"Wirtschaft mit Werten" am 27. Juli 2026
Wirtschaft mit Werten – Unternehmen zwischen Markt, Gesellschaft & Demokratie
Am 27. Juli 2026 lud die IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Abendveranstaltung „Wirtschaft mit Werten – Unternehmen zwischen Markt, Gesellschaft & Demokratie" ins Atrium am Hauptmarkt ein. Rund 120 Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten gemeinsam die Frage, welche Verantwortung Unternehmen in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung übernehmen können – und wo deren Grenzen liegen.
Eröffnung: Verantwortung beginnt im Betrieb
IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch eröffnete den Abend mit einem Blick auf das Leitbild der Ehrbaren Kaufleute – und den gesetzlichen Auftrag der IHK, für die Wahrung von Anstand und Sitte zu wirken. Er betonte, dass unternehmerische Verantwortung nicht abstrakt beginne, sondern konkret: in der Art der Führung, im Umgang mit Widerspruch, im gelebten Respekt innerhalb der Belegschaft.
„Unternehmen sind Orte gelebter Gesellschaft. Wie das Miteinander dort gelingt, ist wirtschaftlich relevant – und es prägt unsere demokratische Kultur", so Lötzsch. Dabei verwies er auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, die intermediären Akteuren wie Kammern eine Schlüsselrolle zuschreibt: Sie sollen Unternehmen Orientierung, Austauschformate und praxisnahe Hilfen bieten. „Unser Beitrag besteht nicht darin, fertige Antworten zu verteilen. Unser Beitrag besteht darin, Fragen sichtbar zu machen und gemeinsames Lernen zu ermöglichen."
Keynote: Warum Unternehmen die Demokratie schützen sollten
Den inhaltlichen Impuls lieferte Prof. Dr. Markus Scholz, Professor für Betriebswirtschaftslehre (insb. Responsible Management) an der TU Dresden und Autor des Buches „Wirtschaft mit Werten". In seiner Keynote legte er dar, warum Unternehmen nicht nur gute Gründe haben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – sondern auch, warum Neutralität in Zeiten wachsenden Populismus zunehmend riskant werde. Populismus bewege sich vordergründig innerhalb der Spielregeln liberaldemokratischer Systeme, untergrabe diese jedoch langfristig. Unternehmerische Zurückhaltung könne daher als stille Komplizenschaft wahrgenommen werden.
Podiumsdiskussion: Verantwortung in der Praxis
Im Anschluss diskutierten fünf Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik unter der Moderation von Uwe Ritzer (Süddeutsche Zeitung) über die Leitfrage des Abends. Auf dem Podium: Anna Theil (More in Common), Dr. Christiane Nischler-Leibl (Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales), Susanne Lang (MEKRA Lang GmbH & Co. KG), Jan Niehuis (Siemens AG) und Prof. Dr. Markus Scholz (TU Dresden).
Die Diskussion machte deutlich, dass die Erwartungen an Unternehmen je nach Perspektive sehr unterschiedlich ausfallen – und dass die Frage nach dem „Wie" des Engagements mindestens so wichtig ist wie die nach dem „Ob". Zwischen regionaler Verwurzelung und globaler Konzernverantwortung, zwischen politischer Haltung und wirtschaftlicher Neutralität zogen sich die Spannungslinien eines lebhaften Gesprächs.
Get Together und Werte-Talks
Zum Abschluss luden Werte-Talks an Stehtischen dazu ein, den Diskurs fortzuführen. An sechs Tischen diskutierten die Teilnehmenden zu Fragen rund um Haltung, Verantwortung, Vertrauen und gesellschaftliche Polarisierung im Unternehmensalltag. An der Kartenwand hielten sie fest, was sie an diesem Abend besonders bewegt und Mut gemacht hatte.
Die IHK Nürnberg für Mittelfranken möchte den vertrauensvollen Dialog fortsetzen und den Raum dafür schaffen. Denn „Wirtschaft mit Werten ist kein Zustand, den man einmal erreicht. Sie ist eine Haltung, die sich in Entscheidungen bewähren muss - und die vom Dialog lebt“, so Lötzsch. Nach der Auswertung der Rückmeldung der Teilnehmenden informiert sie über Folgeformate.
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