Selbstbewusste Vertretung der regionalen Wirtschaft
Wirtschaftsempfang im Ludwig-Erhard-Zentrum: Seit 100 Jahren gibt es das IHK-Gremium Fürth unter diesem Namen.
Unter dem Motto „100 Jahre Stimme der regionalen Wirtschaft“ stand der diesjährige Wirtschaftsempfang des IHK-Gremiums Fürth. Anlass war ein besonderes Datum: Seit 1926 trägt das Gremium seine offizielle Bezeichnung „Industrie- und Handelsgremium Fürth“. Beim Empfang würdigten prominente Gratulanten die Rolle des Gremiums als regionale Interessenvertretung der Wirtschaft. Neben Staatsminister a. D. Prof. Georg Fahrenschon sprachen Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und Landrat Bernd Obst. Ministerpräsident Dr. Markus Söder war live zugeschaltet.
Der Wirtschaftsempfang schlug einen Bogen in die Gegenwart. Staatsminister Fahrenschon warb für mehr unternehmerisches Engagement im Ehrenamt sowie dafür, die Innovationskraft der Jugend zu nutzen und die Stärken des Mittelstands zu aktivieren, um „den Innovationsmotor von der Kette zu lassen“. Das Motto sollte sein „Wir gestalten Zukunft!“. Ministerpräsident Söder hob die Verantwortung der Politik hervor: Innovation brauche die passende Unterstützung durch verlässliche Rahmenbedingungen. Die Selbstverwaltung der Wirtschaft durch die Kammern bezeichnete er als „großen Standortvorteil“ und zugleich als Grundlage des erfolgreichen dualen Ausbildungssystems. Damit griffen beide Redner einen Kern des Jubiläums auf: Zukunft entsteht dort, wo unternehmerische Initiative auf tragfähige Strukturen trifft
Vor rund 120 Unternehmerinnen und Unternehmern wurde deutlich, worin die Aktualität des Jubiläums liegt: in der Verbindung von wirtschaftlicher Selbstverwaltung, regionaler Verantwortung und dem Anspruch, Zukunft aktiv mitzugestalten. Dass diese Rolle heute selbstverständlich wirkt, war historisch keineswegs immer gegeben. Bereits 1832 sprach sich die Fürther Kaufmannschaft für eine selbstständige Industrie- und Handelskammer aus. Als 1843 in Bayern Handelskammern eingerichtet wurden, erhielt Mittelfranken eine Kammer mit Sitz in Nürnberg, in der Fürth von Beginn an stark vertreten war. Vier der 18 Vorstandsmitglieder kamen aus Fürth. Aus Sicht der Stadt war das dennoch nur ein Zwischenschritt. Der Wunsch, als eigenständiger und wirtschaftlich bedeutender Standort wahrgenommen zu werden, prägte die Entwicklung über Jahrzehnte.
Gerade dieser frühe Fürther Anspruch auf Mitsprache verweist auf ein Thema, das bis heute trägt: wirtschaftliche Selbstverantwortung in der Fläche. In Fürth entstand 1850 ein eigener Gewerbe-, Fabrik- und Handelsrat – der Vorläufer des heutigen IHK-Gremiums. Diese auf die Stadt bezogene Institution kümmerte sich um „Lehrlingsausbildung“, gemeinsame Auftritte auf Industrie- und Weltausstellungen sowie die Ansiedlung neuer Industriezweige und Fachkräfte. Die Reformen von 1868 stärkten dann Kammern und Bezirksgremien grundsätzlich: Sie erhielten Initiativrechte, Möglichkeiten zum Austausch und eine breitere Wirksamkeit im gesamten Kammerbezirk. Dass Unternehmen ihre Belange eigenverantwortlich und selbstbestimmt in die Hand nehmen, wurde damit zur tragenden Idee der Kammerarbeit – und genau darin liegt auch heute ein zentraler Wert der IHK-Organisation.
Fürth brachte für diese Entwicklung beste Voraussetzungen mit: Aus einer lange bäuerlich geprägten Stadt wurde im 19. Jahrhundert ein prosperierender Industrie- und Handelsstandort. Die erste Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth, der Anschluss an den Main-Donau-Kanal, das Wachstum des Handwerks und später der Industrie schufen die Grundlage für wirtschaftliche Dynamik. Fürth machte sich u. a. mit Spiegelglas, Brillen, Bronzepulver, Möbeln und Spielwaren einen Namen. Die Einwohnerzahl stieg parallel dazu stark an. Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt und die Entwicklung des IHK-Gremiums waren eng miteinander verbunden.
Geschäftsstelle Fürth 1952 eingerichtet
Zur Geschichte des IHK-Gremiums gehört allerdings auch die Erfahrung, dass Selbstverwaltung nicht selbstverständlich ist. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die IHK gleichgeschaltet und beteiligte sich an den Arisierungen, bei denen jüdische Unternehmer ihre Betriebe meist weit unter Wert verkaufen mussten. 1942 ging die IHK in der Gauwirtschaftskammer auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die regionalen Gremien ihre selbstbestimmte Arbeit wieder aufnehmen, 1952 erhielt Fürth schließlich eine eigene hauptamtliche Geschäftsstelle. Der historische Bogen vom Ringen um Mitsprache über den Verlust von Selbstständigkeit bis zum Wiederaufbau macht verständlich, warum die Selbstverwaltung der Wirtschaft heute so hoch bewertet wird. Sie ist Ergebnis einer langen Entwicklung und zugleich Voraussetzung dafür, dass regionale Unternehmen ihre Interessen wirksam einbringen können.
Webcode: N2326