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Feser-Graf-Gruppe

Auto-gene Unternehmer

Feser-Graf © Thomas Tjiang

Unternehmer Uwe Feser (l.) und Holding-Geschäftsführer Markus Kugler mit der Ducati Superleggera im Eingang der neuen Verwaltungszentrale.

Das Nürnberger Unternehmen verzeichnet trotz der Umbrüche auf dem Automobilmarkt eine robuste Geschäftsentwicklung.

Die Nürnberger Feser, Graf & Co. Automobil Holding GmbH setzt auch in Corona-Zeiten auf weiteres Wachstum. Im März übernahm die Feser-Graf-Gruppe den Fürther Ducati-Betrieb der Braun & Eschenbacher Exklusiv Motorrad GmbH mit allen Beschäftigten. Die vor 30 Jahren gegründete Firma ist auf die Motorradmarke spezialisiert. Zuletzt wurden jährlich über 100 neue Motorräder verkauft und Kunden aus ganz Bayern betreut. Verkauf, Service und Zubehörvertrieb finden sich nun unter dem neuen Dach Feser Zweirad GmbH - Ducati Nürnberg. Damit wächst das Markenportfolio der Feser-Graf-Gruppe auf 13 Marken an.

Das Familienunternehmen ist Partner des Automobilherstellers VW und führt die Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Porsche (Service), Seat, die Seat-Tochter Cupra, Skoda und den Sportwagenhersteller Lamborghini sowie Ducati. Hinzu kommen Jaguar und Land Rover der indischen Tata Motors sowie Renault und Dacia. 2020 verkaufte die Gruppe rund 65 000 Fahrzeuge. Damit sieht sich Feser bundesweit als Nummer drei unter den Autohäusern. Innerhalb des Volkswagen-Konzerns belegt Feser-Graf im Autohaus-Ranking den zweiten Platz.

Gesellschafter Uwe Feser ist stolz auf den Zuwachs. Aktuell findet sich das wertvollste Ducati-Modell, eine rote Superleggera mit 234 PS, im Eingang der neuen Verwaltungszentrale der Feser-Graf Gruppe in der Nürnberger Südstadt. Der fünfstöckige Neubau für rund sieben Mio. Euro wurde im letzten September fertiggestellt und bietet Platz für 75 Büroarbeitsplätze, einen Versammlungs- und Veranstaltungsraum für die Beschäftigten sowie ein Auslieferungs- und Aufbereitungszentrum des angrenzenden Auto-Zentrums Nürnberg von Feser.

Ursprünglich in Sachsen-Anhalt

Uwe Feser ist Enkel der Firmengründer Walter und Charlotte Feser, die 1929 eine Motorradwerkstatt in Bernburg in Sachsen-Anhalt gründeten. Dort befinden sich noch heute zwei große Autohäuser der Feser-Graf-Gruppe. 1960 siedelte die Familie Feser nach Schwabach um und eröffnete einen VW-Betrieb. Die bisherigen Konsolidierungswellen in der Autohausbranche hat das Unternehmen gut überstanden. Die Weichen dazu hat Feser schon im Jahr 2000 gestellt: Aus dem Zusammenschluss des Nürnberger Betriebes an der Nopitschstraße, dem Fürther Graf-Betrieb sowie dem Schwabacher Haus entstand die Feser-Graf-Gruppe. Uwe Feser kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als allein in Nürnberg und Fürth 17 eigenständige Markenhändler um die Kundengunst buhlten. Heute finde man keine Handvoll VW-Händler mehr. Auf die Fusion zur Feser-Graf-Gruppe im Jahr 2000 folgten in den darauffolgenden Jahren fast im Jahrestakt neue Standorte oder Übernahmen. Zu den aktuellen Bauprojekten gehören der Neubau eines Betriebs für Fahrzeuge von Jaguar Land Rover am Nürnberger Tillypark, ein neuer Gebrauchtwagenplatz für Audi-Fahrzeuge an der Nopitschstraße im Nürnberger Süden sowie die Planung eines Flagship-Stores von Ducati in Nürnberg.

