Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Bademode made in Oberfranken
Eintauchen ins kühle Nass! Welch schönere Abkühlung gibt es an heißen Sommertagen als den Sprung ins erfrischende Schwimmbecken oder in den kristallklaren Badesee. Natürlich in modisch angesagter Badebekleidung. Bei Bademode aus Bayern denkt man schnell an die bekannten Sportartikelhersteller aus Mittelfranken. Daneben gab es jedoch weitere Textilunternehmen, die solche Kleidung produzierten, etwa die Escora Mieder- und Bademodenfabrik Eduard Schmidt GmbH aus dem oberfränkischen Coburg.
1862 von Elias Schmidt als Korsettfabrik gegründet, baute das Familienunternehmen in den folgenden Jahrzehnten seine Produktpalette und seinen Kundenkreis erfolgreich aus. Dabei richtete sich das Angebot, wie der Firmenname vermuten lässt, vor allem an die Damenwelt. Auch die Belegschaft wies einen hohen Frauenanteil auf; die Beschäftigten waren insbesondere als Näherinnen tätig. Gerade die Textilindustrie zeichnete sich allgemein durch eine hohe Zahl an Arbeiterinnen aus. Zugleich war der Betrieb typisch für die Region Nordoberfranken, die im 19. und 20. Jahrhundert nachhaltig von der Textilindustrie geprägt wurde. In Coburg zählte das Textilgewerbe bereits seit Jahrhunderten zu den führenden Wirtschaftszweigen der Stadt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierten sich die Brüder Robert, Eduard und Hans-Egon Schmidt auf die Herstellung von Bademode und Damenunterwäsche. In dieser Zeit übernahm Eduard Schmidt, einer der Escora-Chefs, zunächst das Amt des Vizepräsidenten und 1948 das des Präsidenten der IHK zu Coburg und war damit an der Rekonstituierung der IHK zu Coburg beteiligt. Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs in der Nachkriegszeit verschlechterte sich die Lage des Unternehmens ab den 1980er Jahren. Die Escora Mieder- und Bademodenfabrik produzierte bis in die 1990er Jahre und meldete schließlich 1994 Konkurs an.
Der im BWA überlieferte Escora-Bestand umfasst einen Fachbodenmeter und wird durch Unterlagen aus dem Bestand der IHK zu Coburg ergänzt. Trotz der fragmentarischen Überlieferung kommt den Unterlagen mit ihren historischen Fotografien und Hochglanzwerbematerialien ein hoher Quellenwert für die Erforschung der Industriekultur Coburgs und Oberfrankens sowie für das modische Stilbewusstsein der jungen Bundesrepublik zu.
Autor: Benedikt Martin Ertl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs
Webcode: N2260