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IHK-Konjunkturklima: Wirtschaft vor stürmischen Zeiten

IHK-Konjunkturklima: Wirtschaft vor stürmischen Zeiten

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Dr. Udo Raab

Dr. Udo Raab

Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Wirtschaftsentwicklung und Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 1383
Janine Blacha

Janine Blacha

Fachbetreuerin Referat Regionale Wirtschafts- und Verkehrspolitik, Fachkräftesicherung Tel: +49 911 1335 1375

Wirtschaft trotzt massiven Widrigkeiten: Wirtschaftliche Erholung trotz Verschärfung von Preissteigerungen und Rohstoffknappheit im Zeichen des Ukraine-Krieges.

Kernaussagen

  • Geschäftslage: Deutliche Erholung durch Aufschwung in Handel und Dienstleistungen
  • Rückschläge in Baubranche und Stagnation in Industrie durch Beschaffungsprobleme und Preissteigerungen
  • Geschäftserwartungen: Deutlicher Rückgang über fast alle Branchen hinweg
  • Investitionen: Leichter Rückgang, besonders stark in Industrie
  • Beschäftigung: weiter leichte Zuversicht, starker Abfall im Baugewerbe
  • Druck auf Mittelfränkische Betriebe steigt trotz ansteigender Auftragslage: Drastische Zunahme von Energie- und Rohstoffpreisen, Knappheit und Lieferkettenprobleme

Ausführliches Konjunkturklima

Zum Frühling des Jahres 2022 hin konnte sich die mittelfränkische Wirtschaft deutlich erholen. Handel und verbrauchernahe Dienstleistungen konnten durch das Auslaufen von Corona-Restriktionen zunächst tief durchatmen. Dem entgegen stehen noch immer gestörte Lieferketten und -engpässe sowie die Situation stark ansteigender Energie- und Rohstoffpreise, welche durch den Krieg in der Ukraine zusätzlich verschärft wird.

Insgesamt trotzen die Unternehmen Mittelfrankens den Widrigkeiten. Der IHK-Konjunkturklimaindex stabilisiert sich weiterhin und verzeichnet mit einem Wert von 113,3 ein Plus von 4 Punkten.

Die Einschätzung der Geschäftslage ist zwar durch die kostenseitigen Herausforderungen noch nicht sonderlich getrübt, da eine gute Auftragslage und solide Nachfrage sowie teilweise die Weitergabe gestiegener Kosten an Kunden in Form von Preiserhöhungen die Umsätze aufrechterhalten, die Erwartungen für die kommenden Monate hingegen haben jedoch einen starken Dämpfer erhalten. Bereits jetzt zeichnet sich in einigen Branchen ab, dass die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe sowie Beschaffungsprobleme durch Knappheit und Lieferkettenprobleme einen dramatischen Einfluss auf die Planungssicherheit der Unternehmen haben.

Im Gesamtbild erholen sich die Branchen, welche besonders von den Corona-Maßnahmen betroffen waren, deutlich und geben der Geschäftslage mittelfränkischer Unternehmen starken Aufwind, während die steigenden Preise immer größere Gefahren entwickeln.

IHK-Konjunkturklima Frühjahr 2022 - Konjunkturklimaindex

Risiken

Nach dem Wegfall von Corona-Restriktionen mit starker Auswirkung auf die Wirtschaft in Mittelfranken ist diese in der Lage sich zu erholen. Der Konjunkturklimaindex steigt um knapp 4 Punkte auf einen Wert von 113,3. Die periodischen Schwankungen der letzten zwei Jahre haben sich verringert, die Unternehmen konnten sich insgesamt stabilisieren und der Aufwärtstrend kann sich nach dem Winter weiter fortsetzen. Dem positiven Trend entgegen steht die sich weiter zuspitzende Lage der Preissteigerungen und der Probleme bei Materialbeschaffung.

 IHK-Konjunkturklima Frühjahr 2022 - Risiken

Während weiterhin 45 Prozent der befragten Unternehmen eine fehlende Inlandsnachfrage und 50 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als konkrete Gefahr betrachten, entwickeln sich zudem die Gefahren steigender Energieund Rohstoffpreise und damit verbunden auch die Gefahr immer größer werdender Arbeitskosten steil nach oben. So bereiteten die steigenden Preise zum Frühjahr bereits 77 Prozent der Unternehmen große Sorgen (zu Jahresbeginn lag der Wert noch bei 62 Prozent) und bereits über die Hälfte der Befragten betrachtet die Arbeitskosten als großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, obwohl ein Großteil der Unternehmen plant, gestiegene Verkaufspreise zumindest teilweise an Kunden weiterzugeben. Weiterhin stellt der Mangel an Fachkräften mit einem Wert von 59 Prozent an Zustimmung eine enorme Gefahr dar und sinkt damit um 7 Prozent.

