Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Herbstzeit ist Kartoffelzeit – Kartoffelknödel von Pfanni
Über den Wiesen liegt morgendlicher Nebel, die Blätter verfärben sich und die Tage werden spürbar kürzer: Der Herbst ist da. Mit ihm beginnt die Haupterntezeit zahlreicher regionaler Obst- und Gemüsesorten. Besonders eng mit dem Herbst verbunden ist die Kartoffel. Aus den Vorratskellern vergangener Zeiten ist sie längst in die ganzjährige Verfügbarkeit des modernen Lebensmittelhandels übergegangen. Kartoffeln gibt es heute selbstverständlich das ganze Jahr über, und das nicht nur in ihrer ursprünglichen Form, sondern auch als Knödel, Püree oder Chips. Für Kartoffelprodukte schlechthin steht in Bayern seit 1949 ein Markenname: Pfanni.
Die Ursprünge des Unternehmens reichen weit zurück. Gegründet wurde es 1868 von Johannes Eckart in München als eine der ersten Konservenfabriken Süddeutschlands. Sein Sohn Otto Eckart erweiterte das Unternehmen und unternahm erfolgreiche Versuche mit der Trocknung von Kartoffeln. Werner Eckart, der Enkel des Firmengründers, brachte schließlich 1949 das kochfertige Pulver „Pfanni“ zur Bereitung von Knödeln, Kartoffelpuffern und Kartoffelpüree auf den Markt. Seit 1956 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Pfanni-Werk Otto Eckart Kommanditgesellschaft. Mit Hauptsitz in München entwickelte sich Pfanni in den 1960er Jahren zur „größten Kartoffelküche Europas“, wie der Bayerische Wirtschafts-Dienst das Unternehmen 1966 bezeichnete. Das Unternehmenswachstum brachte den stetigen Ausbau des Firmengeländes in der Nähe des Ostbahnhofs mit sich. 1979 beschäftigte Pfanni rund 1.600 Mitarbeiter und verarbeitete jährlich etwa 200.000 Tonnen Kartoffeln. 1993 zwangen strukturelle Probleme Otto Eckart, den Urenkel von Johannes Eckart, das Familienunternehmen an die Maizena Holding GmbH zu verkaufen. Die Marke Pfanni ging an die neuen Besitzer über, das Werksgelände, auf dem noch bis 1994 produziert wurde, verblieb hingegen im Besitz der Familie Eckart.
Ab 1996 wurde das ehemalige Firmenareal für Kultur- und Nachtleben genutzt: zunächst als Kunstpark Ost und ab 2003 als Kultfabrik. Seit 2016 entstand auf dem Pfanni-Gelände mit dem Werksviertel-Mitte ein neues Stadtquartier für Kultur, Freizeit und Gewerbe.
Der Bestand „F 98 Pfanni-Werk Otto Eckart KG“ im Bayerischen Wirtschaftsarchiv umfasst neben Unternehmensunterlagen zahlreiche Werbe- und Produktbroschüren in verschiedenen Sprachen sowie Fotografien. Die Archivalien geben nicht nur Rückschlüsse auf die Firmengeschichte, sondern zugleich auf den Wandel in der Ess- und Gastronomiekultur Nachkriegsdeutschlands.
Autor: Benedikt Martin Ertl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bayerischen Wirtschaftsarchiv
Webcode: N2440