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Früh eingreifen!

18.03.2026
student problem concept and stress

Wenn Azubis hohe Fehlzeiten in Betrieb und Berufsschule haben, kann es viele Gründe dafür geben. Das wissen die IHK-Bildungsberaterinnen und -berater aus vielen Gesprächen mit den Ausbildungsbetrieben und den jungen Leuten. Mangelnde Arbeitseinstellung und Motivation können Ursachen sein. Aber das Thema ist komplexer, als es scheint, wie Diplom-Psychologin Christine Gräff weiß. Sie ist seit vielen Jahren als IHK-Bildungsberaterin für die kaufmännischen Berufe tätig und hat beispielsweise immer wieder mit jungen Menschen zu tun, die an langwierigen chronischen Krankheiten oder psychischen Problemen leiden.

Mit der Veranstaltungsreihe „Ausbildungsthemen im Fokus“ informiert der IHK-Geschäftsbereich Berufsbildung die Betriebe über praktische Fragen der Ausbildung. Die nächsten Termine:

  • Karriere mit Lehre – Wie kann die Übernahme nach der Ausbildung erfolgreich gestaltet werden? (Mittwoch, 20. Mai 2026, 14 bis 16 Uhr, www.ihk-nuernberg.de/v901)
  • Digitale Medien in der Ausbildung – Fluch und Segen  (Montag, 21. September, 14 bis 16 Uhr, www.ihk-nuernberg.de/v902)
  • Migration und Integration von Auszubildenden aus dem Ausland (Montag, 30. November, 14 bis 16 Uhr, www.ihk-nuernberg.de/v903)

Und auch die sogenannte „chronische Unlust“ kann nach ihrer Erfahrung tieferliegende Gründe haben, die sie mit der Formel „falscher Beruf, falscher Betrieb“ zusammenfasst: So werden junge Menschen nicht selten von ihren Eltern zu bestimmten Ausbildungsberufen gedrängt, die diese für „vernünftig“ oder „zukunftsträchtig“ halten, die aber ihren Kindern widerstreben oder nicht ihren Begabungen entsprechen. Andere Jugendliche haben sich für ein Großunternehmen als Ausbildungsbetrieb entschieden, in dem sie sich aber verloren fühlen. Umgekehrt kommen sich andere in kleinen Familienunternehmen eingeengt vor. In solchen Fällen verändert sich die Lage vielfach zum Besseren, wenn die Jugendlichen den Ausbildungsberuf oder den Betrieb wechseln.

Fehlzeiten seit der Corona-Pandemie gestiegen: Hohe Fehlzeiten von Azubis sind offensichtlich ein zunehmendes Problem der Ausbildungsbetriebe. Das ist die Erfahrung von Christine Gräff, von ihrer Beraterkollegin Stefanie Riedel und von Prüfungskoordinator Helmut Meyer, wie sie bei der IHK-Informationsveranstaltung „Fehlzeiten in der Ausbildung“ berichteten. Ein weiteres Indiz dafür war, dass diese Veranstaltung aus der IHK-Reihe „Ausbildungsthemen im Fokus“ schnell ausgebucht war. Und auch Studien der Krankenkassen bestätigen, dass der Krankenstand über alle Gruppen von Arbeitnehmern hinweg seit der Corona-Pandemie angestiegen ist. „Die Langzeitfolgen der Pandemie werden uns bei jungen Menschen noch lange begleiten, auch wenn das für uns Erwachsene oft nicht nachvollziehbar ist“, sagte Gräff. Denn sie seien in schwieriger Zeit mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten und Lernmöglichkeiten sozialisiert worden, was sich bei vielen längerfristig auswirke.

IHK-Bildungsberater frühzeitig einbinden: Unabhängig davon, welche Gründe im Einzelnen für hohe Fehlzeiten von Azubis vorliegen – frühzeitiges Handeln des Ausbildungsbetriebs ist unabdingbar, um die jungen Leute wieder auf den Weg zu bringen und die Weichen richtig zu stellen. Schon wenn sich abzeichnet, dass die Azubis immer häufiger fehlen, sollten die Betriebe Kontakt mit den IHK-Bildungsberatern aufnehmen. Dann kann man den Ursachen frühzeitig auf den Grund gehen und ihnen in Abstimmung mit der IHK entgegenwirken. Vielfach hilft der neutrale Blick der IHK-Experten von außen, um Probleme sachlich und emotionsfrei anzugehen.

