Zum Hauptinhalt springen

Wie wird Europa widerstandsfähig?

19.05.2026
European data protection and cybersecurity concept with icons and EU stars on digital blue background representing GDPR compliance and governance system.

Europas Sicherheits- und Verteidigungslandschaft verändert sich tiefgreifend: Geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen, fragile Lieferketten und die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz verlangen nach neuen Antworten. Hier setzte die internationale Online-Konferenz „IPEC 2026 – International Production Environmental Community“ an, die die IHK Nürnberg für Mittelfranken im Zuge des Projekts „transform_EMN“ organisiert hatte. 350 Interessierte aus über 30 Ländern hatten sich zu der Konferenz zugeschaltet, die sich dem Thema „Defence & Security – Smart | Sovereign | Sustainable Europe“ widmete. Es ging also um Technologien, Anwendungsfälle und einen europäischen Austausch über smarte, souveräne und nachhaltige Lösungen.

Die Referenten aus Deutschland, Estland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Tschechien, Dänemark und Finnland beschäftigten sich mit Themen rund um diese Kernfrage: Wie können europäische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologietreiber Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit stärken – und dabei zugleich auf Souveränität, Widerstandsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit setzen? Unterstützt wurde das Format von zahlreichen Partnern, darunter Bayern Innovativ, Enterprise Europe Network, VDE Bayern, eco2050 sowie weiteren Institutionen aus dem europäischen Innovations- und Sicherheitsumfeld.

Ein Thema waren „intelligente“ Lösungen der sogenannten Smart Defence, um die europäische Abwehr von Drohen zu stärken: Vorgestellt wurden u. a. KI-gestützte Counter-Unmanned Aircraft Systems (C-UAS), mit denen Drohnen erkannt, verfolgt und abgewehrt werden können. In die Weiterentwicklung solcher Systeme gehen die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten ein, insbesondere aus dem Krieg in der Ukraine. Ebenfalls thematisiert wurde die Frage, wie sich eingebettete Software in sicherheitskritischen Anwendungen besser gegen Reverse Engineering schützen lässt – also gegen den Nachbau durch den Gegner.

Der Einsatz von KI gewinnt auch Bedeutung, um große Industrie- und Verteidigungsprojekte zu beschleunigen. Such- und Reasoning-Systeme können beispielsweise unterstützen, wenn Daten vertraulich und vollständig innerhalb des eigenen Netzwerks verarbeitet werden müssen. Außerdem warfen die Referenten einen Blick auf smarte Produktionslösungen für die Verteidigungsindustrie, die durch Automatisierung, Standardisierung und digitale Prozesse dazu beitragen, Präzision, Produktivität und Flexibilität in der Fertigung zu erhöhen.

Widerstandskraft hat viele Facetten

Auf der IPEC wurde deutlich, dass Sicherheit nicht nur aus klassischen Verteidigungssystemen besteht, sondern dass dafür eine insgesamt widerstandsfähige Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft notwendig ist. Wichtige Faktoren sind dabei beispielsweise resiliente Lieferketten, die im Krisenfall intakt bleiben, sowie industrielle Kooperationen. Auch robuste Navigations-, Zeit- und Ortungssysteme, die gegen Einflüsse von außen geschützt sind, sowie der Schutz kritischer Infrastruktur gehören zu dieser Widerstandskraft. Beleuchtet wurde beispielsweise, wie Voice AI (KI-gestützte Software für die Sprachverarbeitung) in Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen vertrauenswürdig eingesetzt werden kann.

Vorgestellt wurden auf der Tagung auch ausgewählte innovative Projektideen – von hocheffizienten elektrischen Antrieben für taktische unbemannte Systeme über gedruckte Sensorik bis zu KI-gestützter Bewertung von komplexen Entscheidungen. „Dieser Programmpunkt zeigte besonders anschaulich, wie breit das Innovationsspektrum im Bereich Sicherheit und Verteidigung inzwischen geworden ist und wie stark zivile und militärische Anwendungen ineinandergreifen“, so IHK-Technologie-Experte Dr. Ronald Künneth.

Die Diskussionsbeiträge und Fragen aus dem Publikum gaben einen guten Überblick darüber, mit welchen Themen sich Unternehmen und Fachleute derzeit besonders beschäftigen. Ein großer Teil der Rückfragen drehte sich um die praktische Umsetzbarkeit: Wie lässt sich eine massentaugliche Produktion von Abfangdrohnen aufbauen? Welche Risiken und Verwundbarkeiten bestehen bei unbemannten Systemen, insbesondere im Hinblick auf Energieversorgung und Resilienz? Wie werden solche Risiken gemanagt? Welche Schnittstellen oder technischen Integrationsmöglichkeiten – etwa bei Sensorik – sind denkbar?

„Die IPEC 2026 zeigte sehr klar, dass Verteidigung und Sicherheit längst auch Innovations- und Transformationsthemen für den Mittelstand sind“, so ein Fazit von IHK-Experte Ronald Künneth. Es gehe um KI, Embedded Security, resiliente Lieferketten, digitale Souveränität, industrielle Skalierbarkeit und die Fähigkeit, zivile und militärische Anwendungen sinnvoll zusammenzudenken. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ergeben sich daraus neue Chancen – nicht nur als Zulieferer oder Technologiepartner, sondern auch als Treiber spezialisierter Lösungen in einem wachsenden europäischen Verteidigungs-Ökosystem. Künneth: „Die Konferenz machte zudem deutlich, dass Europa auf dem Weg zu mehr strategischer Souveränität vor allem eines braucht: Kooperation, technologische Exzellenz und schnelle Übersetzung von Innovation in Anwendung.“

Webcode: N2176