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Berufliche Ausbildung

Karriereweg für Studienabbrecher

Über die Hälfte der Schulabgänger eines Jahrgangs beginnt ein Studium, allerdings streicht ein Drittel der Studenten vor dem Examen die Segel und geht ohne Abschluss von den Hochschulen ab.

Die bayerischen Industrie- und Handelskammern wollen deshalb die Studienabbrecher bzw. die Studenten, die mit ihrem Studium unzufrieden sind, für eine berufliche Ausbildung gewinnen. Sie sprechen diese Zielgruppe nun noch intensiver an, um sie über den Karriereweg Ausbildung zu informieren.

Besonders attraktiv dürfte für die Studienabbrecher das Modell der verkürzten Ausbildung sein, das die IHKs im Freistaat entwickelt haben. Bei dreijährigen Ausbildungsberufen ist eine Verkürzung auf 18 Monate möglich, bei dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen auf 24 Monate, wenn diese drei Voraussetzungen gegeben sind:

  • abgebrochenes Studium hat einen Bezug zum gewählten Ausbildungsberuf
  • Studiendauer von mindestens zwei Semestern
  • mindestens 30 Credit Points (ECTS) während des Studiums erreicht

Mit ihrer Initiative stoßen die IHKs auf großes Interesse: „Immer häufiger wenden sich Studenten ratsuchend an uns“, berichtet Stefan Kastner, der bei der IHK das Referat Ausbildungsbetreuung und Bildungsberatung leitet. Viele von ihnen erkennen erst an den Hochschulen, dass ihnen eine praktische Ausbildung mehr liegt als das eher theoretisch angelegte Studium. Sie treffen laut Kastner auf aufgeschlossene Unternehmen, die ihre Lehrstellen oft nicht besetzen können und deshalb händeringend nach Auszubildenden suchen.

Dass die betriebliche Ausbildung Zukunft hat, können Kastner und seine Kollegen u.a. mit den Ergebnissen des Fachkräftemonitors Bayern belegen, die die bayerischen IHKs regelmäßig vorstellen: Demnach wird sich der für die nächsten Jahre befürchtete Fachkräftemangel weniger im akademischen Bereich bemerkbar machen, sondern zum größten Teil die betrieblich ausgebildeten Kaufleute und Facharbeiter betreffen. Insbesondere Fachkräfte, die sich im Anschluss an ihre Ausbildung weiterbilden, dürften weiterhin stark gefragt sein.

Diese sogenannte Aufstiegsfortbildung eröffnet den Absolventen einer betrieblichen Ausbildung viele Karrierewege, so Kastner. Im Anschluss an die bestandene IHK-Prüfung können sie sich z.B. zu Fachkaufleuten, Fachwirten, Technischen Fachwirten, Industriemeistern und Fachmeistern qualifizieren. Wenn sie diese Weiterbildung erfolgreich absolvieren, haben sie die Stufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) erreicht, was dem Niveau eines Bachelor-Abschlusses an einer Hochschule entspricht. Und danach sind mit den Lehrgängen zum Betriebswirt (IHK) oder zum Technischen Betriebswirt (IHK) weitere Bildungsschritte nach oben möglich.

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken baut derzeit eine Datenbank mit Ausbildungsbetrieben auf, die speziell Studienabbrecher als künftige Auszubildende gewinnen wollen. Interessierte Unternehmen können sich formlos an die IHK wenden.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 02|2015, Seite 26

 
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