Telefon: +49 911 1335-335
Standort | Branchen

Mittelfränkische Wirtschaft nimmt etwas Tempo raus

Mittelfränkische Wirtschaft nimmt etwas Tempo raus

© Lamontak - Gettyimages.de

 

Ansprechpartner (1)

Dr. Maike Müller-Klier

Dr. Maike Müller-Klier

Leiterin der Geschäftsstelle Fürth Tel: +49 911 780790 12

IHK-Konjunkturklima: Betriebe melden leichte Beruhigung, erwarten aber anhaltendes Wachstum

  • Aufwärtstrend setzt sich fort
  • Lage verlässt Rekordhoch
  • Allzeithoch im Baugewerbe
  • Investitionsneigung steigt deutlich
  • Fachkräftemangel verschärft sich

Im Frühjahr 2018 befindet sich die mittelfränkische Wirtschaft weiterhin im Aufwind, allerdings haben die Expansionsraten ihren Höhepunkt überschritten. Gegenüber dem Rekordhoch zu Jahresbeginn bewerten die Betriebe die wirtschaftliche Lage aktuell schlechter und kehren damit auf das ordentliche Niveau des Vorjahres zurück.

Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben recht positiv, was auf weiteres Wachstum in der mittelfränkischen Wirtschaft bei geringerem Tempo hindeutet. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuellen Lageurteile und die Geschäftserwartungen zusammenfasst, sinkt um 6,5 Punkte und erreicht mit aktuell 131,5 noch immer einen Spitzenwert im Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre seit Erhebung der mittelfränkischen Konjunktur. Binnen- und außenwirtschaftliche Kräfte tragen den Aufschwung in sein achtes Jahr.

Die Kapazitätsauslastung ist weiterhin sehr hoch, in der Bauwirtschaft machen sich bereits Kapazitätsengpässe bemerkbar. Dort schaffen es die Unternehmen kaum noch, die eingehenden Aufträge abzuarbeiten. Neben der guten Auftragslage wirken sich Anspannungen auf dem Arbeitsmarkt aus. Branchenübergreifend nehmen die Probleme der Unternehmen zu, geeignetes Fachpersonal zu finden. Das bremst Wachstumspotenziale. Auf der anderen Seite veranlasst die zunehmende Auslastung der Produktionskapazitäten mehr und mehr Unternehmen, ihre Kapazitäten zu erweitern. Dadurch zieht die Investitionsneigung der Betriebe merklich an.

Konjunktur nach Wirtschaftszweigen

Industrie

Die mittelfränkische Industrie erreichte zu Jahresbeginn 2018 Rekordwerte, im Frühjahr geht das Tempo etwas zurück. Der Saldo der Lageeinschätzung sinkt um 8 Punkte und liegt mit +50 weiterhin auf hohem Niveau. Nahezu unverändert ist mit 58 Prozent der Anteil der Industriebetriebe, der von einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage berichtet. Allerdings äußern sich derzeit 8 Prozent gegenteilig. Die gestiegene Unzufriedenheit geht vorwiegend auf die Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten zurück, Vorleistungs- und Investitionsgüterindustrie bleiben höchst positiv gestimmt. Jeder zweite Industriebetrieb meldet ein gestiegenes Auftragsvolumen, In- und Auslandszuwächse sind dabei

Bauwirtschaft

Der Boom der mittelfränkischen Bauwirtschaft setzt sich fort: 87 Prozent der Baubetriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 13 Prozent sind zufrieden, Unzufriedenheit ist derzeit in der Baubranche nicht zu finden. Kein Wunder: Die Baubranche kann sich vor Aufträgen kaum retten. Die gute Konjunktur und die hohe Nachfrage nach Immobilien lassen die Aufträge weiter steigen. Neben weiterhin guten Auftragseingängen im Wohnungsbau sind aktuell Zuwächse aus dem Wirtschaftsbau und dem öffentlichen Bau die großen Treiber im Baugeschäft. Die höchstpositiven Erwartungen der Betriebe an die kommenden Monate machen deutlich: Der Boom der Bauwirtschaft hält weiterhin an. 57 Prozent der Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einer gleichbleibend guten Entwicklung, 43 Prozent rechnen mit weiteren Zuwächsen, keiner erwartet Gegenteiliges. Im Saldo steigen die Erwartungen der Branche um satte 28 Punkte auf +43 an. Um die Aufträge zukünftig abzuarbeiten, wollen die Bauunternehmen vor allem verstärkt investieren. Die Beschäftigungspläne bleiben stabil expansiv. Neun von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass sich diese Ausgaben in den Verkaufspreisen niederschlagen werden.

