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Jochen Loy, Geschäftsführer des Fränkischen Gemüseerzeugerverbands Knoblauchsland.
Jochen Loy, Geschäftsführer des Fränkischen Gemüseerzeugerverbands Knoblauchsland.

Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt, die zum Bauern ihres Vertrauens gehen und Gemüse kaufen: Dieses Bild ist ein schönes, findet Jochen Loy, der Geschäftsführer des Fränkischen Gemüseerzeugerverbands Knoblauchsland. Doch im Jahr 2026, in dem der Verband auf 100 Jahre seit seiner Gründung zurückblickt, ist es eher ein romantisches Bild, das der Vergangenheit angehört.

95 Prozent des Gemüses, das im Knoblauchsland produziert wird, gehen an den Lebensmitteleinzelhandel. Bei Supermärkten aus der Region und darüber hinaus sind die Waren beliebt. Dass die rund 138 Mitglieder im Erzeugerverband organisiert sind, habe den Vorteil, dass die Händler sie bei Preisverhandlungen nicht gegeneinander ausspielen könnten, so Loy. Nur fünf Prozent der Erzeugnisse werden laut Geschäftsführer Loy auf kleinen Stadtteilmärkten verkauft.

Das, was in großen Mengen abgenommen wird, wird systematisch und in gemeinschaftlicher Arbeit angebaut. Über den Gemüseerzeugerverband beziehen die Landwirte die Schachteln, Schalen oder Tüten, in denen der Einzelhandel das Gemüse zum Verkauf anbietet. Fällt die Ernte aus und ein Betrieb kann nicht liefern, springen andere Mitglieder ein. Nicht nur füreinander sind die Landwirtinnen und Landwirte da, über den Gemüseerzeugerverband werden sie beispielsweise bei Expansionen, Sanierung oder auch Betriebsaufgaben beraten. „Ein Rundum-Sorglos-Paket“, findet Jochen Loy.

Vor hundert Jahren, als sich im April 1926 Landwirte und Gartenbaubetreiber im Norden Nürnbergs zu einem Verband zusammenschlossen, war die Welt noch eine andere: Der Plan war, in der entbehrungsreichen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die kurzen Wege vom Feld auf den Teller zu nutzen. Die Bauern leisteten auf den Feldern harte Arbeit, um die Menschen in Nürnberg und Umgebung mit frischem Gemüse zu versorgen. Um aus dem Mist Dünger zu gewinnen, wurden Tiere gehalten. Der Anbau richtete sich nach den Jahreszeiten, Luxusgemüse wie Spargel oder Sonderkulturen wie den chinesischen Senfkohl Pak Choi gab es nicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten sich die Erzeuger neu auf: Mit Mechanisierung, Traktoren und modernen Bewässerungssystemen legten sie den Grundstein dafür, dass das Knoblauchsland zu einem bedeutenden Anbaugebiet in Bayern werden konnte. Weg vom traditionellen Ackerbau mit Viehzucht wandte sich die Landwirtschaft dem Gemüseanbau zu.

Historisches Foto von Gewächshäusern im Knoblauchsland.
Frisches Gemüse das ganze Jahr: Ab den 60er Jahren hielten Gewächshäuser Einzug ins Knoblauchsland.

Heute bauen im Knoblauchsland rund 110 Betriebe auf 1900 Hektar landwirtschaftlicher Fläche an, auf rund 14 Prozent davon wird biologisch gewirtschaftet. Die Selbstversorgungsquote beträgt laut Jochen Loy an die 35 Prozent. 50 Prozent der Jungpflanzen werden von Betrieben der Erzeugergemeinschaft selbst großgezogen, der Rest wird von außerhalb zugekauft.

Auf den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach frischem Gemüse unabhängig von der Jahreszeit reagierte der Verband in den 1960er Jahren mit ersten Anbauflächen unter Glas. Los ging es mit Salatpflanzen und ersten Gemüsen. Inzwischen ist der Anbau in Gewächshäusern im Gemüsegarten Nürnbergs nicht mehr wegzudenken. Auf 100 Hektar unter Glas wird elf Monate im Jahr alles von der Gurke, Tomate über die Paprika bis hin zum Fruchtgemüse produziert.

War das Geschäft mit dem Gemüse in den Anfängen des Erzeugerverbands noch sehr personalintensiv, geht es inzwischen mit dem technischen und digitalen Fortschritt einher. Eine Wahl habe man nicht, sagt Geschäftsführer Loy: „Dass die Landwirte alle in großen Schleppern rumfahren, wird oft kritisiert. Doch anders kannst du heute eine Landwirtschaft nicht mehr bestreiten.“ Steigende Lohnkosten stehen weniger Menschen gegenüber, die die diese körperlich fordernde Arbeit leisten wollen. Wer Leute für seinen Betrieb gewinnen und auch halten möchte, müsse etwas bieten. Einige Landwirtinnen und Landwirte hätten für ihre Saisonarbeiterinnen und -arbeiter „adäquate Unterkünfte“ gebaut.

Ohne Maschinen und Künstliche Intelligenz (KI) komme trotzdem kein modernes landwirtschaftliches Unternehmen mehr aus. Vollautomatisierte Radieschen-Ernter, Spargelheber und lasergestützte Unkrautjäter nennt Loy als Beispiele für die neuesten Errungenschaften, die auf den Äckern am Rande von Nürnberg unterwegs sind. „Wer nicht innovationsbereit und -fähig ist, kann heute nicht bestehen“, sagt der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft. Doch dass seine Mitglieder hochqualifiziert und offen für neue Entwicklungen sind, davon ist Loy fest überzeugt.

Autorin: Daniela Ramsauer

www.knoblauchsland-gemueseland.com 

Webcode: N2188