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Das Wachstum der mittelfränkischen Wirtschaft verliert zu Jahresbeginn 2019 weiter an Dynamik

 

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Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 383
Janine Blacha

Janine Blacha

Fachbetreuerin Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 375

Mittelfränkischen Wirtschaft: Wolken am blauen Himmel – leichte Abschwächung des Hochs

  • Lage weiterhin gut, Erwartungen abgeschwächt
  • Verbraucherstimmung, Protektionismus und Brexit verunsichern
  • Investitionsklima kaum beeinträchtigt
  • Beschäftigung weiter wachsend

Das Wachstum der mittelfränkischen Wirtschaft verliert zu Jahresbeginn 2019 weiter an Dynamik. Der mittelfränkische Konjunkturklimaindex hat sich vom Rekordhoch zu Jahresbeginn 2018 im Laufe des letzten Jahres um fast 14 Punkte auf nun 124,1 Punkte verringert. Die mittelfränkischen Betriebe blicken auf einen langjährigen Aufschwung mit nahezu ungebremstem Wachstum ihrer Nachfrage zurück. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet damit, dass diese Reise weitergeht. Doch die Befragten erkennen, dass Wolken am blauen Himmel aufziehen und dass man in 2019 vorsichtshalber den Regenschirm im Gepäck haben sollte. Zu Jahresbeginn 2019 weisen Geschäftslage und –erwartungen ebenso wie Investitions- und Beschäftigungspläne positive Salden auf.

Dennoch haben sich über alle Wirtschaftszweige hinweg alle vier Indikatoren im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Dass auf dem erreichten Niveau dennoch Zuversicht dominiert, kommt noch deutlicher als in den Geschäftserwartungen in den mehrheitlich expansiven Investitions- und Beschäftigungsplänen der Unternehmen zum Ausdruck. Bei einer gut beurteilten Umsatzentwicklung, gut gefüllten Auftragsbüchern und hoher Kapazitätsauslastung rücken neben dem Problem immer schwerer zu findender qualifizierter Fachkräfte nun zusätzlich weltwirtschaftliche und wirtschaftspolitische Risiken für die Fortsetzung des Aufschwungs stärker in den Blick.

Auch die im vierten Quartal 2018 gestiegenen Energiepreise haben Spuren in der Nachfrage der Verbraucher hinterlassen, die zur Abschwächung im Einzelhandel und bei verbrauchernahen Dienstleistern beitrugen. Saisonüblich fällt die Abkühlung im Baugewerbe aus. Die Betriebe der mittelfränkischen Industrie und die unternehmensnahen Dienstleister zeigen sich von möglichen Störungen im Umfeld wenig beeindruckt und planen mit Zuversicht sogar nochmals höhere Investitionsbudgets und wachsende Belegschaften.

IHK-Konjunkturklima Jahresbeginn 2019

Konjunktur nach Wirtschaftszweigen

Industrie

Die mittelfränkische Industrie beurteilt ihre Lage zu Jahresbeginn 2019 unverändert gut. Der Saldo aus „gut“- und „schlecht“-Urteilen liegt mit +47 Prozentpunkten so hoch wie im Herbst 2018. Hintergrund sind gestiegene Inlandsaufträge sowie ein stabiles Auftragsvolumen aus dem Ausland. Die Kapazitätsauslastung bleibt gut (voll: 40 Prozent; befriedigend: 55 Prozent). Der um einen Punkt auf +10 gesunkene Saldo der Geschäftserwartungen deutet auf ein moderates Wachstum der Erlöse und Erträge der mittelfränkischen Industrie in 2019 hin. Auch im zehnten Aufschwung-Jahr erwartet die Mehrheit der Betriebe ein anhaltendes Wachstum der Inlands- und Auslandsaufträge und eine zunehmende Kapazitätsauslastung. Mögliche Mehrkosten lassen sich an die Kunden weitergeben: 45 Prozent rechnen mit höheren, 9 Prozent mit niedrigeren Verkaufspreisen. Über alle industriellen Branchen hinweg werden höhere Beschäftigtenzahlen geplant (Saldo +15). Das Investitionsklima bleibt stabil positiv (Saldo +19). Hauptmotiv zunehmender Investitionen im Inland ist die Ersatzbeschaffung (bei 69 Prozent der Betriebe), bei den fälligen Neuanschaffungen sollen auch die Ziele Rationalisierung, Umweltschutz, Produktinnovation und Kapazitätserweiterung (35 Prozent der Betriebe) verfolgt werden.

