Konkurrenz für PayPal & Co.
Es soll die europäische Antwort auf US-Giganten wie PayPal oder Visa sein: Das Bezahlsystem Wero des Bankenbündnisses European Payment Initiative (EPI). Der Bezahldienst startete im Sommer 2024, ist bislang in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar und bietet mobile Geldzahlungen zwischen Privatpersonen an. Im Herbst 2025 wurde das System nun auf den Online-Handel ausgedehnt. Zunächst in Frankreich, danach in Belgien und Deutschland. Der Ticket-Anbieter CTS Eventim zum Beispiel führte Wero als Zahlungsmöglichkeit Anfang November 2025 ein. In einem weiteren Schritt, wahrscheinlich 2026 oder 2027, sollen Verbraucher auch Zahlungen im stationären Einzelhandel über Wero abwickeln können.
Zunächst aber geht es für den neuen Bezahldienst darum, sich auf dem Markt zu behaupten. Der Sparkassenverband Bayern (SVB) geht davon aus, dass Wero ein Erfolg wird. „Es wird sich nach und nach etablieren“, zeigt sich Präsident Matthias Dießl überzeugt. Zu einem anderen Schluss kommt jedoch das Forschungs- und Beratungsinstitut ibi Research an der Universität Regensburg GmbH in einem aktuellen Report, der Wero einen schweren Stand voraussagt. „Wero löst kein akutes Problem“, begründet Georg Wittmann, Geschäftsführer von ibi Research, diese Einschätzung: Sowohl für Händler als auch für Endkunden stünden aktuell etliche Zahlungsmöglichkeiten bereit. Ein neues System finde daher nur schwerlich ausreichend Akzeptanz.
Fakt ist: Wero ist vor allem eine Kampfansage an die großen US-Zahlungsdienstleister. Die Mega-Player, von Apple Pay über PayPal bis Visa, sind auch in Europa die vorherrschenden Bezahldienste. Sie bestimmen die Preise und könnten ihre Marktmacht womöglich missbrauchen, so die Befürchtung. Die Einführung und das weitere Ausrollen von Wero sind somit in erster Linie der Versuch, sich unabhängig von den USA zu machen und eine souveräne europäische Alternative anzubieten. „Der europäische Zahlungsverkehr darf nicht dauerhaft von außereuropäischen Anbietern abhängig sein“, sagt SVB-Präsident Dießl. „Deshalb bauen wir in Europa mit Wero eine eigene, starke Lösung auf.“
„Der europäische Zahlungsverkehr darf nicht dauerhaft von außereuropäischen Anbietern abhängig sein.“
Die ersten Schritte sind durchaus geglückt. Private mobile Geldtransfers werden bereits über dieses neue Bezahlsystem getätigt. Laut dem Sparkassenverband Bayern hat Wero europaweit 43 Mio. Nutzer, davon 1,3 Mio. bei den deutschen beziehungsweise rund 200 000 bei den bayerischen Sparkassen. Die Kunden setzen Wero ein, um Familienmitgliedern oder Freunden Geld in Echtzeit zu überweisen. Nach spätestens zehn Sekunden ist die Transaktion erfolgt.
Dass Wero in diesem Segment einen Punkt machen konnte, liegt womöglich auch daran, dass der US-Anbieter PayPal, der eine vergleichbare Geldsende-Funktion in Echtzeit anbietet, die Verbraucher zwischenzeitlich mit einer Sicherheitslücke verunsichert hatte.
Zunächst im E-Commerce
Wero soll nun in der nächsten Stufe im Einzelhandel zum Einsatz kommen, vorerst im E-Commerce, später dann auch in stationären Geschäften. Erste Händler von Otto über die Drogeriemarktkette Rossmann bis zu MediaMarktSaturn haben ihr Interesse bekundet, Wero einzuführen. Allerdings nennen sie keinen konkreten Starttermin. So sagt etwa ein Sprecher der MediaMarktSaturn Retail Group: „Wir beobachten den Payment-Markt laufend und erweitern unser Angebot an Bezahlmöglichkeiten im Sinne unseres Omnichannel-Ansatzes kontinuierlich anhand der Kundenbedürfnisse. Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden auf allen Kanälen einfache, sichere und vertrauliche Bezahlmethoden anzubieten.“ Deshalb werde das Unternehmen Wero als weiteres Bezahlverfahren einführen. Aber: „Ein genaues Startdatum können wir noch nicht nennen.“
Für Unternehmen liegt ein Vorteil von Wero in den Kosten. Die angeschlossenen Händler können sehr wahrscheinlich mit niedrigeren Transaktionsgebühren rechnen, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverband Bayern e. V. (HBE). Das liege nicht nur daran, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Bei Wero wird die Zahlung, anders als etwa bei Visa oder PayPal, nicht über eine dritte Instanz abgewickelt, sondern direkt mit dem Konto verbunden. Ein weiteres Pro-Argument Ohlmanns: „Die Daten bleiben in Europa.“
„Die Daten bleiben mit Wero in Europa.“
Kostenersparnis kann ein starker Treiber für Neuerungen sein. Das ist bei Wero nicht anders als bei anderen Technologien. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob sich die Kosten tatsächlich deutlich verringern lassen. Schließlich erfordert die Einführung von Wero ebenfalls Geld, besonders die Implementierung in der IT-Umgebung und die damit verbundenen Schulungen für die Mitarbeiter. „Vor allem am Anfang werden die Erträge noch niedrig sein. Es wird einige Jahre dauern, bis sich die Investitionen amortisiert haben“, erwartet ibi-Research-Experte Wittmann. Die entscheidende Frage lautet seiner Meinung: Wann sind die Erträge hoch genug, sodass sie die Ausgaben rechtfertigen?
Damit sich Wero bei den Nutzern durchsetzen kann, müssen außerdem möglichst viele Banken den Bezahldienst unterstützen. Bislang haben sich nicht alle deutschen Kreditinstitute dem Bankenbündnis EPI angeschlossen. Treiber von Wero sind vor allem die Sparkassen-Organisation sowie die Volks- und Raiffeisenbanken.
„Es wird einige Jahre dauern, bis sich die Investitionen amortisiert haben.“
Von der Bundesbank unterstützt
Unterstützung gibt es von der Bundesbank. Sie ist ein starker Befürworter des digitalen Euro und begrüßt die Entstehung von Wero ausdrücklich. Dies stärke Wettbewerb und Innovation im Binnenmarkt und unterstütze das Ziel des Euro-Systems nach mehr Autonomie und Resilienz im europäischen Zahlungsverkehr, heißt es in einem Statement für das IT-Finanzmagazin. Von dem neuen Bezahldienst könnte auch ein digitaler Euro profitieren, er ließe sich in die Wero-Wallet integrieren, so die Bundesbank.
Am Ende liegt es an den Konsumenten, ob sich das neue System durchsetzt. Nehmen sie Wero an oder ist ihnen ein Umstieg zu aufwändig, da sie bisher mit anderen Zahlungsdiensten gut zurechtgekommen sind. Möglicherweise, so Experte Wittmann, kommt es auf die Höhe der Anreize an: Vielleicht werde ein Fünf-Euro-Gutschein für den ersten Einkauf per Wero dem neuen Bezahlsystem zum Durchbruch verhelfen.
IHK München/Sabine Hölper
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