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Technologie-Politik

Der Freistaat bündelt das Know-how

Die Region Nürnberg spielt in der bayerischen Cluster-Politik eine tragende Rolle. Eine ganze Reihe von Technologie-Initiativen wird von Mittelfranken aus koordiniert.

Die wichtigste Botschaft auf dem Nürnberger Kongress "Cluster-Offensive Bayern – Stark im Wettbewerb" kam von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil. Er sicherte den 1 900 Teilnehmern die Fortsetzung der Cluster-Offensive der Staatsregierung über das Jahr 2011 hinaus zu. Gleichwohl deutete er eine finanziell "degressive Ausgestaltung" an.

Der Freistaat Bayern fördert – nach dem Vorbild des Silicon Valley – bis 2011 die bayerische Cluster-Offensive mit 45 Mio. Euro. Bislang wurden auf über 1 500 Einzelveranstaltungen Unternehmen vom Kleinbetrieb bis zum Konzern mit Wissenschaftlern, Kapitalgebern und weiteren Dienstleistern zusammengebracht. Die bayernweit 19 Technologie-Cluster sind in fünf Obergruppen klassifiziert: Mobilität, Materialentwicklung, Mensch und Umwelt, Informations- und Elektrotechnik sowie Dienstleistungen und Medien. 6 000 Unternehmen nehmen regelmäßig an Wissenstransfer- und Networking-Veranstaltungen teil, zwei Drittel davon sind Mittelständler. Gerade für diese werde der "Weg von der Idee zum Produkt schneller und günstiger", erklärte Zeil.

Von den 19 bayerischen Clustern werden sieben Foren direkt aus Nürnberg geführt. Sie decken sich teils mit den Clustern, die die IHK Nürnberg für Mittelfranken bereits Mitte der 90er Jahre als technologische Kompetenzfelder für das Entwicklungsleitbild der Region Nürnberg entwickelt hatte.

Der Cluster Automotive bringt mit dem Automobilzulieferer-Netzwerk "Bayerische Innovations- und Kooperationsinitiative Automobilzulieferindustrie" (Baika) die Zulieferer untereinander und mit der Forschung ins Gespräch. Es geht etwa um den Einsatz Neuer Materialien, um Informations- und Assistenzsysteme sowie um Antriebstechnologien oder Emissionsverringerung. Die Baika-Datenbanken enthalten über 2 200 Unternehmen und Forschungsstellen aus 50 Ländern, davon 1 100 aus Bayern. Koordiniert wird der Cluster von der Bayern Innovativ GmbH in Nürnberg (Cluster-Sprecher: Prof. Dr. Josef Nassauer; www.cluster-automotive.de).

Der Cluster Bahntechnik wird über den Nürnberger Verein CNA (Center for Transportation and Logistics Neuer Adler) gesteuert und bündelt Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Bahntechnik. Aus den Steuerungskreisen werden innovative Projekte angestoßen, wie etwa das Projekt "Orinoko", ein Verfahren zur Steuerung des Individual- und des öffentlichen Personennahverkehrs (Cluster-Sprecher: Dr. Holger Schulze-Halberg; www.cluster-bahntechnik.de).

Der Cluster Logistik widmet sich den Schwerpunkten Automobil-, Bau-, Gesundheits-, Transport- und Verkehrslogistik sowie der Logistik für öffentliche Unternehmen. Eine Kooperationsbörse informiert über Gesuche und Angebote aus der europäischen Technologiedatenbank des Enterprise Europe Network (Cluster-Sprecher: Prof. Peter Klaus; www.cluster-logistik.de).

Der Cluster Neue Werkstoffe arbeitet an Schwerpunktthemen wie metallische Leichtbaustoffe, Polymerverarbeitung und funktionalisierte Oberflächen (Cluster-Sprecher: Prof. Dr. Robert F. Singer; www.cluster-neuewerkstoffe.de).

Der Cluster Medizintechnik wird vom Verein Forum MedTech Pharma in Nürnberg geführt. Mit über 600 Mitgliedsinstitutionen aus 14 Staaten ist das Forum das größte Netzwerk im Gesundheitswesen. Seit über zehn Jahren werden erfolgreich Kooperationen und innovative marktrelevante Projekte begleitet (Cluster-Sprecher: Prof. Dr. Michael Nerlich; www.cluster-medizintechnik.de).

Der Cluster Energietechnik stößt Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft an, um neue Produkte zu entwickeln und erfolgreich zu vermarken. Themen sind beispielsweise Effizienzsteigerung, Emissionsminderung bei Kraftwerken oder Kraft-Wärme-Kopplung (Cluster-Sprecher: Prof. Dr. Jochen Fricke, Dr.-Ing. Klaus Hassmann; www.cluster-energietechnik.de).

Der Teil-Cluster Leistungselektronik, der in der bayerischen Offensive mit dem Teil-Cluster Sensorik gebündelt ist, konzentriert sich unter der Führung des Nürnberger European Center of Power Electronics (ECPE e.V.) u.a. auf Neue Werkstoffe und Bauelemente sowie auf Produktionstechnik für leistungselektronische Systeme (Cluster-Sprecher: Prof. Dr. Hans Meixner; www.cluster-bayern-leistungselektronik.de).

Dr. Robert Schmidt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Innovation|Umweltschutz, verweist aber noch auf zwei weitere Cluster, die – gestützt auf starke regionale Netzwerke – ihre Aktivitäten auf die Metropolregion Nürnberg konzentrieren. Das Netzwerk Automation Valley Nordbayern der nordbayerischen IHKs arbeitet eng mit dem bayerischen Cluster Mechatronik & Automation zusammen, das von Augsburg aus gesteuert wird. Einige der Projekte, die gemeinsam angegangen wurden: Automatisierte Montage von Solarmodulen, Software-Prozesse in der Automatisierung sowie Ersatz von veralteten elektronischen Bauelementen (Cluster-Sprecher Mechatronik & Automation: Prof. Dr. Klaus Feldmann; www.cluster-ma.de).

Effizient verzahnt mit dem Cluster Umwelttechnologie ist die Initiative Umweltkompetenz Nordbayern der bayerischen IHKs. Energie aus Biomasse, Abwasserbehandlung, Filtertechnik und Recycling sind einige Themen, die auf der Agenda der Initiative stehen (Cluster-Sprecher Umwelttechnologie: Dr.-Ing. e.h. Hans Huber, Berching, www.umweltcluster.net).

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 08|2009, Seite 12

 
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