Indikatoren im Überblick

  • Geschäftslage: In den Branchen der mittelfränkischen Wirtschaft insgesamt erreicht die Geschäftslage einen neuen Höchstwert seit Pandemiebeginn. Im Frühjahr 2022 zieht der Saldo an und steigt auf plus 27 Punkte und erzielt damit einen satten Zuwachs von 22 Punkten. Während lediglich die Baubranche hier einen Rückgang verzeichnet, steigt die Lage in allen anderen Wirtschaftszweigen leicht bis stark. Die Branchen, die noch im Winter besonders unter den Corona-Restriktionen gelitten haben, erholen sich deutlich.
  • Geschäftserwartungen: Eine gegenteilige Einschätzung zeigt sich in Mittelfrankens Unternehmen im Hinblick auf die erwartete Entwicklung der Geschäftslage in den kommenden Monaten. Der Saldo sinkt um 13 Punkte auf einen Wert von plus 1. Auch verglichen zum Vorjahreszeitraum blickt man hier ein wenig pessimistischer auf die kommende Entwicklung im Jahr 2022. Während Industrie und Baugewerbe den größten Rückgang verzeichnen, zeigt sich nur bei den verbrauchernahen Dienstleistungen ein Anstieg. Preissteigerungen fallen hier weniger ins Gewicht als das Wegfallen von Maßnahmen zum Coronaschutz.
  • Investitionspläne: Die gedämpften Aussichten bei der Entwicklung der Geschäftslage schlagen sich auch in den Investitionsabsichten nieder. Hier verzeichnen nur die verbrauchernahen Dienstleistungen einen leichten Anstieg, in allen anderen Branchen zeigt sich ein teilweise deutlicher Rückgang der geplanten Investitionen. Unsicherheiten durch die stark anziehenden Preise für Rohstoffe hemmen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
  • Beschäftigungspläne: Die Beschäftigungsabsichten rangieren auf ähnlichem Niveau wie zu Jahresbeginn, jedoch zeigt sich in Industrie und Baubranche ein klarer Abwärtstrend. Während dieser Trend in der Industrie noch etwas leichter ausfällt, sacken die Beschäftigungspläne in der Baubranche deutlicher ab. Dennoch ist hier neben den Preissteigerungen besonders große Not bei der Beschaffung geeigneter Fachkräfte. Nach einer kurzen Phase der Entspannung könnten die Entwicklungen erneut Druck auf den Arbeitsmarkt ausüben.

Konjunktur nach Wirtschaftszweigen

Über den Winter hinweg haben sich bereits entgegengesetzte Entwicklungen angebahnt. Corona-Restriktionen trafen besonders hart den Tourismus, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie den Einzelhandel und bestimmte verbrauchernahe Dienstleistungen und konnten bei ihrem Wegfall eine große Verbesserung der Lage bewirken. Zum anderen wurden die Gefahren von Preissteigerungen und Lieferengpässen vonseiten der Industrie immer größer. So entsteht ein sehr differenziertes Bild von Geschäftslage und Erwartung über die verschiedenen Branchen hinweg.

