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Suspa Co-Geschäftsführer Oguz Tekin im futuristischen Showroom im neuen Headquarter
Co-Geschäftsführer Oguz Tekin im futuristischen Showroom im neuen Headquarter.

Für die Altdorfer Suspa GmbH gab es Mitte Juli gute Gründe, ihr Sommerfest mit ihren Mitarbeitern und Führungskräften aus der ganzen Welt zu feiern. Zum einen ist es 75 Jahre her, dass das Unternehmen 1951 als Suspa Federungstechnik GmbH an den Start ging. Gefertigt wurden damals Hinterradfederungen, sogenannte Federbeine, für Motorräder. Zum anderen wurde der neue Stammsitz mit einem futuristischen Showroom und moderner Kantine feierlich eröffnet. Der Bürokomplex bietet eine funktionale Arbeitswelt mit Großraumbüros, Telefonboxen und Besprechungsräumen für Videokonferenzen mit Kollegen und Kunden auf der ganzen Welt. Außerdem gilt der Neubau als Bekenntnis zum Standort Mittelfranken und als Zeichen für die gute Geschäftsentwicklung. „Die Suspa wächst entgegen der Marktentwicklung“, erklärt Oguz Tekin. Er gehört dem dreiköpfigen Geschäftsführerteam an und ist u. a. für Finanzen, Personal, IT, strategischen Einkauf und Qualitätsmanagement verantwortlich.

Das Erfolgsgeheimnis bringt Tekin so auf den Punkt: „Wir bieten Lösungen zum Dämpfen, Heben, Senken, Öffnen, Schließen, Neigen und Einstellen – das sind unsere Kernkompetenzen.“ Heute finden sich die dafür notwendigen Produkte in zahlreichen Branchen und Anwendungen. Dazu gehört der globale Markt der Waschmaschinen, für die Suspa bereits seit 1959 Dämpfungssysteme anbietet. „Unsere Lösungen schauen auf den ersten Blick einfach aus, stecken aber voller Know-how und Technologie“, erklärt Tekin. Sie sorgen für mehr Komfort und Sicherheit, damit beispielsweise Waschmaschinen ruhiger und zuverlässiger laufen und weniger Energie verbrauchen.

Produkte für unzählige Anwendungen

Mitte der 1960er Jahre erfolgte der Einstieg in die Automobilindustrie. Hier waren zunächst Gasdruckfedern für das Öffnen und Schließen von Heck- und Frontklappen gefragt. Heute gehören auch Lenksäulendämpfer, Hydraulikdämpfer für Fahrersitze in Nutzfahrzeugen sowie diverse Verstellsysteme etwa für die Rückenlehnen von Bus-, Bahn- und Flugzeugsitzen zum Sortiment. Im zweiten Werk in Altdorf werden Crash-Management-Systeme produziert, die bei Aufprallunfällen mit geringer Geschwindigkeit beispielsweise beim Ein- und Ausparken die Karosserie des Fahrzeugs schützen: „Das ist ein Nischenmarkt ,Made in Altdorf‘.“ Die zunächst für Sportwagenhersteller entwickelten Spoilersysteme kommen zunehmend bei E-Autos zum Einsatz; sie verbessern deren Aerodynamik und erhöhen die Reichweite. In diesem Segment registrieren die Altdorfer in China eine kontinuierlich steigende Nachfrage. Weitere Kunden kommen unter anderem aus Luftfahrt, Möbelindustrie und Medizintechnik. Suspa-Produkte finden sich auch in Aufzügen und Garagentoren, Bowling-Bahnen und Fitnessgeräten. Rund um die Welt kommen Menschen also tagtäglich mit den Produkten in Berührung, ohne es zu wissen: „Every day is a day with Suspa“, ist sich Tekin sicher.

Mike Freund in der Vormontage Gasfedern zur Kolbenproduktion im Altdorfer Stammwerk
Mike Freund in der Gasfedern-Vormontage der Kolbenproduktion im Stammwerk Altdorf.

Der Mittelständler im Nürnberger Land kannte aber auch unruhige Zeiten: 2009 kaufte eine Tiroler Industrie-Holding im Rahmen einer Nachfolgeregelung die Mehrheit und verkaufte sie drei Jahre später an eine andere Investorengruppe. Seit 2018 gehört das Unternehmen dem belgischen Unternehmer Pascal Vanhalst über dessen Family Office, die Quva-Gruppe. Sie hatte zuletzt einen Umsatz von rund 2,5 Mrd. Euro. „Mit Pascal Vanhalst sehen wir uns als langfristig ausgerichtetes, global aktives mittelständisches Familienunternehmen“, so Tekin.

