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ebl-Naturkost

Einfach besser leben

Möglichst schnell möglichst groß zu werden, das war noch nie der Anspruch von Gerhard Bickel (47): "Wir wollen uns mit dem Markt weiterentwickeln", sagt der Geschäftsführende Inhaber der Firma ebl-Naturkost e.K. in Nürnberg. Heute ist das Unternehmen einer der führenden Anbieter für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau. Zum Betrieb gehört eine hauseigene Metzgerei, die Wurst- und Fleischwaren in Bio-Qualität produziert.

Angefangen hat alles vor 25 Jahren. Schon damals verkaufte Bickel Bio-Lebensmittel im Kaufmarkt. Als dort eine Umstrukturierung erfolgte, beschloss der Einzelhandelskaufmann trotzdem weiterzumachen. Im Marktkauf in Zirndorf mietete er seinen ersten Laden, weitere Geschäfte folgten. 1994 gründete Bickel die Firma ebl-Naturkost. Der Name ist abgeleitet aus der früheren Kaufmarkt-Naturkost-Eigenmarke "einfach besser leben". Vier Jahre später zeichnete die IHK die Firma ebl-Naturkost mit dem Gründerpreis aus.

Inzwischen hat ebl über 16 Bio-Fachmärkte in der Metropolregion Nürnberg. Zum Sortiment zählen 6 000 Artikel: Gemüse, Molkereiprodukte, Bedientheken mit Fleisch/Wurst/Käse/Brot, Lebensmittel, Getränke, Wein und Naturkosmetik. Die Kundenzielgruppe sind Genießer, die sowohl gern kochen und essen als auch Wert auf die ökologische Erzeugung der Lebensmittel legen. Zudem bietet ebl Lebensmittel für bestimmte Diätformen an wie glutenfrei oder konservierungsstofffrei. Alle Lebensmittel sind nach dem Bio-Siegel zertifiziert, zwei Drittel des Sortiments gehen über diesen Mindeststandard hinaus. Diese Produkte entstehen nach den Richtlinien renommierter Anbauverbände wie Demeter, Bioland, Naturland und Biokreis Ostbayern. Aktuell beschäftigt ebl-Naturkost 240 Mitarbeiter, 2008 erzielte die Firma einen Umsatz von rund 30 Mio. Euro.

Noch in diesem Jahr eröffnet die Firma in Zirndorf einen neuen, größeren Laden. Zudem ist demnächst ein weiterer Bio-Fachmarkt in Erlangen geplant, zusätzlich zum bereits bestehenden. Dass ebl weiter wächst, hat für seinen Inhaber mit den Mitarbeitern zu tun: "Sie sind unser Erfolgsfaktor." Es sei aber schwer, Nachwuchs zu finden. Derzeit hat die Firma elf Azubis, möchte "aber gern doppelt so viele ausbilden". Warum ist das so schwierig? "Unserer Branche fehlt ein spezieller Ausbildungsberuf", antwortet Bickel. "Es gibt nur den Lebensmittelkaufmann, unsere Mitarbeiter brauchen aber Zusatzqualifikationen." Deshalb versucht er zusammen mit Kollegen aus dem Bundesgebiet, einen neuen Ausbildungsberuf auf den Weg zu bringen – den Naturkost-Fachhändler.

Die ebl-Metzgerei bezieht die Tiere aus der Region, die Schlachtung erfolgt in Erlangen, die komplette Verarbeitung findet in Nürnberg statt. So gibt es schon seit 15 Jahren die originalen Nürnberger Rostbratwürste in Bio-Qualität in den ebl-Läden. Das Gemüse stammt aus Franken und Niederbayern sowie aus Frankreich, Italien und Spanien – von Erzeugern, die "wir seit vielen Jahren kennen und regelmäßig kontrollieren". Ein Grund, warum Bickel Produkte aus dem Ausland führt, hat damit zu tun, dass "es bei uns in der Region zu wenig Bauern gibt, die kontrolliert biologisch anbauen. Es gibt leider immer noch Landwirte, die meinen, ohne Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel würde nichts wachsen".

Dabei hat der andere Weg eine Menge mehr zu bieten: Der Bauer, der nicht nur Äpfel anbaut, sondern auch Getreide und Hopfen und das ebenfalls kontrolliert biologisch, habe dadurch den Naturkost-Fachhandel als Abnehmer, den Bäcker und die Brauerei, sagt Bickel. "Allerdings, auf den Bio-Anbau allein aus Geschäftsinteresse zu setzen, das funktioniert nicht. Es muss aus Überzeugung passieren." Er biete den Erzeugern einen sicheren Absatz über die Jahre. "Bio-Produkte sind für uns keine kurzfristige Mode-Erscheinung, sondern eine Sache der Nachhaltigkeit. Das wissen unsere Kunden zu schätzen."

Autor: 
ng.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2009, Seite 56

 
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