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Der Beck

Der Weggla-Riese

GF Der Beck - 1 - Foto Greiner © Udo Greiner

Die Geschäftsführung: Moshir Karimi, Dominik Beck, Petra Beck und Siegfried Beck (v. l.)

Das Erlanger Unternehmen gehört zu den 30 größten Backwaren-Filialisten in Deutschland und hat dafür seine ganz eigenen Erfolgsrezepte.

Es begann einst mit der 1895 gegründeten Bäckerei Ziegler in Tennenlohe. Aus dieser entstand „Der Beck“ in Erlangen, einer der größten Gastrobetriebe in Deutschland, und die Inhaberfamilie Beck baut das Unternehmen weiter aus: Es verzeichnet jährlich wachsende Umsatzzahlen, zuletzt 87 Mio. Euro im Jahr und betreibt rund 150 Filialen mit inzwischen 1 550 Beschäftigten, davon 1 250 im Verkauf und 88 als Bäcker. Der Erlanger Großbetrieb setzt mit seinen Filialen sowie der Marke „Casa Pane“ in Nürnberg, Erlangen und Fürth und demnächst Forchheim allein 28 Mio. Euro um. Zusätzliche drei Mio. generieren sieben Standorte der Tochterfirma „Mr. Bleck Coffeeshop“.

Der Warenumschlag ist enorm: Pro Stunde können 6 300 Brezen produziert werden, täglich 92 500 Semmeln und 59 000 Teile Kleingebäck, allein am Faschingsdienstag 150 000 Krapfen. 27 000 Brote in bis zu 28 verschiedenen Sorten – vom fränkischen Bauernlaib bis zum Bamberger Rustikus, vom Dinkelvollkorn- bis zum Roggen-Buchweizenbrot, vom Ciabatta bis zum dänischen Kernebröd, vom Nussknacker bis zum Gassenhauer, vom Walliser Dinkelwurz bis zum Käsefreund mit Aprikosen. Diese und andere Sorten wurden jeweils bei sogenannten „Genussaktionen“ angeboten, um die Resonanz bei den Kunden zu testen. Die Backwaren werden von der Lkw-Flotte über 25 Touren in die Filialen gebracht – dazu selbstproduziertes Eis, Zutaten für das Snack-Angebot sowie Getränke. Das Bäckereiunternehmen wartet immer wieder mit Innovationen auf. So versucht es sich ständig an neuen Produkten und greift Geschmackstrends auf, z. B. Bagels oder Muffins. Siegfried Beck weiß um die Vorbehalte gegenüber Fließbandprodukten, pocht aber gerade deswegen auf Qualität. Denn bei großen Mengen ließen sich Gewürze, Körner, Mehlanteile und Backzeiten am besten ausbalancieren. „Ein Bäcker muss gut, ehrlich und konsequent sein, dann kommt er auch weiter“, sagt der Geschäftsführer. „Und du musst immer einen Schritt schneller laufen, um vorne zu bleiben.“ 

Immer Neues ausprobieren

Einer der „Schrittmacher“ ist Brotsommelier Harald Pommer, der seit zwei Jahren von der Geschichte des Brotes erzählt, in die Geheimnisse der Herstellung einweiht, Degustationen mit Käse von „Maître Affineur“ Volker Waltmann sowie mit Rot- und Weißweinen veranstaltet. Brot lässt sich erleben, erschmecken und erriechen, auch mit Schinken und Bier. Die Kulinarik-Seminare mit dem Sommelier sind ebenso beliebt wie die Führungen durch die Produktion mit Schulklassen und Erwachsenengruppen. „Wenn der Betrieb nicht sauber wäre, würden wir das nicht machen können“, betont Siegfried Beck, der 28 Jahre lang als Kreishandwerksmeister bzw. dessen Stellvertreter das Handwerk an vorderster Front vertreten hat. Er weiß den Trend zur Größe richtig einzuschätzen: „Das Gestern ist vorbei. Und den Kunden kann niemand ändern“, sagt er. „Wer ihn halten will, muss eben etwas anbieten, was ihm besser schmeckt und gefällt als anderswo.“ Ein Bäcker müsse sich mit seiner eigenen Premium-Qualität vom Supermarkt bzw. Discounter absetzen und auch die Möglichkeit bieten, nach dem Einkauf ein Café-Erlebnis zu genießen, erklärt Beck. Sein Betrieb verarbeitet übrigens 80 Tonnen Kaffee im Jahr.

Drei bis sechs Filialen werden pro Jahr geschlossen – und an anderen Standorten, wo sich Chancen etwa durch Neubaugebiete ergeben, wieder eröffnet. Gutes Scouting macht sich da bezahlt – vergleichbar mit Fußballvereinen. Apropos Sport: „Der Beck“ unterstützt die SpVgg Greuther Fürth, den Erlanger Handball-Club, die IceTigers sowie den Erlanger Inklusionsdienst „Access“, bei dem sich Ehefrau Petra und Sohn Dominik Beck als Beiratsmitglieder engagieren und den das Unternehmen mit Arbeitsplätzen für Behinderte unterstützt. Weitere von der Bäckerei geförderte Projekte sind das Therapiereiten („Leila“) für behinderte Kinder in Röthenbach bei Altdorf, eine offene Fahrradwerkstatt („Beckwheel“) mit dem Don-Bosco-Jugendwerk Nürnberg für Jugendliche und das Palliativteam der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen. 