Handel

Die Stimmung im Handel ist derzeit verhalten. Nach den Spitzenwerten zum Jahreswechsel gehen die Lageurteile des Handels zum Frühjahr deutlich zurück. Der Saldo sinkt um 22 Punkte auf +27 ab und liegt damit wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Immerhin 40 Prozent der Handelsunternehmen bewerten ihre Lage als gut und 48 Prozent sind weiterhin zufrieden. Allerdings berichten 13 Prozent über einen Rückgang der Geschäfte gegenüber dem überaus guten Geschäft zum Jahreswechsel. Durchschlagend sind hier die Urteile der Einzelhändler, Großhandel und Handelsvertretungen können keine Verschlechterung der Geschäftslage feststellen. Dass sich das Handelsgeschäft in den kommenden Monaten konstant entwickelt, davon geht die Branche aus. 80 Prozent der Handelsbetriebe erwarten gleichbleibende Umsätze, der Saldo der Geschäftserwartungen liegt aktuell bei +/-0. Investitionsabsichten (Saldo +14) und Beschäftigungspläne (Saldo -9) folgen dieser Markteinschätzung und gehen entsprechend zurück. Beim Personalbedarf haben die Händler zu 80 Prozent ein Ziel: Mitarbeiter halten!

Unternehmensnahe Dienstleistungen

Auch die unternehmensnahen Dienstleister verlassen die zum Jahreswechsel erreichte Rekordzone, mit einem Saldo von +48 notieren sie weiterhin auf hohem Niveau. Mehr als jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur 6 Prozent melden Gegenteiliges – somit erreicht der Dienstleistungssektor den Vorjahreswert. Besonders zufrieden sind weiterhin die mittelfränkischen IuK-Unternehmen (Saldo +86). Für die kommenden Monate rechnen insgesamt 28 Prozent der Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen mit weiteren Verbesserungen, rund 10 Prozent erwarten eine Verschlechterung, die Mehrheit von 62 Prozent geht von konstant guten Geschäften aus. Damit fällt der Saldo der Erwartungen um 10 Punkte auf positive +18. Diesen weiteren Anstieg der Geschäftstätigkeit möchten die Dienstleister mit mehr Personal (+13) bewältigen – hier setzt jedoch der Arbeitsmarkt derzeit seine Grenzen. Zusätzlich planen die Dienstleister eine weitere Ausweitung der Investitionstätigkeit (Saldo +30).

Verbrauchernahe Dienstleistungen

Um 8 Punkte hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den verbrauchernahen Dienstleistungen zum Frühjahr verschlechtert, der Saldo aus positiven und negativen Antworten ist auf einen Wert von +43 gesunken und liegt marginale 3 Punkte unter dem ordentlichen Vorjahreswert. Angestiegen gegenüber dem Vorjahr ist die Erwartung der verbrauchernahen Dienstleister: Nur 6 Prozent rechnen mit rückläufigen Geschäften, jedes dritte Unternehmen erwartet weitere Zuwächse. Im Saldo steigt der Erwartungswert um 2 Punkte auf +25 an. Ob Hotel- und Gaststättengewerbe, Freizeitwirtschaft oder Reiseunternehmen: Was den positiven Blick in die kommenden Monate angeht, ist sich die Branche einig. Ebenso einig ist man sich, was die positive Entwicklung gefährden kann. Neben Personalmangel und steigenden Arbeitskosten beklagen die Dienstleister insbesondere steigende Bürokratie und Dokumentationspflichten. Um Ersatzbedarfe zu decken und Kapazitäten zu erweitern, planen die Dienstleister, ihre Investitionen deutlich auszuweiten (Saldo +31). Auch eine Ausweitung der Beschäftigung ist fest im Plan (Saldo +8).

