Wirtschaft im geopolitischen Gegenwind
IHK-Konjunkturklima im Frühjahr 2026: Sorge um steigende Energiepreise würgt leichten Aufwärtstrend ab
- Geschäftslage: Geschäftslage wenig verändert, Aufatmen in Industrie und Bau, Nachfrageausfälle in verbrauchernahen Sektoren
- Geschäftserwartungen: Zusätzliche Kostenbelastungen durch hohe Energie- und Rohstoffpreise trüben Erwartungen ein, aber Industrie setzt auf Auftragsplus
- Investitionsklima: Kaum positive Impulse für Investitionen
- Beschäftigung: Personalplanungen bleiben höchst zurückhaltend
- Ohne Impulse für niedrigere Kosten droht anhaltende Stagnation
- Weitergabe gestiegener Energie- und Rohstoffpreise lässt Preisniveau steigen
- Stagflations-Szenario nährt Zweifel an nachhaltigem Aufschwung
Ein durchgreifender Aufschwung bleibt aus: Der Stellenabbau geht weiter und die Unternehmen investieren wenig
Die mittelfränkische Wirtschaft meldet zwar eine nochmals leicht verbesserte Lage, rechnet aber mit geopolitischem Gegenwind und hofft weiter vergeblich auf wirtschaftspolitischen Rückenwind. Die Geschäftserwartungen drehen wieder ins Minus, Investitionspläne werden auf Eis gelegt, und die Belegschaften werden auch mit Blick auf gestiegene Arbeitskosten weiter verringert. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken.
Nach kurzer Aufhellung zu Jahresbeginn fällt der IHK-Konjunkturklimaindex im Frühjahr 2026 wieder unter die 100-Punkte-Schwelle auf einen Wert von 98,3 Indexpunkte (minus 3,7). Dem Index zugrunde liegen die Urteile der Befragten zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate.
Geschäftslage und -erwartungen
Von den 203 Teilnehmenden an der Umfrage im Frühjahr 2026 schätzen 28 Prozent ihre Lage als gut ein, 24 Prozent als schlecht, 48 Prozent sehen sie befriedigend. Der Saldo aus gut- und schlecht-Urteilen liegt mit +4 Prozentpunkten um 2 Punkte höher als zu Jahresbeginn 2026 und sogar um 12 Punkte höher als im Herbst 2025, aber um 10 Punkte niedriger als vor zwei Jahren. Die Frage nach den Geschäftserwartungen beantworten 20 Prozent der Befragten im Frühjahr 2026 mit Zuversicht, 53 Prozent erwarten keine Veränderung und 27 Prozent eine Verschlechterung. Der Rückgang des Saldos von +2 auf -7 Punkte im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 geht nahezu ausschließlich auf den Anstieg der Pessimisten-Anteils um 8 Prozentpunkte zurück. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt mit -7 wieder genau auf dem gleichen Wert wie schon vor zwei Jahren im Frühjahr 2024. Zugleich endet nun die Aufhellung der Stimmung, die zwischen Anfang letzten Jahres (Saldo - 18 Punkte) und Jahresbeginn 2026 (Saldo +2) bei den mittelfränkischen Unternehmen zu beobachten war.
Investitionen und Beschäftigung
Geschäftserwartungen bilden die Grundlage für die Investitions- und Beschäftigungspläne der Befragten. Auf den ersten Blick überraschen mag daher der leicht gewachsene Anteil der mittelfränkischen Betriebe, die höhere Investitionen als zu Jahresbeginn planen (22 nach 21 Prozent), während zugleich nur noch 19 Prozent (nach 24 zu Jahresbeginn) mit niedrigeren Investitionsbudgets planen. So erreicht der Saldo aus „mehr“- und „weniger“-Planungen einen Wert von +3 Prozentpunkten und damit einen Anstieg um sechs Punkte gegenüber den beiden vorherigen Umfragen.
Erklärbar wird dieses Ergebnis, wenn man die vierte Antwortoption zu dieser Frage betrachtet, nämlich „keine Investitionen geplant“. Diese Antwortoption wählt im Frühjahr 2026 jeder fünfte Betrieb. Der Anteil der Antwortenden ohne jegliche Investitionsabsichten ist damit um 6 Prozentpunkte (von 14 auf 20 Prozent) gestiegen und prägt damit entscheidend das Bild einer verstärkten Investitionszurückhaltung der mittelfränkischen Unternehmen. Korrespondierend dazu verharren die Beschäftigungsplanungen bei -13 Prozentpunkten. Während 12 Prozent der Befragten wachsende Beschäftigtenzahlen anstreben, erwartet jeder vierte Betrieb sinkende Belegschaften. Dies gilt trotz Auftragszuwächsen auch für die Industrie, wo ein überdurchschnittlicher Saldo von -21 anzeigt, dass der Beschäftigungsabbau des Verarbeitenden Gewerbes in Mittelfranken auch deutliche strukturelle Ursachen aufweist.
