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IHK-Konjunkturklima Mittelfranken: Wirtschaft im geopolitischen Gegenwind

Presseinformation vom 12.05.2026

Sorge um steigende Energiepreise würgt leichten Aufwärtstrend ab

Nürnberg – Die Unternehmen in Mittelfranken melden eine etwas verbesserte Geschäftslage, blicken aber dennoch mit Sorge auf die kommenden Monate. Geopolitische Spannungen wie der Iran-Konflikt trüben die Aussichten massiv und ersticken die zarte Belebung im Keim. Das sind zentrale Aussagen der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken.

Nach einer kurzen Phase der Aufhellung zu Jahresbeginn zeigt das Stimmungsbarometer wieder nach unten: Der IHK-Konjunkturklima-Index fällt im Frühjahr 2026 zurück unter die wichtige 100-Punkte-Marke und verliert damit vier Punkte gegenüber der Umfrage zum Jahreswechsel. Dem Index liegen die Urteile der Befragten zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu ihren Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate zugrunde. Damit ist die Aufwärtsbewegung der letzten Monate vorerst gestoppt. 

Stimmung kippt bei den Erwartungen

Während die aktuelle Geschäftslage von vielen Betrieben noch als gut oder befriedigend bewertet wird, hat sich die Erwartungshaltung für die kommenden Monate deutlich verschlechtert. Dies ist u.a. auf die Sorge zurückzuführen, dass es zu einer neuen Preisspirale bei Energie und Rohstoffen kommen könnte. Diese Entwicklung belastet die Planungssicherheit der Unternehmen erheblich und dämpft die Hoffnung auf einen nachhaltigen wirtschaftspolitischen Aufbruch. „Die Unternehmen müssen die gestiegenen Kosten in ihre Preise einkalkulieren. Damit ist zu befürchten, dass die Auftragseingänge von gewerblichen Kunden und die Nachfrage der Verbraucher weiter sinken“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann.

Investitionsstau und angespannter Arbeitsmarkt

Die getrübten Aussichten wirken sich naturgemäß direkt auf die Planungen der Unternehmen für das Sommerhalbjahr aus: Besonders besorgniserregend ist die wachsende Zahl der Betriebe, die derzeit gar keine Investitionen mehr planen; die Investitionszurückhaltung prägt das Gesamtbild der Umfrage. Parallel dazu bleibt auch die Beschäftigungssituation schwierig: Trotz vereinzelter Auftragszuwächse in der Industrie überwiegen die Pläne für einen Personalabbau. Neben den hohen Arbeitskosten machen den Unternehmen hier vor allem strukturelle Probleme zu schaffen, die über die reine Konjunkturschwäche hinausgehen.

Branchen im Vergleich

Innerhalb der Wirtschaftssektoren zeigt sich ein differenziertes Bild:

  • Die Industrie kann sich dank einer verbesserten Auftragslage noch leicht gegen den Trend stemmen und positioniert sich über dem Gesamtindex.
  • Die Bauwirtschaft und der Handel verlieren hingegen weiter an Boden und weisen die niedrigsten Index-Werte im Branchenvergleich auf.
  • Die unternehmensnahen Dienstleistungen stehen von allen Branchen weiterhin am besten da und weisen den höchsten Indexwert auf. Allerdings verlieren sie gegenüber der letzten Umfrage ebenfalls an Fahrt.
  • Bei den verbrauchernahen Dienstleistungen inklusive Gastgewerbe machen sich die spürbar höheren Kosten bereits bemerkbar. Da die Marge in vielen Betrieben dünn ist, müssen sie die Preissteigerungen oft an die Kunden weitergeben, was wiederum deren Nachfrage dämpft.
  • Diese Beschreibung trifft auch auf die Lage im Einzelhandel zu, der ebenfalls mit Kostendruck und engen Margen konfrontiert ist.

 

Hohe Energie- und Rohstoffpreise als größter Risikofaktor

Das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ist innerhalb weniger Wochen wieder das Thema Energie- und Rohstoffpreise geworden. Hatte sich diese Sorge Anfang des Jahres noch deutlich entspannt, flammt sie durch den Iran-Konflikt nun wieder auf. Auch die schwache Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben Dauerbrenner auf der Risikoliste. Zusätzlich wächst die Sorge vor Zinserhöhungen, die als notwendige Bremse für die Inflation auch die Investitionstätigkeit weiter erschweren könnten.

„Ständig neue weltpolitische Krisen und die viel zu zaghaften wirtschaftspolitischen Reformen hier in Deutschland sind zu einem Cocktail geworden, der den Standort in Schieflage bringt. Die jahrelange Investitionsschwäche zeigt unsere strukturellen Schwächen überdeutlich“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann. „Wir sagen es seit Jahren: Die Politik muss endlich mit durchgreifenden Reformen Ernst machen. Was wir umgehend brauchen, sind der Abbau von Hemmnissen und international wettbewerbsfähige Kosten bei Energie und Arbeit.“

www.ihk-nuernberg.de/konjunktur

Ansprechpartner für die Medien:

  • Dr. Udo Raab

    Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, Leiter Referat Regionale Wirtschaftspolitik, Fachkräftesicherung

Webcode: N2151