafische Darstellung der Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung

Mehrfachnennung möglich, von links nach rechts: Herbst 2020, Jahresbeginn 2021, Frühjahr 2021, Herbst 2021.

Unabhängig von der hier nicht explizit genannten Gefahr von Produktionsausfällen bei Lieferengpässen stellt sich die Frage, ob gestiegene Einkaufspreise für Energie, Rohstoffe und Vorleistungen auch die Erträge der Unternehmen zu schmälern drohen. Vor diesem Hintergrund verdienen daher die Erwartungen der Befragten zu ihren eigenen Verkaufspreisen besonderes Augenmerk. So setzen im Herbst 2021 mittlerweile branchenübergreifend 66 Prozent auf steigende Verkaufspreise, nur 4 Prozent befürchten eine sinkende Tendenz. Seit Jahresbeginn 2021 ist dieser Saldo von plus 20 über plus 41 auf nunmehr plus 62 Prozentpunkte gestiegen. Was als Indiz für den Glauben an einen weiteren Aufschwung gesehen werden kann, birgt zugleich unübersehbare Gefahren für die Preisstabilität.

Fazit

Die mittelfränkische Wirtschaft konnte sich während des Sommers dank der kräftig gestiegenen Umsätze gut erholen. Die Wirtschaft zeigt sich nach der Lockerung Corona-bedingter Restriktionen erholt. Bundesweit hatte der BIP-Anstieg im 2. Quartal 2021 von 1,6 Prozent (nach leichtem Minus in Q1) die Rückkehr auf den Wachstumspfad nach dem schrittweisen Ende der Corona-Restriktionen signalisiert. Während Industrie und Bau schon während des Lockdowns von einer guten Auftragslage profitieren konnten, ist die neue Schubkraft für den Aufschwung nun vorwiegend dem Anstieg des privaten Konsums (+3,2Prozent Quartalswachstum) geschuldet. Kehrseite des Wachstums sind Sorgen um ausreichend Fachkräfte und nun auch um Preiserhöhungen, Lieferschwierigkeiten und Produktionsausfälle. Angesichts dieser Restriktionen kann auch die Umsetzung von expansiven Export-, Investitions- und Beschäftigungsplanungen in den mittelfränkischen Betrieben ins Stocken geraten.

Entscheidend für den weiteren Weg aus der Corona-Krise wird somit zunächst die Eindämmung einer möglichen Inflationsgefahr. Dabei ist auch die Politik gefordert, nicht aktiv an der Preisschraube mitzudrehen, sondern im Gegenteil die preistreibenden Effekte von Regulierungen – etwa auf den Energiemärkten – aktiv zu dämpfen. Mittel- und langfristig sehen die mittelfränkischen Unternehmen neben Flexibilität am Arbeitsmarkt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels zwei Themen, die eine neue Koalitionsregierung im Bund nun vornehmlich anpacken sollte. An erster Stelle steht dabei der Appell, die Digitalisierung voranzutreiben, gefolgt vom Wunsch nach investitionssicherer und wettbewerbsneutraler Klimapolitik.

 
 
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