IPEC 2026: Wie Europa Verteidigung und Sicherheit smart, souverän und nachhaltig weiterdenkt
Mit der „IPEC 2026 – Defence & Security – Smart | Sovereign | Sustainable Europe“ haben wir am 17. März eine Online-Konferenz für 350 Interessierte aus über 30 Ländern ausgerichtet. Im Fokus ein hochaktuelles Spannungsfeld: Wie können europäische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologietreiber Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit stärken – und dabei zugleich auf Souveränität, Resilienz und Zukunftsfähigkeit setzen? Die Veranstaltung richtete sich insbesondere an KMU, Unternehmen, Entscheiderinnen und Entscheider sowie Fachkräfte im IT-Bereich.
Organisiert wurde die „IPEC 2026“ von im Rahmen des Projekts transform_EMN. Unterstützt wird das Format von zahlreichen Partnern, darunter Bayern Innovativ, das Enterprise Europe Network, VDE Bayern, eco2050 sowie weitere Institutionen aus dem europäischen Innovations- und Sicherheitsumfeld. Ziel von „IPEC“ ist es, europäische Akteure aus Wirtschaft, Forschung und Institutionen in einen produktiven Austausch und Dialog zu bringen. Bereits frühere IPEC-Ausgaben setzten auf internationale Vernetzung, Wissensaustausch und Matchmaking zwischen Unternehmen, Forschung und Partnerorganisationen.
Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, worum es an diesem Vormittag ging: Europas Sicherheits- und Verteidigungslandschaft verändert sich tiefgreifend. Geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen, fragile Lieferketten und die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz verlangen nach neuen Antworten. Genau hier setzte die Konferenz an: mit praxisnahen Technologien, konkreten Anwendungsfällen und einem europäischen Austausch über Lösungen, die smart, souverän und nachhaltig sind.
Im Zentrum des Programms standen mehrere Themenblöcke:
Gleich zu Beginn ging es um Smart Defence und europäische Resilienz. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestützte, mehrschichtige C-UAS-Lösungen zur Abwehr von Drohnen, die aus den Erfahrungen moderner Konflikte weiterentwickelt wurden. Ebenfalls thematisiert wurde die Frage, wie sich eingebettete Software in sicherheitskritischen Anwendungen besser gegen Reverse Engineering schützen lässt.
Im zweiten Themenblock standen KI, Daten und Autonomie in der Verteidigung im Fokus. Diskutiert wurde, wie KI-gestützte Such- und Reasoning-Systeme große Industrie- und Verteidigungsprojekte beschleunigen können, insbesondere dann, wenn Daten vertraulich und vollständig on premise verarbeitet werden müssen. Ergänzt wurde dies durch einen Blick auf smarte Produktionslösungen für die Verteidigungsindustrie, bei denen Automatisierung, Standardisierung und digitale Prozesse helfen sollen, Präzision, Produktivität und Flexibilität in der Fertigung zu erhöhen.
Nach der Pause rückten resiliente Lieferketten und industrielle Kooperationen in den Mittelpunkt. Besonders relevant war hier der Beitrag zu PNT-Resilienz und zum Schutz kritischer Infrastruktur in einem umkämpften elektromagnetischen Umfeld. Dabei wurde deutlich, dass Sicherheit heute nicht nur aus klassischen Verteidigungssystemen besteht, sondern auch aus robusten Navigations-, Zeit- und Ortungssystemen, aus Monitoring sowie aus intelligent kombinierten, widerstandsfähigen Technologien. Ergänzt wurde dieser Teil durch einen Vortrag zu vertrauenswürdiger Voice AI für Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Pitch Session: Hier wurden ausgewählte innovative Projektideen vorgestellt – von hocheffizienten elektrischen Antrieben für taktische UAS über europäische Vision-AI-Stacks bis hin zu gedruckter Sensorik und KI-gestützter Kompetenzbewertung in immersiven Umgebungen. Dieser Programmpunkt zeigte besonders anschaulich, wie breit das Innovationsspektrum im Bereich Defence & Security inzwischen geworden ist und wie stark zivile und militärische Anwendungen ineinandergreifen.
Konkrete Fragen zur Praxis
Spannend waren auch die Fragen aus dem Publikum. Sie zeigten sehr gut, welche Themen Unternehmen und Fachleute derzeit besonders beschäftigen. Ein großer Teil der Rückfragen drehte sich um praktische Umsetzbarkeit: Wie lässt sich eine massentaugliche Produktion von Abfangdrohnen aufbauen? Welche Risiken und Verwundbarkeiten bestehen bei C-UAS-Systemen, insbesondere im Hinblick auf Energieversorgung und Resilienz? Wie werden solche Risiken gemanagt? Und welche Schnittstellen oder technischen Integrationsmöglichkeiten – etwa bei Sensorik – sind denkbar?
Weitere Fragen zielten auf die Anwendbarkeit in realen Konfliktszenarien. So wurde beispielsweise gefragt, ob vorhandenes Know-how bereits im Ukraine-Krieg eingesetzt werden konnte. Dahinter steht ein zentrales Interesse vieler Teilnehmenden: Nicht nur technologische Visionen zu hören, sondern zu verstehen, wie belastbar, skalierbar und einsatznah diese Lösungen tatsächlich sind.
Unterm Strich zeigte IPEC 2026 sehr klar: Verteidigung und Sicherheit sind längst auch Innovations- und Transformationsthemen für den Mittelstand. Es geht um KI, Embedded Security, resiliente Lieferketten, digitale Souveränität, industrielle Skalierbarkeit und die Fähigkeit, zivile und militärische Anwendungen sinnvoll zusammenzudenken. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ergeben sich daraus neue Chancen – nicht nur als Zulieferer oder Technologiepartner, sondern auch als Treiber spezialisierter Lösungen in einem wachsenden europäischen Ökosystem.
Die Konferenz machte zudem deutlich, dass Europa auf dem Weg zu mehr strategischer Souveränität vor allem eines braucht: Kooperation, technologische Exzellenz und schnelle Übersetzung von Innovation in Anwendung. IPEC 2026 hat dafür wichtige Impulse geliefert.
Webcode: N2102