Versicherer wird Teil der österreichischen VIG
Nach einer Phase mit hohem Konzernverlust wird die Nürnberger von der Vienna Insurance Group (VIG) übernommen.
Der Nürnberger Traditionsversicherer mit seiner 141-jährigen Firmengeschichte hatte eine schwierige Phase zu bestehen, die er nun mit der Übernahme durch die VIG abschließen konnte. Noch im Jahr 2024 sah sich die Nürnberger, die vom Vorstandsvorsitzenden Harald Rosenberger geführt wird, mit signifikanten Belastungen konfrontiert: Ausgewiesen wurde ein Konzernverlust von 77 Mio. Euro – vor allem getrieben durch hohe Schäden in der Kfz- und Gebäudeversicherung sowie die Kosten einer notwendigen Transformation. Deshalb initiierte der Vorstand ein umfassendes Effizienzprogramm. Dieses beinhaltete den Abbau von 600 Stellen, der jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen und ausschließlich über freiwillige Vereinbarungen realisiert worden sei. Die Zahlen belegen nach Vorstandsangaben heute den Erfolg dieses Kurses: Bereits im ersten Halbjahr 2025 sei eine „enorme Ergebnisverbesserung“ erzielt worden. Im Halbjahresbericht bestätigte der Vorstand den avisierten Jahresgewinn von 40 Mio. Euro. Die Nürnberger sei damit auf dem besten Weg zurück in die Gewinnzone. Diese positive Dynamik spiegle sich auch in der internen Wahrnehmung wider, so Rosenberger: „Wir sind noch nicht am Ende unserer Reise angelangt, aber ich würde sagen: Die Stimmung war nie besser in den letzten drei Jahren.“
Die Entscheidung, die langjährige Unabhängigkeit zugunsten einer starken Partnerschaft aufzugeben, sei für den Vorstand kein Selbstzweck, sondern eine strategische Weichenstellung zur langfristigen Sicherung des Standorts. In einem strukturierten Auswahlprozess habe sich die Wiener VIG als idealer Partner erweisen. Ausschlaggebend sei hierbei vor allem die spezifische Philosophie der Österreicher: Die VIG setze auf eine Mehrmarken-Strategie, die den einzelnen Konzerntöchtern ein Maximum an operativer Freiheit lasse. Für die Nürnberger bedeute dies, dass sowohl die eta-
blierte Marke als auch die Identität und die Eigenständigkeit des Managements vor Ort gewahrt blieben. Rosenberger sieht darin sogar eine qualitative Steigerung der unternehmerischen Freiheit: „Sollte die Transaktion erfolgreich abgeschlossen werden, sind wir sogar eigenständiger als davor, denn die VIG hat mit dem Wiener Städtische Versicherungsverein einen sehr stabilen Mehrheitsaktionär.“ VIG-Vorstandschef Hartwig Löger bekräftigte diesen Ansatz: „Es gibt kein Top-down-Management aus Wien. Stattdessen agiert die Gruppe aus einem Geist des regionalen Unternehmertums heraus – ein Modell, das die Kundennähe garantiert.“
Der Zusammenschluss bringe entscheidende Vorteile für die Modernisierung: Die VIG werde signifikante Beträge in die IT-Infrastruktur der Nürnberger investieren und Expertenwissen aus bereits erfolgreich absolvierten Transformationen bereitstellen. Katja Briones-Schulz, Vorständin für Lebens- und Krankenversicherung, betont den Wert dieses Wissensaustauschs: „Das ist etwas, was uns so unglaublich helfen wird, weil wir dann nicht die gleichen Fehler machen wie ganz viele da draußen bei einer IT-Transformation oder Systemtransformation.“
Besonders relevant für die Region sei, dass der Standort Nürnberg sowie die hiesigen Arbeitsplätze durch den Deal langfristig gesichert seien, so die Partner. Es sei vereinbart worden, dass es bedingt durch den Zusammenschluss keinen zusätzlichen Stellenabbau geben werde.
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