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Mittelfränkische Wirtschaft klettert in dünne Höhenluft

Mittelfränkische Wirtschaft klettert in dünne Höhenluft

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Ansprechpartner (2)

Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 383
Janine Blacha

Janine Blacha

Fachbetreuerin Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 375

Mittelfränkische Wirtschaft klettert in dünnere Höhenluft: Fortgesetzter Aufschwung bei nachlassender Dynamik, Fachkräfte gesucht wie nie

  • Geschäftslage nähert sich wieder dem Rekordergebnis
  • Erwartungen geprägt vom Bewusstsein gestiegener Risiken
  • Weiter wachsende Aufträge bei hoher Auslastung
  • Beschäftigung legt nochmals zu, Wachstum durch Fachkräftemangel gefährdet
  • Investitionsneigung verliert etwas an Schwung

Die mittelfränkische Wirtschaft befindet sich weiterhin im Höhenflug, allerdings verliert das Wachstum im Herbst 2018 an Dynamik. Nach dem Rekordhoch zu Jahresbeginn 2018 und der leichten Eintrübung im Frühjahr erreicht der mittelfränkische Konjunkturklimaindex mit 129,9 Punkten wieder annähernd das Frühjahrsniveau. Dahinter steht eine Bewertung der Geschäftslage durch die mittelfränkischen Betriebe, die sich dem Höchststand vom Jahresbeginn wieder fast angenähert hat.

Zugleich ist aber der hohe Optimismus in den Geschäftserwartungen einer faktenbasierten gesunden Zuversicht gewichen. Die Unternehmen blicken mehrheitlich auf eine hervorragende Auftragslage und eine sehr hohe Kapazitätsauslastung zurück. Nun richtet sich ihr Augenmerk zunehmend auf die Begleiterscheinungen eines langjährigen Aufschwungs, die eine Fortsetzung mit unvermindertem Schwung gefährden können.

Steigende Vorleistungspreise und Arbeitskosten, vor allem aber die zunehmend belastenden Engpässe auf der Suche nach Fachpersonal werden als Risiken für eine weiter dynamisch wachsende Inlandsnachfrage gesehen. Risiken für die Auslandsnachfrage, die etwa aus Einschränkungen des Freihandels resultieren könnten, spielen noch kaum eine Rolle. Mit Blick auf die Standortqualität fordern die mittelfränkischen Unternehmen von der Wirtschaftspolitik neben vermehrten Anstrengungen im Bereich der Fachkräftesicherung und –qualifizierung vor allem eine verbesserte digitale Infrastruktur und einen Abbau bürokratischer Lasten.

Konjunktur nach Wirtschaftszweigen

Industrie

Die mittelfränkische Industrie berichtet im Herbst 2018 über einen deutlichen Anstieg der Inlandsaufträge, über ein gewachsenes Auftragsvolumen aus dem Ausland und eine hohe Auslastung (voll: 56 Prozent; befriedigend: 35 Prozent). Dies sind charakteristische Werte nach einem mehrjährigen stabilen Wachstumskurs. Sie spiegeln sich in sehr guten Urteilen über die aktuelle Geschäftslage. Der Saldo liegt bei +47 Punkten. Nur jeweils 11 Prozent der Befragten eine abnehmende Kapazitätsauslastung bzw. eine Verschlechterung der Geschäftslage. Noch geringer sind die Sorgen um einen Druck auf die Verkaufspreise, jeder zweite Industriebetrieb geht sogar davon aus, Preiserhöhungen realisieren zu können. Dennoch trüben sich die Geschäftserwartungen ein: Der Saldo liegt mit aktuell +11 Punkten um 20 Punkte niedriger als im Frühjahr. Diese Zahlen sprechen für eine Fortsetzung des Wachstums, wenn auch bei verminderter Dynamik. Gestützt wird dies durch die Planungen der Industriebetriebe: Hersteller von Vorleistungen, Investitionsgütern sowie Ge- und Verbrauchsgütern sehen mehrheitlich höhere Investitionen und Beschäftigtenzahlen vorvor, wenn auch die Euphorie weit geringer als noch im Frühjahr ist.

