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R & H Umwelt

Experten für saubere Böden

Im Keller seines Wohnhauses gründete Dr. Johann Rietzler vor 25 Jahren die R & H Umwelt GmbH in Nürnberg. Der Geologe und Ingenieur konzentrierte sich in den Anfangsjahren mit seinem Ingenieurbüro und Analytiklabor auf die Erkundung und Sanierung von Altlasten. Heute sieht er sein Unternehmen in Süddeutschland als führenden Anbieter von Ingenieur- und Consulting-Dienstleistungen in den Bereichen Boden, Wasser, Energie und Umweltschutz in Süddeutschland.

Die Firmengruppe ist mit neun Standorten in ganz Deutschland präsent. Allein in Nürnberg hat Rietzler seit der Gründung mehr als 100 Betriebe und Areale auf Schadstoffe und Altlasten analysiert, bewertet und saniert, etwa durch Bodenaushub oder das Abpumpen von belastetem Grundwasser. Der Dienstleister übernimmt Proben und untersucht sie vor Ort oder im eigenen vollautomatischen Labor. Bei Bedarf wird auch der fachgerechte Rückbau von Gebäuden und Anlagen übernommen. Keine leichte Aufgabe, denn bei einem Abriss müssen Schutt und Schrott, also Wert- und Recyclingbaustoffe, in fünf bis 20 verschiedene Gruppen getrennt werden. Im ehemaligen Nürnberger US-Hospital entdeckte Rietzler etwa in der Wandfarbe Pestizide, darunter das in Deutschland seit Jahrzehnten verbotene Insektengift DDT. Die Rietzler Gruppe übernimmt aber auch Hochwasserschutz und Landschaftsplanung.

Die Sanierung kontaminierter Industrie- und Gewerbeflächen gehört für Rietzler zum praktizierten Umweltschutz, der sich nicht auf die Aspekte Ressourcenschonung und erneuerbare Energien beschränken dürfe. Es sei darüber hinaus ökologisch notwendig, unverbrauchte Naturflächen zu schonen und stattdessen Altstandorte zu sanieren und diese als Baugrund zu nutzen.

Für den Freistaat Bayern untersuchen die Nürnberger Ingenieure und Laboranten derzeit 40 ehemalige Mülldeponien daraufhin, ob und unter welchen Voraussetzungen sie als Flächen für Photovoltaikanlagen genutzt werden können. Dabei geht es nicht nur um das Aufspüren und die Entfernung von Altlasten, sondern auch um Wirtschaftlichkeitsberechnungen – beispielsweise um die Frage, wie weit das nächste Trafohäuschen höchstens entfernt sein darf, um Strom wirtschaftlich einspeisen zu können.

Ein rasantes Geschäft verbucht derzeit die Tochterfirma UGN-Umwelttechnik in Gera, die Abluft- und Biogasreinigungsanlagen plant und produziert. Ein innovatives Produkt der UGN sind auch Bio-Filter aus Rest-Papierfaserstoffen, mit denen sich laut Rietzler Importe von Aktivkohlefiltern für Biogasanlagen – etwa aus Südamerika oder China – ersetzen lassen. „Unsere Pelletfilter sind ein Drittel günstiger und haben einen fünffach höheren Wirkungsgrad“, so Rietzler, der im nächsten Jahr den europaweiten Vertrieb für dieses Produkt auf Touren bringen will. Im Gegensatz zu Aktivkohlefiltern werden die Schadstoffe nicht in diese Bio-Filter eingelagert, sondern chemisch umgewandelt. Auf diese Weise fällt am Ende kein Sondermüll an, sondern es entstehen thermisch verwertbare Reststoffe. Aktuell werden in Gera knapp 1 000 Tonnen dieser patentierten Pelletfilter pro Jahr produziert. Angesichts von 100 000 Tonnen Aktivkohlefilter, die jährlich in Deutschland gebraucht werden, sieht Rietzler für sein Produkt einen großen Markt.

Nach einem Umsatz von zehn Mio. Euro im Jahr 2010 will die Gruppe, die 140 Mitarbeiter beschäftigt (davon 90 in Nürnberg), im laufenden Geschäftsjahr auf elf Mio. Euro wachsen. Zur Belegschaft gehören auch neun Auszubildende. Allerdings fällt es der Rietzler-Gruppe immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden und langfristig an das Unternehmen zu binden. „Wir sind eine Art Kaderschmiede der Branche“, nach zwei Jahren würden viele Ingenieure von anderen Unternehmen „mit höherem Gehalt rausgekauft“, so Rietzler.

Unzufrieden ist Rietzler auch mit der Ertragssituation der Branche: 1986 habe das Honorar für eine Ingenieurstunde bei 125 DM gelegen, heute trotz gestiegener Kosten bei 65 Euro. Die am Markt erzielbaren Laborpreise seien in diesem Zeitraum sogar um ein Viertel gesunken – ein Trend, den Rietzler durch die Investition in vollautomatische Laborprozesse abgefedert hat.

Das kommende Jahr steht bei R & H im Zeichen personeller und organisatorischer Veränderungen: Firmengründer Dr. Johann Rietzler wird im Sommer 2012 im Zuge der Nachfolgeregelung als Geschäftsführer der R & H Umwelt GmbH ausscheiden und an die Spitze der dann neu gegründeten Rietzler Holding GmbH wechseln, die als Dach über den dann drei Tochterunternehmen errichtet wird. Bei der R & H Umwelt GmbH fungiert Peter Swoboda weiter als technischer Geschäftsführer, alle betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten übernimmt Sandy Pfund als kaufmännischer Geschäftsführer.

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2011, Seite 60

 
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