Bauwirtschaft

Die mittelfränkische Bauwirtschaft nimmt sich eine Verschnaufpause. 69 Prozent der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 31 Prozent sind zufrieden. Der Auftragsbestand wird mehrheitlich „größer als saisonüblich“ eingeschätzt. Niedrige Zinsen und wachsende Realeinkommen bieten ideale Rahmenbedingungen. Anhaltender Nachholbedarf besteht im Wohnungsbau, im Wirtschaftsbau wirkt die gute Konjunktur als Treiber. Im öffentlichen Hoch- und Tiefbau erlauben gut gefüllte Kassen ein Abarbeiten von Investitionsprojekten in Bereichen der Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur. Steigende Kosten für Vorleistungen und für Personal lassen sich zwar nach Einschätzung der Betriebe der Bauwirtschaft mittels steigender Verkaufspreise weitergeben, doch sie bezweifeln, dass das Auftragsvolumen auf dem erreichten Niveau noch wächst, und senken ihre Geschäftserwartungen deutlich: Ein niedrigerer Saldo als die -9 Punkte zu Jahresbeginn 2019 war zuletzt im Herbst 2014 zu beobachten. Trotz skeptischer Erwartungen wollen die Befragten der Nachfrage mit steigenden Investitionen begegnen (Saldo +17). Im Gegensatz dazu planen sie jedoch mit niedrigeren Beschäftigtenzahlen (Saldo -8).

Handel

Im mittelfränkischen Handel insgesamt trüben sich Lage und Stimmung. Einhellig zufrieden sind die Händler mit der Geschäftslage: 47 Prozent der Befragten urteilen „gut“, nur 8 Prozent „schlecht“. Doch schon hier zeigt sich die gespaltene Situation: Die Großhändler und Handelsvertreter liegen bei einem Saldo von +55, die Einzelhandelsbetriebe bei +27 Punkten. Noch deutlicher gehen die Geschäftserwartungen auseinander: Großhändler und Handelsvertreter liegen bei +24, Einzelhändler bei -14 Punkten. So planen Großhandel und Handelsvertretungen mit mehr Investitionen (+25) und Beschäftigten (+18), Einzelhandelsbetriebe mit weniger Investitionen (-14) und sinkenden Belegschaf-ten (-14). Die schlechte Stimmung im Einzelhandel erklärt sich aus sinkenden Umsätzen und erwarteten weiteren Umsatzrückgängen im stationären Geschäft. Während die Online-Umsätze wachsen, sinken in den Innenstädten die Frequenzen. Vom Weihnachtsgeschäft kamen wenig Impulse. Niedrigere Verkaufszahlen im Kfz-Handel im Gefolge des Dieselskandals tragen zur schlechten Stimmung bei. Großhändler und Handelsvertreter dagegen erwarten steigende Umsätze aus In- und Ausland. Sie reagieren – auch angesichts  steigender Preiserwartungen – mit expansiven  Investitions- und Beschäftigungsplänen.

Unternehmensnahe Dienstleistungen

In den unternehmensnahen Dienstleistungen herrscht Boom-Stimmung. Mit einem  Saldo von +65 Punkten schätzen sie ihre Geschäftslage zu Jahresbeginn 2019 sogar besser als während des gesamten Jahres 2018 ein. Transportgewerbe, Immobilien- wirtschaft und Gebäudeservices sowie Beratungs-, Informations- und Kommuni-kationsdienstleister blicken auf gestiegene Erlöse zurück und erwarten weiteres Um-satzwachstum. Zunehmender Optimismus lässt den Saldo der Geschäftserwartungen auf +19 Punkte steigen. Zugleich stützt die gewachsene Zuversicht die Investitions- und Beschäftigungsabsichten, die das im Bran-chenvergleich bereits überdurchschnittliche Niveau aus dem Vorjahr erneut erreichen. Fast jeder dritte der unternehmensnahen Dienstleistungsbetriebe will die Investitionen nochmals erhöhen; im Saldo resultieren  + 25 Punkte. Fast jeder dritte Betrieb will auch mehr Personal einstellen (Saldo +27), sofern sich qualifizierte Fachkräfte überhaupt noch finden lassen. Speditionen und IT-Dienstleister zählen weiter zu den Branchen mit den größten Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen.

Verbrauchernahe Dienstleistungen

Die verbrauchernahen Dienstleistungen zeigen sich zwar zufrieden mit ihrer Ge-schäftslage, doch liegt der Saldo mit +37 Punkten deutlich unter dem Vorjahresstand. Dabei werden Umsatzentwicklung und Auslastung als gut eingeschätzt. Anbieter per-sonenbezogener Dienstleistungen erwarten weiteres Wachstum (Saldo +14). Doch im Hotel- und Gaststättengewerbe kippt die Stimmung. Ausgehend von einer rückläufigen Umsatzerwartung befürchtet jeder vierte Betrieb eine schlechtere Geschäftslage in den kommenden Monaten (Saldo -19). Als Risiken genannt werden Bürokratielasten und steigende Arbeitskosten, neue Wettbewerber und Preisdruck durch Internet-Portale. Die Geschäftserwartungen beeinflussen die Beschäftigungsplanungen. Hotels und Gaststätten wollen mit weniger Personal auf erwartete Umsatzrückgänge reagieren, personenbezogene Dienstleister planen mehr  Beschäftigte. Insgesamt resultiert bei verbrauchernahen Dienstleistern ein leichter Beschäftigungsabbau (Saldo -4). Die Investitionspläne werden von der gedämpfteren Stimmung dagegen kaum in Mitleidenschaft gezogen (Saldo +16). Die geplanten Investitionen dienen vornehmlich der Ersatzbeschaffung und Modernisierung, um mit Qualität bei Kunden zu punkten.