Bauwirtschaft

Die mittelfränkische Bauwirtschaft boomt: 85 Prozent der Baubetriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 15 Prozent sind zufrieden, von schlechten Geschäften spricht in der Baubranche aktuell niemand. Die gute Konjunktur, die zunehmend ausgelasteten Kapazitäten der Industrie, die wachsenden Einkommen der Verbraucher und die niedrigen Zinsen lassen die Aufträge im Wirtschafts- sowie im Wohnungsbau weiter steigen. Im kommunalen und staatlichen Sektor erlaubt die gute Kassenlage der öffentlichen Haushalte eine allmähliche Auflösung des Investitionsstaus bei Verkehrsinfrastruktur, Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen. So wird die saisonübliche Abkühlung des Konjunkturklimas im Bau in diesem Jahr kaum spürbar. Die Geschäftserwartungen der Betriebe sind trotz des schon erreichten Niveaus mit einem Saldo von +23 Punkten immer noch deutlich nach oben gerichtet. Gegenüber dem Frühjahrswert sind das zwar 20 Punkte weniger, doch im Vergleich zum Herbst 2017 liegt der Saldo um 11 Punkte höher. Da die Befragten keinen Rückgang ihrer Auftragseingänge befürchten, begegnen sie der boomenden Nachfrage mit steigenden Investitionen und höheren Beschäftigtenzahlen.

Handel

Im Handel beobachten wir eine insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung, die von der guten gesamtwirtschaftlichen Lage, niedrigen Zinsen und zuversichtlichen Einkommenserwartungen begünstigt wird. 58 Prozent der Befragten urteilen „gut“, nur 10 Prozent „schlecht“. Jedoch ist die Stimmung im Handel gespalten. Aus Großhandel und Handelsvertretungen sprechen zwei Drittel von einer guten, kein einziger Betrieb von einer schlechten Lage. 27 Prozent erwarten weitere Verbesserungen, 12 Prozent Verschlechterungen. Dies erfordert zunehmende Investitionen und größere Belegschaften. Dagegen beurteilen die Einzelhändler ihre Lage zwar auch gut (Saldo +31), äußern sich aber mehrheitlich skeptisch (Erwarungssaldo -3). Obwohl die nachlassenden Frequenzen in Innenstädten und der Online-Wettbewerb als Folge wachsender Ansprüche der Kunden an Preise und Service gesehen werden, reagieren etliche betroffene Einzelhändler mit weniger Personal (Saldo -9) und verzichten auf Investitionen (16 Prozent keine).

Unternehmensnahe Dienstleistungen

Die unternehmensnahen Dienstleister erweisen sich erneut als stabile Säule des Wirtschaftsaufschwungs in Mittelfranken. Mit einem Saldo von +54 Prozentpunkten schätzen sie ihre Geschäftslage besser als im Frühjahr und im Vorjahresherbst ein. Transportgewerbe, Immobilienwirtschaft und Gebäudeservices sowie Informationsund Kommunikationsdienstleister blicken mehrheitlich optimistisch auf die Entwicklung der kommenden Monate, auch wenn der Saldo mit +12 Punkten zehn Punkte niedriger liegt als vor einem Jahr. Diese Eintrübung der Geschäftserwartungen schlägt sich jedoch nicht in den Investitions- oder Beschäftigungsabsichten nieder. Ganz im Gegenteil erreicht der Sektor der unternehmensnahen Dienstleistungen die höchsten Salden im Branchenvergleich: bei den Investitionsplänen +29 Punkte, bei den Beschäftigten +27 Punkte. Fast jeder zweite Betrieb strebt nach einer Erhöhung der Beschäftigtenzahl. Gerade Speditionen und IT-Dienstleister stehen jedoch ganz vorne in der Reihe der Branchen, die den Fachkräftemangel als größte Gefahr für ihre wirtschaftliche Entwicklung identifizieren.

Verbrauchernahe Dienstleistungen

Aus dem Sektor der überwiegend personenbezogenen Dienstleistungen zeigen sich die mittelfränkischen Betriebe erneut hoch zufrieden mit ihrer Geschäftslage (Saldo +50 Punkte). Die Nachfrage wächst stabil, und eine Weitergabe von gestiegenen Kosten – insbesondere Arbeitskosten – über die Preise erscheint mehrheitlich durchsetzbar. In den Geschäftserwartungen dominiert weiterhin die Zuversicht (Saldo +15 Punkte). Dieser Wert liegt zwar um 10 Punkte niedriger als im Frühjahr, aber noch immer 4 Punkte über dem Vorjahresniveau. Hotels und Gaststätten, Reise- und Freizeitwirtschaft sowie Anbieter persönlicher Dienstleistungen erkennen die Servicequalität als Schlüssel für weitere Zuwächse und planen per Saldo mit höheren Investitionen (+17 Punkte) und mehr Personal (+5 Punkte). Bemerkenswert hierbei erscheint insbesondere das stabile Investitionsklima im Gastgewerbe: Hier will kein einziger Betrieb auf Investitionen ganz verzichten. Einigkeit herrscht im Sektor der verbrauchernahen Dienstleistungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Risiken: Personalmangel und steigende Arbeitskosten werden ebenso belastend gesehen wie steigende bürokratische Regelungen und Dokumentationspflichten sowie die zunehmende Kontrolldichte.

