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Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Von Coburg ins Chemiedreieck

Erschienen am 01.11.2026

Die Geschichte der bayerischen Chemieindustrie beginnt nicht in den späteren großen Industrieanlagen des 20. Jahrhunderts, sondern in einer kleinen Blaufarbenfabrik im oberfränkischen Grub am Forst bei Coburg. Dort begannen Carl Valentin und August Eusebius von Sand (1747-1801) im Jahr 1772 mit der Herstellung von Farbstoffen für die aufstrebende Textilindustrie. Einen entscheidenden Aufschwung nahm der Betrieb nach der Übernahme durch Samuel Friedrich Holtzapfel im Jahr 1809. Aus diesen frühen Anfängen entwickelte sich über zwei Jahrhunderte hinweg eine Branche, die bis heute ganze Regionen Bayerns prägt.

Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb Franken ein Zentrum der chemischen Industrie. Bedeutende Standorte bildeten sich insbesondere in Nürnberg und Fürth heraus. In Schweinfurt spezialisierten sich mehrere Betriebe auf die Herstellung von Mineral- und Lackfarben. Über Bayern hinaus bekannt wurde vor allem das sogenannte Schweinfurter Grün. Der Farbstoff fand unter anderem als Wand- und Textilfarbe sowie als Insektenbekämpfungsmittel Verwendung. Der Merseburger Arzt Carl von Basedow (1799–1854) wies aber bereits 1844 auf seine gesundheitsschädliche Wirkung hin. 1882 wurde die Verwendung des Schweinfurter Grüns aufgrund seiner Giftigkeit als Farbstoff reichsweit untersagt, 1887 folgten weitere Einschränkungen. Bis 1942 wurde es als Pflanzenschutzmittel u.a. für den Weinanbau verwendet.

Neben Franken entwickelte sich die damals zu Bayern gehörende Pfalz zu einem weiteren bedeutenden Standort der chemischen Industrie. Im Jahr 1865 gründete Friedrich Engelhorn (1821–1902) in Ludwigshafen die Badische Anilin- und Sodafabrik, die heutige BASF. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand schließlich zwischen Trostberg, Töging am Inn und Burghausen das sogenannte Bayerische Chemiedreieck. Entscheidende Voraussetzungen für dessen Entwicklung waren der wachsende industrielle Energiebedarf und die Nutzung der Wasserkraft von Alz und Inn. Bis heute befinden sich dort bedeutende Produktionsstätten der chemischen Industrie, darunter das Stammwerk der Wacker Chemie AG in Burghausen und der Chemiepark Gendorf. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv dokumentiert diesen wichtigen Teil der bayerischen Wirtschaftsgeschichte mithilfe eines breiten Spektrums an Quellen und Beständen wie etwa der Samuel Fr. Holtzapfel GmbH & Co. KG, dem Verband der Bayerischen Chemischen Industrie oder der SKW Trostberg AG.

Webcode: N2542