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Kostümverleih Richter & Gullmann

Hier werden selbst Faschingsmuffel fündig

_DSC0825 © Michael Eckstein

Kostümexpertinnen: Ursula Richter (l.) und Edith Gullmann.

Die Kostüme eines Nürnberger Geschäfts finden das ganze Jahr lang Kunden - auch bei Ministerpräsidenten.

Mit abgeschlossener Schneiderlehre fragte sich Ursula Richter Anfang der 1990er-Jahre, wohin die Reise beruflich gehen sollte: "Ich spürte so einen Pionierdrang in mir und wollte kreativ und selbstständig arbeiten." Sie erfuhr von einem kleinen Kostümverleih, der eine Nachfolgerin suchte. "Da dachte ich, das könnte passen." Ihr Bauchgefühl hat Ursula Richter nicht getäuscht: Seit 1991 hat sich ihr Kostümfundus verzehnfacht. Heute bietet der Kostümverleih Richter & Gullmann GbR über 3 000 Outfits auf rund 300 Quadratmetern im Nürnberger Stadtteil Rosenau an – Kostüme aus verschiedenen Epochen von der Antike bis zur galaktischen Zukunft der Star-Wars-Ära, "Berufskleidung" für Weihnachtsmänner, Christkinder und Osterhasen, Abendroben für Damen, Smokings, Fräcke oder Cutaways für Herren, inklusive sämtlicher Accessoires.

"Wir legen hier viel Wert auf Beratung. Unsere Stärke liegt in der Ausstattung mit liebevollen Details", erklärt Edith Gullmann, die seit 2001 als Gesellschafterin mit in das Unternehmen eingestiegen ist, nachdem sie vorher lange Designermode verkauft hat. Das schärft den Blick und die Menschenkenntnis, wenn es darum geht, den Kunden zeitweise zu einer neuen Identität zu verhelfen. "Wir nehmen uns Zeit, für jeden das Passende zu finden. Selbst Faschingsmuffel gehen bei uns lächelnd raus", erzählt Ursula Richter.

Ursula Richter und Edith Gullmann haben viele Kunden, die alle Jahre wiederkommen. Zu ihnen gehört auch der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Er ließ sich seine spektakulären Outfits für die Veitshöchheimer "Fastnacht in Franken" beim Nürnberger Kostümverleih schneidern, beispielsweise das Shrek-Kostüm oder das Marylin-Monroe-Kleid. Die zahlreichen Stammkunden sorgen für rege Mundpropaganda, sowohl analog als auch digital.

Die Begeisterung der Kundschaft ist aber hart erarbeitet, denn die Geschäftsführerinnen legen die Messlatte für Qualität sehr hoch. Die Kostüme sind entweder selbst genäht oder stammen von erstklassigen Herstellern. Die Kleidungsstücke im Stil der 50er-Jahre, der Swinging Sixties oder im Flower-Power-Look der 70er-Jahre sind teils Originale aus Nachlässen, teils "Nachbauten". Der Großteil der Gesellschaftskleidung ist "Made in Germany"; beispielsweise kommen die Fräcke und Smokings, in denen die Herren auf dem Parkett eine gute Figur abgeben, von Wilvorst, einem Marktführer für festliche Bekleidung. Qualität hat ihren Preis: Theater- und Faschingskostüme werden für 33 bis 90 Euro pro Tag bzw. Wochenende vermietet. Für historische Kostüme und Gesellschaftskleidung kostet die Ausleihe zwischen 45 und 195 Euro, Reinigung jeweils inklusive.

Mit diesem Preislevel können Ursula Richter und Edith Gullmann nicht mit Internet-Anbietern konkurrieren, die Kostüme aus Billigtextilien quasi als Einwegprodukte verscherbeln. Die beiden Inhaberinnen wollen dieses Buhlen um die "Geiz-ist-geil"-Klientel aber auch gar nicht mitmachen. Stattdessen setzen sie auf hochwertiges Material und individuellen Service.

Diese Eigenschaften sind zeitlos, während die Favoriten bei den Kostümen immer wieder wechseln. Aktuell sind bei Motto-Partys die 1920er-Jahre schwer angesagt, der Serie "Babylon Berlin" sei Dank. Generell seien Filme häufig der Auslöser für Verkleidungstrends, weiß Ursula Richter. An den schier endlosen Kleiderstangen des Kostümverleihs hängen unter anderem Disney-Figuren und Star-Trek-Uniformen. Außerdem gibt es die Klassiker im Verkleidungsrepertoire wie die Looks von Piraten oder den drei Musketieren.

Kostüme als Ganzjahresgeschäft

Das Ausstaffieren der Kunden mit Faschingskostümen und Abendgarderobe ist ein Ganzjahresgeschäft, obwohl Fasching für Ursula Richter, Edith Gullmann und ihre drei Mitarbeiterinnen die geschäftigste Zeit des Jahres ist. Vor dem Opernball ist das Team ebenfalls ziemlich im Stress, Langeweile kommt nie auf: "Es kostet viel Zeit, alles in Schuss zu halten", versichert Ursula Richter.

Die beiden Inhaberinnen öffnen ihren Kostümverleih auch für ganz besondere Junggesellinnenabschiede. Es gibt Unterstützung beim Styling, Sekt oder Champagner und Gelegenheit, sich von einem Profi-Fotografen ablichten zu lassen. Verkleiden samt Fotoshooting wird auch als Event von kleineren Unternehmen bzw. von Abteilungen gebucht. Firmen greifen auch bei anderen Gelegenheiten auf den Kostümfundus im Rückgebäude in der Solgerstraße zurück: Im Herbst statteten Edith Gullmann und Ursula Richter ein ganzes Team mit dem stilechten "Gwand" für den Ausflug auf die "Wiesn" aus. Und wenn ein Ritteressen im Kollegenkreis geplant ist, verwandeln sich die Teilnehmer vorab in Burgfräuleins, Höflinge und Knappen. Als Dienstleistung für Unternehmen bietet der Kostümverleih den sogenannten Kostümbau an. Dabei werden zum Beispiel für Messeauftritte individuelle Kostüme geschneidert.

So richtig zufrieden mit ihrer Arbeit sind Edith Gullmann und Ursula Richter, wenn ihre Kundinnen und Kunden aus der Umkleidekabine kommen und sich strahlend vor dem Spiegel drehen: "Wir wollen jede und jeden mit unseren Kostümen von seiner schönsten Seite zeigen", betonen die beiden unisono. Ihnen sei es extrem wichtig, nicht nur Bekleidung für Model-Maße anzubieten. "Manchmal rufen Frauen total frustriert an, weil sie keine Abendkleider in großen Größen finden. Da hören wir am Telefon oft den Satz ‚Sie werden ja wahrscheinlich nichts für mich haben …‘", erzählt Ursula Richter. "Diese Kundinnen sind dann total glücklich, wenn sie in einem tollen Abendkleid aus der Kabine kommen."

Autor: 

aw.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 01|2019, Seite 64

 
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