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Ausländische Abschlüsse

Endlich anerkannt!

IHK FOSA Anerkennung Sencer © IHK

Glücklich über die neuen beruflichen Chancen in Deutschland: Ercan Sencer und seine Ehefrau Seda mit den IHK-Bildungsexperten Carolin Schweizer und Alexander Friedrich.

Wer einen ausländischen Berufsabschluss anerkennen lässt, kommt in Deutschland besser voran. Ein Erfahrungsbericht.

Ercan Sencer stammt aus der Türkei und hat dort eine dreijährige Ausbildung zum Industrieelektriker absolviert. Im Anschluss an die Ausbildung hat er noch zwei Jahre Kommunikationselektronik studiert und war dann bei einem städtischen Stromversorger tätig. 2011 kam er im Alter von 23 Jahren aus privaten Gründen nach Deutschland, seine Frau ist in Nürnberg aufgewachsen. Um sich beruflich besser weiterentwickeln zu können, wurde er bei der Anerkennungsstelle „IHK Fosa“ in Nürnberg vorstellig. Er beantragte, dass dort geprüft wird, inwieweit sein türkischer Ausbildungsberuf mit dem entsprechenden deutschen IHK-Beruf „Industrieelektriker Fachrichtung Betriebstechnik“ übereinstimmt. Er war damit der 1 000. Antragsteller aus Mittelfranken, der sich mit diesem Anliegen bei der IHK meldete.

Im Gespräch mit Carolin Schweizer und Alexander Friedrich, die bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken die Antragsteller beraten, berichten Ercan Sencer und seine Frau Seda, wie das Anerkennungsverfahren verlief und wie sich die berufliche Integration in Deutschland daraufhin entwickelte.

Wie war es für Sie, nach Deutschland zu kommen? Eine neue Sprache, eine andere Kultur, eine andere Arbeitswelt?

Zunächst habe ich sieben Jahre als Reinigungskraft gearbeitet, weil ich in meinem ursprünglichen Beruf nichts gefunden habe. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, leider ohne Erfolg. Auch über die Zeitarbeit konnte ich keine passende Stelle finden. Man sagte mir, dass die Unternehmen mit meinem Abschluss aus der Türkei nichts anfangen könnten. Die ersten zwei Jahre war es daher sehr schwer für mich, beruflich Anschluss zu finden. In meinem Arbeitsumfeld als Reinigungskraft waren keine Deutschen, weshalb ich meine Sprachkenntnisse nicht verbessern konnte. Auf der anderen Seite habe ich gesehen, was andere hier erreichen können. Dadurch zweifelte ich sehr an mir und habe mich gefragt, wieso es bei mir nicht vorangeht. Ich arbeite gern und viel, meine Noten in der Türkei waren immer sehr gut.

Wie haben Sie erfahren, dass es in Deutschland die Möglichkeit der Anerkennung Ihres türkischen Berufsabschlusses gibt?

Bekannte haben mich auf das Anerkennungsverfahren aufmerksam gemacht. Sie haben mir geraten, dass ich auf jeden Fall versuchen sollte, in Deutschland in meinem erlernten Beruf unterzukommen. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, mich intensiv darum zu kümmern.

Wie waren Ihre Erfahrungen während des Anerkennungsverfahrens?

Es war für uns gar nicht so einfach, die Stelle zu finden, die für die Anerkennung meines Berufes zuständig ist. Wir haben uns bei verschiedenen Institutionen durchgefragt und sind dann schließlich bei der IHK Nürnberg gelandet. Die Beratung dort war sehr hilfreich, da es nicht einfach ist, die notwendigen Antragsunterlagen für die Anerkennung alleine richtig auszufüllen. Man wies uns darauf hin, dass wir noch einen Nachweis von meinem früheren Arbeitgeber aus der Türkei besorgen sollten. Dieses Dokument konnte ich im anschließenden Türkeiurlaub beschaffen. Wir hatten dann als Geringverdiener auch noch die Möglichkeit, die entsprechende Gebühr über den Anerkennungszuschuss zurückerstattet zu bekommen.

Wie sah dann das Ergebnis aus, das Ihnen von der Anerkennungsstelle IHK Fosa mitgeteilt wurde?

Im Herbst 2017 haben wir den Bescheid von der IHK Fosa erhalten, dass mein türkischer Ausbildungsberuf „teilweise gleichwertig“ sei mit dem entsprechenden deutschen Beruf „Industrieelektriker Fachrichtung Betriebstechnik“. Im Bescheid wurden meine Kenntnisse und Kompetenzen aufgelistet und auch bestimmt, was mir noch fehlt. In meinem Fall fehlten noch Kenntnisse im Bereich „Instandhaltung von Anlagen und Systemen“. 

Was haben Sie unternommen, um die Lücke zu schließen?

In einem Brief hat uns die IHK Nürnberg für Mittelfranken mitgeteilt, welche Möglichkeiten es gibt, um die volle Anerkennung als Industrieelektriker zu erlangen. Genannt wurden mir insbesondere die Angebote des AAU e. V. (Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer) in Nürnberg. Wir haben uns nochmals genau mit der IHK Fosa wegen der noch fehlenden Inhalte abgestimmt und so begann ich ein mehrmonatiges Praktikum bei MAN in Nürnberg. Finanziell unterstützt wurde ich in dieser Zeit durch die Agentur für Arbeit, da ich meine Arbeitsstelle als Reinigungskraft für das Praktikum aufgeben musste. 

Wie haben sich Ihre Beschäftigungsmöglichkeiten im Anschluss entwickelt?

Seit ein paar Wochen arbeite ich bei Siemens in meinem erlernten Beruf als Industrieelektriker. Den Bescheid über die teilweise Gleichwertigkeit der IHK Fosa und den Praktikumsnachweis von MAN hatte ich der Bewerbung beigelegt. Ich wurde als Fachkraft und nicht als Helfer eingestellt. Ich denke, durch den Bescheid der IHK Fosa war mein Abschluss aus der Türkei für den Arbeitgeber leichter einzuordnen. Sobald wir den Bescheid über die volle Gleichwertigkeit erhalten, werden wir diesen dem Arbeitgeber nachreichen. Ich kann das Anerkennungsverfahren deshalb nur weiterempfehlen. Gerade wenn ich mich an die vielen Absagen erinnere, die ich vorher auf meine Bewerbungen bekommen habe. Die Bescheinigungen der IHK Fosa haben mir die Chance eröffnet, mich in meinem erlernten Beruf zu beweisen. Und sprachlich kann ich mich täglich verbessern, da in meinem Arbeitsumfeld viele deutschsprachige Kollegen arbeiten.

Was hat es für Sie ganz persönlich bedeutet, den Bescheid der IHK Fosa in Händen zu halten?

Ich war in Bewerbungsgesprächen immer ohne „Papiere“ gesessen. Natürlich habe ich versucht zu erklären, was ich kann. Aber ich hielt nichts in Händen und bekam meist eine Absage. Der Bescheid von der IHK Fosa hat mein Selbstbewusstsein und mein Auftreten gegenüber den Betrieben sehr gestärkt. 

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2018, Seite 26

 
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