  • Industrie: Die Erholung der Geschäftslage der Industrie hält auch im Frühjahr weiter an und zeigt sich konstant positiv, jedoch sinkt der Konjunkturklimaindex insgesamt deutlich ab, wodurch der Höhenflug der mittelfränkischen Industrie endet. Steigende Preise für Energie und Rohstoffe und Probleme bei den Lieferketten verursachen noch keine nachhaltigen Schäden, lassen aber die Erwartungen an das Jahr abstürzen. Beschäftigungsabsichten und geplante Investitionen rücken dementsprechend zunächst in den Hintergrund.
  • Bauwirtschaft: In der Baubranche zeigt sich die Entwicklung des Konjunkturklimas wesentlich dramatischer. Der Spitzenreiter des regionalen Vergleiches zum Jahresbeginn stürzt ab und präsentiert sich mit einem Minus von 57 Punkten im Frühjahr als Schlusslicht der Branchen. Während an Investitionsvorhaben noch festgehalten wird und diese nur leicht sinken, brechen die Beschäftigungspläne ähnlich ein wie die Geschäftserwartung. Neben den Preissteigerungen setzen dem Gewerbe besonders Mangel an qualifizierten Fachkräften und fehlende Nachfrage zu.
  • Handel: Nach einem leichten Rückschlag hat sich die Situation für den Handel leicht stabilisiert. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt ganz leicht an, wobei eine kräftige Erholung der Geschäftslage durch einen erheblichen Rückgang der Erwartungen getrübt wird. Der Aufwind durch das Ende von Corona-Maßnahmen steht dabei den Preissteigerungen und Materialund Rohstoffknappheit entgegen, welche Großhandel und Handelsvermittlung noch stärker treffen als den Einzelhandel. Dennoch weisen diese sowohl bei der Geschäftslage als auch bei der erwarteten Geschäftslage einen höheren Saldo auf. Beim gesamten Handelssektor spiegeln sich auch die Investitions- und Beschäftigungspläne der Betriebe in der Entwicklung des Konjunkturklimas wider, da diese nahezu konstant bleiben.
  • Unternehmensnahe Dienstleistungen: In den unternehmensnahen Dienstleistungen hat sich das Konjunkturklima leicht verringert. Insgesamt präsentiert sich die Branche jedoch als stabilste in Mittelfranken mit einer weiter ansteigenden Geschäftslage verbunden mit weiterhin hohem Personalbedarf. Aufgrund geringerer Erwartungen als zu Jahresbeginn treten auch Investitionen leicht in den Hintergrund. Preissteigerungen von Energie und Rohstoffen tragen auch hier zu Unsicherheiten bei.
  • Verbrauchernahe Dienstleistungen: Nach dem erneuten saisonalen Einbruch aufgrund Corona-bedingter Einschränkungen können die Unternehmen der verbrauchernahen Dienstleistungen zum Frühjahr hin etwas aufatmen und einen starken Zuwachs in Geschäftslage und Erwartungen aufweisen. Mit einem Saldo von minus 20 Punkten verzeichnet die Branche zwar weiterhin klar den geringsten Wert, macht mit einem Plus von über 30 Punkten jedoch einen gewaltigen Satz nach oben. Analog zur Entspannung steigen auch Beschäftigungs- und Investitionsabsichten um einiges an. Besonders Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Tourismus profitieren von den neuen Bedingungen, kämpfen sich zurück und blicken optimistisch in die kommenden Monate.

Ausblick

Nach der Erholung der Wirtschaft vor den Auswirkungen der Pandemie und der Maßnahmen wird der Gegenwind aufgrund steigender Preise und damit einhergehender Herausforderungen immer größer. So sehen sich Mittelfrankens Unternehmen in der aktuellen Lage mit einer Vielzahl von Risiken konfrontiert, wodurch insgesamt Beunruhigung herrscht. Das Risiko einer fehlenden Inlandsnachfrage kann sich nicht wirklich reduzieren, ähnlich verhält es sich mit wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, welche sich trotz der Lockerungen minimal erhöhen. Die Ängste, welche die steigenden Energie- und Rohstoffpreise hervorrufen, schnellen noch einmal deutlich nach oben und sind Auslöser für eine wesentlich schlechtere Einschätzung der Geschäftserwartungen verglichen zum Jahresbeginn. Damit verbundene steigende Arbeitskosten und ein Fortbestand des Fachkräftemangels tragen zusätzlich zu Unsicherheiten bei.

Nach Überwinden der Corona-Pandemie mitsamt den teils einschneidenden Maßnahmen, war es höchste Zeit, dass sich die Wirtschaft erholen kann. In den ersten Monaten des Jahres 2022 trat diese Erholung ein und die mittelfränkischen Unternehmen konnten ihre Geschäftslage insgesamt deutlich verbessern, insbesondere durch erfreuliche Entwicklungen im Handelssektor und bei den Dienstleistungen.

Durch momentane Preisentwicklungen entstehen jedoch neue Gefahren bezüglich der Kostenbelastung für die Betriebe und Beschaffungsprobleme. Wichtig ist, dass die Politik nicht nur von steigenden Steuereinnahmen profitiert, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und Bezahlbarkeit von Energie und Rohstoffen gewährleistet. Durch Senkungen von Steuern auf Energie und Öl könnte einer weiteren Verschärfung der Risiken steigenden Kostendruckes vorgebeugt werden. Durch den Krieg in der Ukraine sind auch die Unternehmen Mittelfrankens sowohl in humanitärer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht zusätzlich betroffen. Über 80 Prozent der Unternehmen planen, Kostensteigerungen zumindest teilweise an ihre Kunden weiterzugeben, fast die Hälfte davon sogar vollständig. Sinkende Reallöhne und Kaufkraft von Endverbrauchern könnten sich bald negativ auf die Nachfrageentwicklung auswirken.

 
 
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