Gesellschaftliches Engagement 

Mit der „Der-Beck-Kinderfonds-Stiftung“, die 1998 gegründet und in Erinnerung an den 2017 tödlich verunglückten Sohn der Familie in „Alexander-Beck-Kinderfonds-Stiftung“ umbenannt wurde, wird Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise Hilfe zuteil. „Soziales Handeln verankern wir im Unternehmen – so wie das Handwerk in der Gesellschaft verankert ist“, sagt Petra Beck über dieses umfangreiche Engagement. Da ist es nicht verwunderlich, dass Siegfried Beck schon das Bundesverdienstkreuz erhielt und Petra Beck den Ehrenbrief der Stadt Erlangen. Außerdem gingen bereits der Marketing-Oscar vom Marketing-Club Nürnberg und der „Service-König“ vom Magazin „Focus“ an das Unternehmen, ebenso der „Große Preis des Mittelstands“ der Leipziger Patzelt-Stiftung und dreizehn Mal das Urteil „Sehr gut“ bei den Qualitätstests 2018 und 2019 des Deutschen Brotinstituts. Auch beim Marketing bleibt der Großbäcker auf Trab, beispielsweise mit Werbeauftritten und Sponsoring-Aktivitäten für Kultureinrichtungen, die auf Brötchentüten beworben werden.

Das Unternehmen führt seinen Erfolg auch auf sein Umweltengagement zurück. Auch der bayerische Umwelt- und Verbraucherminister Thorsten Glauber beurteilte dieses bei einem Firmenbesuch im Sommer positiv. Geschäftsführer Siegfried Beck hat dabei die neueste Maßnahme präsentiert: den Verzicht auf Vinylhandschuhe beim Verkauf und in der Produktion. Damit werden nicht nur etwa 20 Tonnen des schlecht wiederverwertbaren Kunststoffs pro Jahr eingespart, sondern auch – was im ersten Moment überraschen mag – der Hygienestandard verbessert. Denn beim Verkauf werden die Produkte nicht mit bloßen Händen angefasst, sondern immer Hilfsmittel verwendet, z. B. eine Gebäckzange oder eine Serviette bei Imbissprodukten. In Zusammenarbeit mit der Lebensmittelüberwachung wurden Tests durchgeführt, um richtiges Händewaschen zu schulen und zu kontrollieren. 

Der umfangreiche Nachhaltigkeitsbericht 2019 gibt Auskunft über mannigfaltige Bemühungen, z. B.  beim Verpackungsmaterial, wie Siegfried Beck versichert. Unterteile von Salatschalen sind kompostierbar, für die Herstellung der Oberteile werden PET-Flaschen recycelt, Pappteller zum Einpacken von Kuchen stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und das Papier für die Gebäcktüten ist aus Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft hergestellt. Beim Einkauf der Rohstoffe wird auf Regionalität geachtet, was Wege verkürzt und Verpackungen reduziert: Das Mehl liefern Mühlen aus Pommersfelden und Scheinfeld, Konfitüren kommen aus Haßfurt, Fruchtsäfte aus Feucht, Gemüse und Salate aus dem Knoblauchsland, 11 000 täglich in der Backstube frisch aufgeschlagene Eier von freilaufenden Hühnern aus Kleinweisach und die Wurst von Traditionsmetzgern aus Bamberg, Dietenhofen und Grafenwöhr – für alle Kunden nachprüfbar.

Vielfältige Umweltmaßnahmen

Übriggebliebenes Brot und Gebäck liefert „Der Beck“ u. a. an zehn Tafeln, Projekte der Obdachlosenhilfe sowie Mudra Nürnberg, Laufer Mühle und Caritas. Zudem werden in der Filiale in der Erlanger Gebbertstraße hygienisch einwandfreie Backwaren vom Vortag mit 50 Prozent Rabatt verkauft. Der Rest dient als Futtermittel bzw. zur Energieerzeugung in einer Biogasanlage. „Jeder Produktionsabfall ist Geld wert und wird weiterverwertet“, sagt Beck. Auch sonst unternimmt der Großbäcker zahlreiche Aktivitäten im Bereich Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Rohstoffeinsparung: Dazu gehören Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Backstube und mehrerer Filialen, ein 2014 erbautes 380-Kilowatt-Blockheizkraftwerk und eine mit zwei Mio. Euro Investitionskosten eingerichtete Korbspülanlage, die für die Reinigung der 25 000 Brotkörbe nur noch ein Drittel der bisher benötigten Energie verbraucht. Hinzu kommt ein elektrischer Streetscooter-Lieferwagen und die finanzielle Förderung der Beschäftigten, wenn sie mit einem E-Bike zur Arbeit kommen. Und nicht zuletzt sorgen allein sechs angestellte Qualitätsbeauftragte in der Zentrale und in den Filialen dafür, dass alle Ziele, die sich das Unternehmen gesteckt hat, auch erfüllt werden.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2019, Seite 70

 
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