Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Die flimmernde Welt der Ilse Kubaschewski und des Gloria Films
Der Geruch von Popcorn liegt in der Luft, das Licht erlischt, der Film beginnt. Kino ist weit mehr als das bloße Ansehen bewegter Bilder. Es ist ein Erlebnis, ein soziales Ritual und ein Lebensgefühl mit eigener Magie. Auch wenn das Kino durch Fernsehen und Streamingdienste stark unter Druck gerät, bleiben gemeinsame Kinobesuche mit Freunden, Familie oder Partnern ein besonderes Ereignis.
Die bayerische und westdeutsche Kino- und Filmlandschaft der Nachkriegsjahrzehnte wurde kaum von einer anderen Persönlichkeit so nachhaltig geprägt wie von der Unternehmerin Ilse Kubaschewski (1907–2001). Die Filmproduzentin und Kinobetreiberin baute mit der in München ansässigen Gloria Film eines der erfolgreichsten Unternehmen der deutschen Filmwirtschaft auf.
Neben dem 1949 gegründeten Filmverleih produzierte die Gloria Film ab den frühen 1950er Jahren auch eigene Filme. Kinofilme wie Die Trapp-Familie (1956) oder die Verfilmung der Romantrilogie 08/15 (1954/55) avancierten zu Publikumslieblingen. Kubaschewski setzte bei ihren Filmen inhaltlich vor allem auf leichte, unproblematische Unterhaltung, investierte ihre Gewinne jedoch auch in anspruchsvollere Kulturfilme.
In den 1950er und 1960er Jahren zählte die international tätige Gloria Film mit einem Jahresumsatz von rund 20 Mio. D-Mark zu den rentabelsten Unternehmen der deutschen Filmbranche. Darüber hinaus war das Unternehmen an internationalen Koproduktionen beteiligt, darunter am Historiendrama Ludwig II. (1973) des italienischen Regisseurs Luchino Visconti sowie an der italienisch-französisch-deutschen Angélique-Reihe. Neben Filmproduktion und -verleih beeinflussten Ilse Kubaschewski und die Gloria Film zudem das gesellschaftliche Leben Münchens. Der Gloria-Filmpalast am Stachus wurde zu einem zentralen Ort der Kinokultur und zu einem Treffpunkt nationaler und internationaler Filmstars. Filmgalas, Premieren sowie Tanzbälle sorgten für große mediale Aufmerksamkeit und sicherten Ilse Kubaschewski regelmäßige Schlagzeilen in der Boulevardpresse. 1973 verkaufte Ilse Kubaschewski den Großteil ihrer Unternehmensbeteiligungen im Filmverleih und konzentrierte sich fortan vor allem auf den Betrieb des Gloria-Filmpalasts. 2001 verstarb die Grande Dame des deutschen Nachkriegsfilms, deren Name heute trotz ihres unternehmerischen und kulturellen Renommees nur noch wenigen bekannt ist.
Der Gloria-Film-Bestand im BWA umfasst eine umfangreiche Fotosammlung, Filmprogramme, einzelne Filme sowie Geschäfts- und Produktionsunterlagen, die Einblicke in das Unternehmen Gloria Film und in das Leben der Unternehmerin Ilse Kubaschewski ermöglichen.
Autor: Benedikt Martin Ertl, Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs
Webcode: N1954