Indikatoren im Überblick

Geschäftslage

Gemäß den zu Jahresbeginn geäußerten positiven Erwartungen zeigt sich die mittelfränkische Wirtschaft weiterhin zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Derzeit bezeichnen 53 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut, weitere 39 Prozent sind zufrieden, eine Verschlechterung melden 8 Prozent der mittelfränkischen Betriebe. Damit sinkt die Lagebeurteilung um deutliche 11 Punkte gegenüber der Vorbefragung, die einen Rekordwert der IHKKonjunkturumfragen markierte. Mit einem Saldo von +45 bewerten die Betriebe die Lage ebenso gut wie vor einem Jahr. Die Nachfrage ist sowohl aus dem In- als auch dem Ausland weiterhin rege.

Geschäftserwartungen

Die mittelfränkischen Betriebe gehen von anhaltender Dynamik aus. Das aktuell gute Geschäftsniveau wird Bestand haben, davon geht die Mehrheit der Betriebe aus. 66 Prozent der mittelfränkischen Betriebe erwarten konstant gute Geschäfte in den kommenden Monaten. Mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage rechnet rund ein Viertel der Betriebe. Im Saldo sinkt der Erwartungswert um 2 Punkte und erreicht aktuell solide und zuversichtliche +20 Punkte. Schön dabei: Die positiven Zukunftsaussichten sind branchenübergreifend, einzig der Handel ist unentschlossen.

Investitionspläne

Die mittelfränkischen Unternehmen wollen in den kommenden Monaten kräftig investieren: Mehr als ein Drittel der Betriebe plant, die Investitionsausgaben zu erhöhen, 7 Prozent hingegen wollen sie senken. Ein Großteil der Betriebe (47 Prozent) möchte das Investitionsniveau halten. Per Saldo steigt die Investitionsneigung um 7 Punkte und erreicht mit +29 einen Spitzenwert wie zuletzt im Herbst 2010. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt im Inland, Hauptmotive bei Inlandsinvestitionen sind derzeit Kapazitätserweiterungen und Ersatzbeschaffungen.

Beschäftigungspläne

Die heimischen Betriebe sind hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung weiter sehr optimistisch: Gut 18 Prozent planen, im laufenden Jahr zusätzlich Personal einzustellen, gerade einmal 8 Prozent halten einen Stellenabbau für notwendig. Drei Viertel der Betriebe möchten an ihrem Mitarbeiterstamm festhalten. Der aktuelle Saldo liegt bei +10. Der hohe Mitarbeiterbedarf zieht sich quer durch alle Branchen, der regionale Arbeitsmarkt gibt nicht mehr viel her. Mit anderen Worten: Der Fachkräftemangel ist vollends angekommen.

Ausblick

Im Frühjahr 2018 befindet sich die Wirtschaft nach wie vor im Aufschwung: Die Weltwirtschaft wächst und regt die Exporte weiter an und auch die Binnenwirtschaft dürfte aufgrund der außerordentlich günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt schwungvoll bleiben. Allerdings scheinen die Expansionsraten derzeit ihren Höhepunkt überschritten zu haben. In mehr und mehr Branchen zeichnet sich ab, dass Kapazitätsgrenzen wirksam werden – der Beschäftigungsstand ist inzwischen sehr hoch und die Verfügbarkeit von Fachpersonal entsprechend eingeschränkt.

Für 67 Prozent der mittelfränkischen Betriebe ist der Fachkräftemangel mittlerweile das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Das ist die höchste Risikoeinschätzung überhaupt seit Messung des IHK-Konjunkturklimas. Die Unsicherheiten bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen schätzt die Wirtschaft mit 40 Prozent unverändert hoch ein. Die Wirtschaftspolitik der USA und die im Trend steigende Zahl handelsbeschränkender Maßnahmen dürften für die Eintrübung der Stimmung mitverantwortlich sein. Mittelfranken mit seiner starken Exportorientierung braucht – wie die gesamte globale Wirtschaft – verlässliche Regeln für den grenzüberschreitenden Güteraustausch und eine Reduktion der Unsicherheit.

Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): Frühsommer 2018

 
 
Device Index

Alle Ansprechpartner auf einen Blick