Teenage student girl at therapy session with mental health counselor

Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet: Übermäßige Fehlzeiten führen dazu, dass Wissenslücken entstehen und dass schlimmstenfalls die Zulassung zur IHK-Abschlussprüfung gefährdet ist. Dabei spielen weder die Gründe für das Fehlen eine Rolle noch die Frage, ob es sich um entschuldigtes oder unentschuldigtes Fehlen handelt. Helmut Meyer erläuterte das Prozedere bei der Anmeldung zur IHK-Prüfung, bei der auch die Fehlzeiten abgefragt werden. Wenn der Anteil der Fehlzeiten über zehn Prozent liegt (bei 220 jährlich Arbeitstagen), werden folgende Unterlagen angefordert: das Berichtsheft, das letzte Berufsschulzeugnis sowie eine Stellungnahme des Betriebs darüber, wie die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt wurden. Diese Unterlagen werden von den Mitarbeitern des IHK-Prüfungswesens gesichtet. Hält die IHK-Prüfungsabteilung die Zulassung für gerechtfertigt, kann sie ausgesprochen werden. Falls sie die Voraussetzungen als nicht gegeben ansieht, geht der Fall an den jeweiligen Prüfungsausschuss, der die endgültige Entscheidung über die Zulassung trifft. Stefanie Riedel unterstrich, dass es sich immer um eine individuelle Entscheidung handelt, um dem jeweiligen Azubi gerecht zu werden.

auf Fehlzeiten in der Berufsschule achten: Im Auge behalten sollte man auch mögliche Fehlzeiten in der Berufsschule und bei Anzeichen umgehend den Kontakt mit den Lehrern suchen und um Auskunft bitten. Wie die Erfahrung der IHK-Bildungsberater zeigt, können auch hier die Ursachen tiefer liegen und über mangelnde Motivation hinausgehen – etwa bei Mobbing und sogar sexueller Belästigung. In diesen Fällen helfen Sanktionen nicht weiter, sondern es muss gehandelt werden, um die Gründe abzustellen.

Verlängerung der Ausbildungszeit in Betracht ziehen: Ein schnelles Handeln ist schon deswegen geboten, um frühzeitig über eine mögliche Verlängerung der Ausbildungszeit entscheiden zu können. Im ersten Ausbildungsjahr kann geklärt werden, ob der Azubi das erste Berufsschuljahr wiederholen sollte, um entstandene Wissenslücken rasch zu füllen, statt diese über die gesamte Ausbildungszeit mitzuschleppen.

Wechsel des Ausbildungsbetriebs: Wenn Azubis während der Ausbildungszeit den Betrieb wechseln, sollte sich der übernehmende Betrieb immer das Berichtsheft zeigen lassen. Zum einen, um sich über den Wissensstand des Azubis zu informieren, zum anderen, um dadurch auf hohe Fehlzeiten aufmerksam zu werden.

arbeitsrechtliche Folgen von Untätigkeit: Die IHK-Bildungsexperten wiesen auch auf mögliche arbeitsrechtliche Folgen hin, wenn der Ausbildungsbetrieb bei steigenden Fehlzeiten zu lange untätig bleibt. Wenn man schließlich doch keine andere Möglichkeit sieht, als sich von dem Azubi zu trennen, klagt dieser möglicherweise dagegen. Die Arbeitsgerichte verlangen dann vom Ausbildungsbetrieb Nachweise darüber, dass er rechtzeitig reagiert und Maßnahmen ergriffen hat (z. B. Gespräche mit dem Azubi, Einbindung der IHK-Bildungsberater, Abmahnungen). Langes Zuwarten wird von den Richtern als Versäumnis gewertet, sodass sie die Kündigung deshalb oft als unzulässig befinden.

Unterstützungsangebote nutzen: Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, gibt es vielfältige Angebote, um Azubis bei Lernschwierigkeiten oder persönlichen Problemen zu unterstützen. Die IHK-Bildungsberater informieren die Betriebe auch über diese Möglichkeiten und vermitteln auf Wunsch entsprechende Kontakte (siehe untenstehender Info-Kasten).

www.ihk-nuernberg.de/bildungsberater

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Unterstützungsangebote für Azubis

Die IHK-Bildungsberater (Kontaktdaten unter www.ihk-nuernberg.de/bildungsberater) informieren über Unterstützungsangebote für Azubis mit Lernschwierigkeiten oder persönlichen Problemen:

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