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Investitionen in Innovationen

Einstieg ins Netzwerk

Junge Unternehmen durch Investitionen und Coaching beim Start unterstützen: Dies ist das Ziel von erfahrenen Geschäftsleuten und Managern, die sich als Business Angel engagieren.

Wer mit seinem Unternehmen in der Frühphase steckt, für den ist es schwierig, von institutionellen Investoren und Venture Capital-Gesellschaften Eigenkapital zu erhalten. Für viele wachstumsorientierte Start-ups sind Business Angels daher oftmals die entscheidende Quelle für eine erste Finanzierung. Das sind Privatpersonen, die sich still oder offen beteiligen und neben Kapital auch Know-how und Kontakte bereitstellen. Einer, der sich aktiv in der Region als Business Angel engagiert, ist Dr. Karl Weick aus Nürnberg. „Was ich am Prinzip ‚Business Angel’ besonders schätze: Man beteiligt sich nicht nur finanziell an einer guten Geschäftsidee, sondern kann sich aktiv einbringen und gemeinsam mit den Gründern am Geschäftskonzept weiter feilen.“ Anders als bei Investments in Fonds oder bei an der Börse gehandelten Aktien hat der Business Angel die Möglichkeit, die Entwicklung seines Investments selbst positiv zu beeinflussen und zu gestalten. „Außerdem ist es mir persönlich eine Freude, die eigenen Erfahrungen an motivierte Jungunternehmer weiterzugeben“, begründet der 63-Jährige sein Engagement.

„Das Investment privater Finanziers ist für die Gründerkultur heute wichtiger denn je“, weiß auch Arne-G. Hostrup, Geschäftsführer des netzwerk nordbayern, das seit zwölf Jahren Business Angels und Start-ups zusammenbringt. „Erst durch die Mittel der Business Angels können sich die Unternehmen von der Idee bis zum ersten Kunden vorarbeiten. Häufig sind erst dann Venture Capital-Gesellschaften bereit, zu investieren. Und auch für die Banken gilt: Wenn sich ein Business Angel mit Sach-Branchenverstand beteiligt, genehmigen sie eher begleitende Kredite.“ Das heißt aber nicht, dass Business Angels ihr privates Vermögen leichtsinnig zur Verfügung stellen. Sie prüfen das Geschäftsmodell genau, ehe sie einen Beteiligungsvertrag unterzeichnen und sie erwarten ein kompetentes Team.

Weick ist bereits an zwei Unternehmen in der Metropolregion Nürnberg beteiligt und mit einem dritten im Gespräch. So hält er aktuell Anteile an der Fürther m-broker mobility worldwide GmbH, einem Internet-Portal zum Preisvergleich von Mietwagen, und an der infsoft GmbH, die Indoor-Navigationssysteme für Smartphone-Besitzer in großen Gebäuden entwickelt – zum Beispiel für Flughäfen, Bahnhöfe, Messen, Krankenhäuser oder Industrieareale. „Die Entscheidung für eine Beteiligung an infsoft hat sich allmählich entwickelt“, erklärt Weick. „Ich wurde dem Unternehmen zunächst als Coach über das netzwerk nordbayern vermittelt. Der Gründer Tobias Donaubauer und ich haben das Projekt gemeinsam völlig neu strukturiert und den Markteintritt vorbereitet. Die Weiterentwicklung der Navigationssysteme haben wir ebenso gemeinsam diskutiert wie wichtige Kunden am Anfang zusammen besucht. Da war der Schritt einer Beteiligung für beide Seiten naheliegend.“

Förderung durch Bayern Kapital GmbH

Das Engagement von Business Angels wird sowohl vom Land Bayern als auch vom Bund unterstützt: Die Bayerische Staatsregierung gründete vor 15 Jahren im Rahmen der „Offensive Zukunft Bayern“ die Bayern Kapital GmbH. Seitdem hat die 100-prozentige Tochtergesellschaft der LfA Förderbank Bayern über 150 Mio. Euro Kapital für junge, innovative High-Tech-Unternehmen zur Verfügung gestellt – oft auch als Co-Investor zusammen mit einem Business Angel.

Initiative „Gründerland Deutschland“

Die Bundesregierung Hat Anfang dieses Jahres die Gründer-Initiative „Gründerland Deutschland“ gestartet, um verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer zu schaffen. Bestandteil der Initiative ist auch die Offensive „Business Angels Jahr 2010“. Dieses wurde vom Business Angels Netzwerk Deutschland (Band e.V.) ausgerufen, um mehr Menschen für die Business Angel-Idee zu begeistern. „Trotz der Unterstützung wird die Kultur des Business Angel in Deutschland leider immer noch viel zu wenig gelebt“, so Hostrup. „Deswegen sind Offensiven wie das ,Business Angels-Jahr’ sehr wichtig. Förderlich wäre zudem, wenn auch Privatinvestoren in Deutschland steuerliche Investitionsanreize bekämen. Andere Länder wie Frankreich oder Großbritannien machen uns dies bereits erfolgreich vor.“

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 08|2010, Seite 34

 
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