Das bedeutet für das Geschäftsführer-Trio allerdings nicht, dass alles so bleibt wie bisher. Vielmehr habe man sich der Leitlinie „Restrukturierung und Diversifizierung als Zukunftsinvestition“ verschrieben. So trennte sich Suspa beispielsweise 2024 von der langjährigen Sparte der höhenverstellbaren Tische. In China musste man nach der Immobilienkrise als Alternative für das rückläufige Geschäft mit Möbeln neues Geschäft in anderen Industrien wie z. B. der wachsenden Solarindustrie akquirieren. Ein Großteil der Mengenfertigung von Gasfedern musste vom Altdorfer Stammsitz angesichts günstigerer Rahmenbedingungen in das tschechische Werk in Bor verlagert werden. Geblieben sind hochwertige Gasfedern, die in kleineren Stückzahlen produziert werden.

Weltweites Produktionsnetzwerk

„Man muss rechtzeitig loslassen können, um dem Anspruch gerecht zu werden, weltweit die Nummer 1 oder 2 zu sein.“ Tekin, der der Geschäftsführung seit 2020 angehört, sieht das Prinzip „local to local“ als wichtigen Erfolgsbaustein von Suspa. Damit sei man gut durch die zahlreichen weltweiten Krisen der letzten Jahrzehnte gekommen. In Europa wird in den beiden Werken in Altdorf sowie in Sulzbach-Rosenberg und Bor produziert. In den USA wird in der Anfang der 1970er Jahre gegründeten Suspa-Tochter in Grand Rapids (Michigan) gefertigt. Außerdem gibt es zwei Fertigungsstandorte in Indien (seit 1994) und das weltweit größte Suspa-Werk in China (seit 2001).

Waldemar Bonnacker im Altdorfer Stammwerk in der modernen Schweißanlage für Gasfedern
Waldemar Bonnacker in der modernen Schweißanlage für Gasfedern in Altdorf.

„Regionale und branchenmäßige Diversifizierung ist eine Zukunftsinvestition“, ist sich Tekin sicher. Man setze in den jeweiligen Weltregionen auf lokale Lieferanten und ein breites Kundenportfolio vor Ort. In Indien wurde deshalb eine zweite Produktion im nordindischen Sanand eröffnet, statt das Werk Chennai im Süden auszubauen. So kann man die großen Kunden im Süden genauso gut bedienen wie die im Norden. Außerdem umgeht man Betriebsstörungen durch den Monsun. „In the region for the region“ bedeutet, dass Suspa in allen Regionen eine eigene Entwicklung nahe am Kunden hat. So kann man auf regionale Markttrends und Kundenanforderungen schneller eingehen und Produkte für Wachstumsbereiche schneller in den Markt bringen. In China wurden so z. B. erfolgreich Dämpfer für die Solartracker von Photovoltaik-Anlagen entwickelt, die dem Sonnenstand folgen. „Diesen China-Speed brauchen wir überall“, sagt Tekin. Dazu gehöre es auch, immer ausreichend potenzielle Kundenprojekte in der Entwicklungspipeline haben. Das gelte auch dann, wenn sich letztlich nur eine von zehn Ideen am Markt etabliert. Der Mehrwert dieser einen erfolgreichen Idee könne so gut sein, dass sie die anderen neun kompensiert.

Auch bezüglich der Kundenbranchen hat sich Suspa breit aufgestellt. Deshalb wurden beispielsweise die rückläufigen Aufträge der Flugzeugindustrie während der Corona-Pandemie durch die hohe Nachfrage aus Medizintechnik, Krankenhaus- und Laborausstattung wettgemacht. Die gedrosselte Produktion der Autohersteller ließ sich teilweise durch den „Cocooning“-Boom (Rückzug ins eigene Heim) ausgleichen, der zu mehr Nachfrage nach Waschmaschinen führte. Das Geschäft mit europäischen Automobilherstellern sorgt mit seinem großen Volumen für eine Grundauslastung und langfristige Planbarkeit. Dort sind aber die Margen sehr schmal, sodass man sich keine Fehler erlauben dürfe.

„Die Diversifikation ist also komplex, man muss sie auch beherrschen können“, sagt Tekin. Aber sie zahle sich aus, gerade weil es in Europa, aber auch global in bestimmten Branchen wie der Bau- und Möbelindustrie derzeit nicht so gut laufe. Der Suspa-Umsatz von rund 350 Mio. Euro im vergangenen Jahr verteilt sich entsprechend relativ breit; das Segment Automotive hatte einen Anteil von weniger als 50 Prozent. Für die nächsten Jahre rechnet Tekin mit weiteren Umsatzsteigerungen. Zum Jahreswechsel beschäftigte Suspa gut 2 200 Mitarbeiter (davon 850 in Europa), ein Jahr zuvor waren es 2 100. An den beiden mittelfränkischen Standorten in Altdorf sind insgesamt 350 Beschäftigte tätig.

Autor: Thomas Tjiang

www.suspa.com 

Webcode: N2334