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150. IHK-Kammergespräch

Bahn frei für bessere Infrastruktur

150. Kammergespräch mit Horst Seehofer © Kurt Fuchs

Der Freistaat wird sich für wichtige Verkehrsprojekte in Nordbayern stark machen, so Ministerpräsident Horst Seehofer im Historischen Rathaussaal.

Als Redner des 150. IHK-Kammergesprächs setzte Seehofer eine gute Tradition fort: Seine Vorgänger Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber waren die Referenten beim 50. bzw. 100. Kammergespräch in den Jahren 1984 und 1998 gewesen. Bei ihren Besuchen unterstrichen die bayerischen Ministerpräsidenten stets die Bedeutung der Wirtschaftsregion Mittelfranken. Darum packte IHK-Präsident Dirk von Vopelius die Gelegenheit beim Schopf und trug Ministerpräsident Seehofer eine Wunschliste der Wirtschaft an die Staatsregierung vor, darunter die zügige Planung und Realisierung der Stadt-Umland-Bahn (StUB), das Festhalten an der Flughafen-Nordanbindung sowie den Ausbau der Bahnlinie Nürnberg – Prag.

Seehofer griff die Wünsche alle auf und erläuterte im voll besetzten Historischen Rathaussaal, warum es auch im Münchner Interesse sei, dass die Staatsregierung in Nordbayern investiere: „Der Großraum München ist überhitzt und es ist richtig, wenn wir hier ein bisschen Luft rausnehmen.“ Deshalb sei es nötig, öffentliche Einrichtungen nach Nordbayern zu verlagern, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Wie segensreich derartige Verlagerungen sein können, zeige sich am Umzug des Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung von München nach Fürth. Der Kleeblattstadt gehe es jetzt wirtschaftlich besser als vor der Quelle-Pleite im Jahr 2005. Ähnliche Effekte soll die Verlagerung der Finanzakademie der Freistaats nach Kronach bringen, um die Jobverluste durch die Krise beim Fernsehgerätehersteller Loewe auszugleichen. Auch in Bad Neustadt an der Saale habe sich das Engagement des Freistaats gelohnt. Siemens hatte zwar die Produktion von Elektromotoren in die kostengünstigere Tschechische Republik verlagert, baut heute aber in Bad Neustadt Elemente für Windkraftanlagen. „Insgesamt gibt es jetzt dort 2 500 Arbeitsplätze mehr“, so Seehofer. Auch das 1,5 Mrd. Euro umfassende Investment von Siemens in den neuen Siemens Campus in Erlangen sei als Stärkung für den gesamten Wirtschaftsraum zu sehen.

Insofern sei es nur logisch, wenn die Staatsregierung die geplante Stadt-Umland-Bahn unterstütze. „Wenn die Landeshauptstadt für 2,5 Mrd. Euro eine zweite S-Bahn-Stammstrecke braucht, muss auch eine Stadt-Umland-Bahn möglich sein“, betonte Seehofer. Mit wie viel Geld sich der Freistaat an diesem Straßenbahnprojekt von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach, dem Sitz der Dax-Unternehmen Adidas, Puma und Schaeffler, beteiligen wird, wollte er aber noch nicht konkret sagen.

Standortfaktor Flughafen

Er unterstrich jedoch, dass in den kommenden zwei bis vier Jahren die Weichen für die Zukunft gestellt werden müssten: „Sonst ist der Wohlstand in Bayern in Gefahr.“ Aus diesem Grund kritisierte er auch den Nürnberger Stadtrat für den jüngst gefassten Beschluss, die Nordanbindung des Nürnberger Flughafens an die Autobahn nicht mehr weiterverfolgen zu wollen. „Die Entwicklung des Großraums München ist ein Ergebnis der Entwicklung durch den Flughafen“, betonte Seehofer. Ohne die mutige Entscheidung von Franz-Josef Strauß, den Münchner Airport ins Erdinger Moos zu verlegen, wären dort niemals die annähernd 40 000 Arbeitsplätze entstanden. „Und wer weiß, wie viele noch hinzukommen, sollte die dritte Startbahn gebaut werden“, sagte der Ministerpräsident. Deshalb sei es umso notwendiger für die wirtschaftliche Entwicklung der zweitgrößten Stadt Bayerns, dass der Flughafen eine vernünftige Verkehrsanbindung bekomme. Denn nur so könne auch dieser Airport signifikant wachsen und als Jobmotor fungieren.

Eine weitere Baustelle, die ganz Nordbayern betreffe, sei die Elektrifizierung der Bahnverbindung von Nürnberg über Marktredwitz und Eger nach Prag, sagte Seehofer. Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka habe ihm gegenüber den fehlenden Lückenschluss auf deutscher Seite moniert und bemerkt, dass sich die Reisezeit mit der Bahn von Nürnberg nach Prag seit dem Bayerischen Königreich kaum verringert habe. „Das kann so nicht bleiben“, sagte Seehofer, zumal auch diese Verkehrsachse im Münchner Interesse sei. Schließlich könne man dann von der bayerischen Landeshauptstadt über die schnelle ICE-Verbindung via Nürnberg in die Moldaumetropole reisen. „Die entsprechenden Investitionsmittel müssen in den Bundesverkehrswegeplan eingestellt werden“, betonte Seehofer.

Autor: 
rs.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2014, Seite 36

 
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