Entwicklung nach Wirtschaftssektoren
Dank einer verbesserten Auftragslage kann sich der Teilindex des IHK-Konjunkturklimas für die mittelfränkische Industrie um gut 5 Punkte auf 101,2 weiter verbessern und sich damit sogar vor dem Gesamtindex von 98,3 Punkten positionieren. Bauwirtschaft (86,3 Indexpunkte) und unternehmensnahe Dienstleistungen (113,5 Indexpunkte) verlieren wie schon zu Jahresbeginn nochmals leicht an Fahrt.
Die im Zuge des Iran-Konflikts bereits spürbar höheren Preise an den Tankstellen sowie für Rohstoffe und Lebensmittel belasten insbesondere die verbrauchernahen Dienstleistungen einschließlich Gastgewerbe (97,7 Indexpunkte) und den Handel (80,2 Indexpunkte). In diesen Branchen mit oft geringen Margen ist der Druck besonders hoch, die gestiegenen Preise an die Verbraucher weiterzugeben – auch im Bewusstsein, dass dies die Nachfrage der Konsumenten schon jetzt dämpft und im Jahresverlauf weiter bremsen wird. Ebenfalls in den Geschäftserwartungen präsent ist die Sorge, dass zur Stabilisierung des Preisniveaus Zinserhöhungen drohen, die wiederum in allen Branchen Bremswirkungen für Nachfrage, Investitionen und Beschäftigung haben würden.
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
Nachvollziehbar werden die Einschätzungen und Planungen der mittelfränkischen Unternehmen anhand der Beurteilung von Geschäftsrisiken:
- Seit über einem Jahr bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (64 Prozent Zustimmung) und die hohen Arbeitskosten (62 Prozent) in Deutschland sowie die schwache Inlandsnachfrage (62 Prozent) auf den vorderen Plätzen, wenn die mittelfränkischen Betrieben nach den größten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung gefragt werden.
- Mit 70 Prozent der Nennungen fürchten im Frühjahr 2026 sogar etwas mehr als zwei Drittel der Befragten das Risiko hoher Energie- und Rohstoffpreise. Diese Sorge hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in der zweiten Jahreshälfte 2022 mit Zustimmungswerten bis über 80 Prozent bereits höchste Priorität. Nach der Preisberuhigung konnte die Einschätzung als Risiko für die betriebliche Entwicklung seither sinken, sogar auf nur noch 38 Prozent Zustimmung zu Beginn des Jahres 2026. Auslöser für das erneute Aufflammen dieser Sorgen im Frühjahr 2026 mit dem sprunghaften Anstieg der Risikoeinschätzung von 38 auf 70 Prozent innerhalb weniger Wochen ist der Iran-Konflikt, in dessen Gefolge sich die Inflation in Deutschland bereits der 3-Prozent-Marke genähert hat.
- Ein neues Fünf-Jahres-Hoch hat mit 24 Prozent Zustimmung die Entwicklung der Auslandsnachfrage erreicht. Steigende Faktorkosten (Energie, Arbeit, bei steigendem Zinsniveau ggf. auch Kapital) können die Preise für deutsche Waren im Außenhandel erhöhen und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit sinken lassen.
- Im Vergleich zu den Sorgen um Nachfrage- und Preisentwicklungen rücken Fachkräftemangel (36 Prozent), Finanzierung (16 Prozent) und Wechselkurse (4 Prozent) als potenzielle Risiken in den Hintergrund.
Ausblick
Geopolitische Herausforderungen wie der Iran-Konflikt oder die Sorge vor nochmals höheren Zöllen drohen die im ersten Quartal 2026 sichtbare leichte Erholung der deutschen Wirtschaft nun im Keim zu ersticken. Die mittelfränkischen Unternehmen befürchten ein Szenario mit höheren Inflationsraten und geringerem Wachstum. Die seit langem erhofften Verbesserungen wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen schlagen sich in den Urteilen und Erwartungen der mittelfränkischen Unternehmen im Frühjahr 2026 noch nicht nieder.
„Ohne wirtschaftspolitische Impulse bleibt die Wirtschaft in Wartestellung“, fürchtet IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann. „Wenn wir das Wachstum stärken und zugleich die Preise stabil halten wollen, müssen wir die Angebotsseite stärken: Produktivität rauf, Hemmnisse runter. Wir brauchen endlich wieder international wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten und müssen durch weniger Steuern und Bürokratie den staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft zurückfahren.“
Mehr zu den Ergebnissen finden Sie auch in unserer Pressemitteilung oder auf unseren Seiten zum IHK-Konjunkturklima.
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