Indikatoren im Überblick

Geschäftslage

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 befindet sich die mittelfränkische Wirtschaft in einem lang anhaltenden Aufschwung. Die befragten Unternehmen zeigen sich mit ihrer aktuellen Geschäftslage überwiegend hoch zufrieden. Derzeit bezeichnen 59 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut, weitere 34 Prozent sind zufrieden. Nach dem Rückgang im Frühjahr nähert sich die Lage-Einschätzung wieder dem zu Jahresbeginn erreichten Rekordwert der IHK-Konjunkturumfragen. Die seit Herbst 2013 fast kontinuierlich gestiegene Zufriedenheit reflektiert die alljährlichen Auftragszuwächse und die höhere Kapazitätsauslastung.

Geschäftserwartungen

Die mittelfränkischen Betriebe gehen von anhaltender Dynamik aus. Die Nachfrage aus dem In- und Ausland ist weiterhin rege. 22 Prozent erwarten weiter verbesserte Geschäfte in den kommenden Monaten, während 11 Prozent mit einer Eintrübung rechnen. Damit ist der Erwartungswert im Saldo um 9 Punkte gegenüber dem Frühjahr und im Jahresvergleich immer noch um 4 Punkte gesunken. In den erreichten konjunkturellen Höhen wird die Luft dünner: Sorgen über steigende Kosten sowie Engpässe bei Lieferungen und bei der Suche nach Fachkräften tragen zu der im Herbst üblicherweise nachlassenden Dynamik bei.

Investitionspläne

Wo anhaltend gute Auftragseingänge auf gut ausgelastete Kapazitäten treffen, stehen Investitionsentscheidungen schon deshalb an, um Kapazitäten zu erweitern oder durch Ersatzbeschaffung zu sichern. So wird das freundliche Investitionsklima in Mittelfranken anhalten, wenn auch mit nachlassender Dynamik. Mehr als 80 Prozent der Betriebe in Mittelfranken planen mit unveränderten oder sogar erhöhten Investitionsbudgets, 9 Prozent wollen sie senken und 7 Prozent der Befragten auf Investitionen verzichten. Per Saldo steigt die Investitionsneigung um 18 Punkte. Der Wert liegt um 11 Punkte niedriger als im Frühjahr (+29), jedoch auf fast gleichem Niveau wie im Vorjahresherbst (+19).

Beschäftigungspläne

Über alle Branchen hinweg planen 22 Prozent der mittelfränkischen Betriebe mit zusätzlichem Personal, gerade einmal 9 Prozent erachten Stellenstreichungen als erforderlich. Der aktuelle Saldo von +13 Punkten liegt nochmals um drei bzw. zwei Punkte höher als im Frühjahr bzw. im Vorjahresherbst. Der regionale Arbeitsmarkt eröffnet den Unternehmen kaum Perspektiven: Sie suchen vorwiegend Arbeitskräfte mit abgeschlossener dualer Berufsausbildung oder Fachwirte / Meister, finden aber keine oder zu wenige passend qualifizierte Bewerber. Der Fachkräftemangel bleibt mit 69 Prozent Nennung das höchste Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Ausblick

Im Herbst 2018 belegen positive Salden in der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage ebenso wie in den Planungen für Investitionen und Beschäftigung, dass sich die mittelfränkische Wirtschaft nach wie vor im konjunkturellen Hoch befindet. Das Wachstum mag an Dynamik verlieren, typische konjunkturelle Begleiterscheinungen eines langen Aufschwungs rücken zunehmend ins Bewusstsein. So nennen bei der Frage nach Risiken für die weitere Wirtschaftsentwicklung 69 Prozent der Befragten die Fachkräfte-Engpässe. Diese nehmen damit den vordersten Platz ein, und die Zahl der davon Betroffenen steigt von Jahr zu Jahr weiter an. Auch die Sorgen um steigende Energie- und Rohstoffpreise sind im Jahresverlauf gewachsen, Arbeitskosten und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bleiben im Fokus der mittelfränkischen Betriebe. Am deutlichsten spiegelt sich die Eintrübung der Geschäftserwartungen in den gestiegenen Sorgen um die Inlandsnachfrage. Hier wuchs der Anteil der Nennungen seit dem Frühjahr um 8 Punkte auf aktuell 39 Prozent. Trotz der Unsicherheiten um wachsende Beschränkungen des Welthandels erscheint für die Mehrheit der mittelfränkischen Unternehmen der wirtschaftspolitische Handlungsbedarf bei den heimischen Standortbedingungen derzeit sogar noch drängender.

DIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2018

 
 
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