Indikatoren im Überblick

Geschäftslage

Die mittelfränkische Wirtschaft beurteilt im anhaltenden langjährigen Aufschwung ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Derzeit bezeichnen 54 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut, weitere 40 Prozent sind zufrieden. Der aktuelle Saldo von +48 ist das drittbeste Ergebnis der vergangenen beiden Jahrzehnte, liegt jedoch um 4 Punkte niedriger als im Herbst 2018 und um 8 Punkte unter dem Höchststand vor einem Jahr. Trotzdem herrscht über alle Branchen hinweg auf breiter Front Zufriedenheit über Nachfrage- und Umsatzentwicklung, Auftragszuwächse und hoch ausgelastete Kapazitäten.

Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen der mittelfränkischen Betriebe haben sich weiter eingetrübt und lassen für 2019 eine geringere Wachstumsdynamik erwarten, nicht aber einen Einbruch der Konjunktur. 17 Prozent der Befragten erwarten verbesserte Geschäfte in den kommenden Monaten, 70 Prozent gehen mit unveränderten Geschäftserwartungen ins neue Jahr, während 13 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Damit liegt der Erwartungswert im Saldo bei +4 Punkten. Das sind 7 Punkte weniger als im Herbst und 18 Punkte weniger als vor einem Jahr. Am bisher blauen Konjunkturhimmel werden Wolken sichtbar.

Investitionspläne

Der langjährige Aufschwung mit fast stetig wachsenden Auftragseingängen in den vergangenen vier Jahren bringt hohe Kapazitätsauslastungen mit sich. Ersatzbeschaffungen und Investitionen zur Erweiterung der Kapazitäten sichern ein anhaltend freundliches Investitionsklima. Fast 80 Prozent der Betriebe in Mittelfranken planen mit unveränderten oder sogar erhöhten Investitionsbudgets, 11 Prozent wollen sie senken und 10 Prozent der Befragten auf Investitionen verzichten. Per Saldo liegt die Investitionsneigung bei +15 Punkten. Dieser Wert liegt um 7 Punkte niedriger als zu Jahresbeginn 2018 bzw. um 14 Punkte unter dem Frühjahrshoch: Die Unternehmen gehen vom Gas.

Beschäftigungspläne

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mittelfranken liegt 2018 bei knapp 780.000 und ist damit seit 2009 um rund 120.000 angestiegen. Noch immer planen 17 Prozent  der mittelfränkischen Betriebe mit zusätzlichem Personal, 9 Prozent erachten Stellenstreichungen als erforderlich. Der Saldo von +8 Punkten, der um 4 Punkte niedriger als vor einem Jahr liegt, lässt keine Entspannung bei den Engpässen am regionalen Arbeitsmarkt erwarten: Gerade die mittelfränkischen Industriebetriebe suchen in noch größerem Ausmaß als 2018 vornehmlich dual ausgebildete Fachkräfte und Meister. Verzögerungen bei der Stellenbesetzung bleiben das größte Wachstumsrisiko.

Ausblick

Jahresbeginn 2019 Lage und Erwartungen

Nachdem schon das BIP 2018 mit einem  Anstieg von 1,5 Prozent Bremsspuren zeigte, prognostizieren die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute weiter nachlassende Dynamik und ein Wachstum 2019 von 1,0 bis 1,5 Prozent. Die Inlandsnachfrage stabilisiert den weiteren Aufschwung: Hohe Beschäftigung mit wachsenden realen Einkommen der Verbraucher sowie steigende Ausgabenspielräume der öffentlichen Hand regen Bautätigkeit und Konsum an und federn mögliche Schwankungen oder Abschwächungen im internationalen Handel ab. Zu Jahresbeginn 2019 sehen 65 Prozent der mittelfränkischen Betriebe Fachkräfte-Engpässe als Risiko für die weitere Wirtschaftsentwicklung. Gegenüber dem vergangenen Herbst (69 Prozent) deutet sich nur wenig Entspannung an. Daneben rücken andere Herausforderungen in den Blick: Die Entwicklung von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (von 40 auf 46 Prozent gestiegen), Auslandsnachfrage, Inlandsnachfrage sowie Arbeitskosten bereiten zunehmend Sorgen. Die EU-Stabilität und der Brexit, weltweit zunehmender Protektionismus und drohende Handelskonflikte zwischen USA und China, aber auch heimische Themen wie Diesel und Fahrverbote oder Digitalisierung und Breitband-Versorgung stehen bei den konkreten Herausforderungen im Fokus der Wirtschaft.

 

 
 
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