Zufrieden kann Feser auch mit der Entwicklung seines Geschäfts insgesamt sein: Im abgelaufenen Jahr stieg der Gruppenumsatz leicht auf 1,4 Mrd. Euro. Die Zahl der Beschäftigten in der Metropolregion Nürnberg und in Sachsen-Anhalt beläuft sich auf über 2 000 – davon 420 Azubis in insgesamt acht verschiedenen Ausbildungsberufen. Feser-Graf ist bundesweit mit 50 Markenstandorten präsent. In Mittelfranken befinden sich die Autohäuser in Bergoberbach bei Ansbach, Erlangen, Fürth, Herzogenaurach, Höchstadt, Lauf a. d. Pegnitz, Nürnberg, Roth und Schwabach. In Sachsen-Anhalt zeigt man in Bernburg und Magdeburg Flagge.

Flottenmanagement für Großkunden

Den robusten Geschäftsverlauf begründet Feser mit seiner Vertriebsstruktur: Rund jedes zweite Fahrzeug geht in die Fuhrparks von Großabnehmern, darunter auch zahlreiche Dax-Unternehmen. Mit seinem breiten Markenangebot könne Feser-Graf sämtliche Wünsche an Ausstattung und Fahrzeuggröße aus einer Hand bedienen, bis hin zu Transportern. Zu den Großabnehmern gehört auch das Fuhrparkmanagement für bayerische Behörden: Im Auftrag von Volkswagen betreuen die Nürnberger die Dienstfahrzeugflotten von Behörden, Kommunen und Staatsregierung.

Das Gebrauchtwagengeschäft mit Privatkunden läuft neben dem stationären Handel zunehmend online ab. Tendenziell sieht Firmenchef Feser in diesem Segment zwei Trends: Zum einen leisteten sich Kunden durch die Corona-bedingt entfallenden Urlaubsreisen sowie Kultur- und Freizeitausgaben gern ein größeres Auto oder bessere Ausstattungen. "Die Privatkunden investieren in Sachwerte", beobachtet Feser insbesondere seit letztem Sommer. Zum anderen sieht er bei der jungen Generation ein verändertes Kaufverhalten. Sie suche online nach bestimmten Kriterien und entscheide sich dann preisbewusst. "Für junge Menschen hat das Auto in der heutigen Zeit einen nicht mehr so hohen Stellenwert." Das klassische Stammkundengeschäft werde weniger.

Der Zukunft sieht Feser entspannt entgegen. Der Wandel hin zu Hybrid-, Elektro- oder Wasserstoffantrieben mache ihm keine Angst: "Mobilität wird es immer geben." Selbst wenn die Fahrleistung bei den Flotten der Großkunden durch digitale Meetings kontinuierlich abnehme: Ganz ohne Auto gehe es eben nicht. In den Betrieben von Feser-Graf habe man für den Umstieg auf die neuen Antriebsarten umfangreich in Ladeinfrastrukturen und Werkstätten investiert sowie Mitarbeiter im Verkauf und Service geschult.

Generationswechsel eingeleitet

Auch beim Thema Nachfolge ist Uwe Feser auf den Wandel eingestellt, der Generationswechsel ist auf den Weg gebracht: Sowohl die Kinder von Uwe Feser als auch von Wilhelm Graf sind in dem Familienunternehmen aktiv. Feser hat auch seine Hausaufgaben als Mittelständler gemacht: "Wir sind weder von Banken noch von einzelnen Kunden abhängig." Kein Abnehmer stehe für mehr als fünf Prozent des Umsatzes. Als Erfolgsrezept nennt er Bodenständigkeit, Weitsicht, Unabhängigkeit und die Fähigkeit, Risiken vernünftig abwägen. Außerdem sei es Teil der Führungskultur, dass Markus Kugler und Till Heinrich, die zur Geschäftsführung der Holding gehören, seit 2015 Verantwortung an die vielen Standorte übertragen. Gleichzeitig achte Uwe Feser darauf, einen fairen und partnerschaftlichen Umgang als Teil der Unternehmenskultur zu pflegen.

"Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt", bilanziert der Unternehmer. Daher hat er schon 2005 die Uwe-Feser-Kinderstiftung gegründet. Sie will auch in diesen schwierigen Zeiten auf die Not von Kindern in Deutschland und hier im Raum Nürnberg hinweisen. In den letzten Jahren flossen über 330 000 Euro an 90 Projekte diverser Einrichtungen und an Bedürftige.

Autor: 

(tt.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 04|2021, Seite 78

 
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