Der EU-Klimafortschrittsbericht 2025 zeigt, dass Europa trotz bestehender Defizite im Verkehrssektor und bei den natürlichen Senken weiter in Richtung Klimaneutralität voranschreitet. Diese Herausforderungen zeigen sich auch in Deutschland, wo jedoch das neue Klimaanpassungsgesetz als Fortschritt hervorgehoben wird. Im Folgenden werden die zentralen Erkenntnisse aus dem Bericht zusammengefasst.
Emissionstrends und Fortschritte
Laut Bericht, sanken die EU-Emissionen 2024 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegen 37,2 Prozent unter dem Niveau von 1990. Gleichzeitig wuchs das BIP um 71 Prozent gegenüber 1990, was für die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen steht.
Emissionsrückgänge
Energiesektor -8,6 Prozent
Stromsektor -10,7 Prozent
Stromproduktion aus erneuerbaren Energien als Haupttreiber
Solarenergie +19 Prozent
Wasserkraft +12 Prozent
Windkraft +2 Prozent
Durch den Anstieg der grünen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, sank der Einsatz fossiler Energieträger wie Kohle um 12 Prozent und Gas um 8 Prozent.
Marktdynamiken und Investitionen
Für die Transformation des Energiesystems werden laut Klimafortschrittsbericht bis 2030 jährlich rund 565 Milliarden Euro an Investitionen in der EU benötigt. Die Schwerpunkte liegen auf dem Ausbau erneuerbarer Energien (90 Mrd. €), die Modernisierung der Stromnetze (60 Mrd. €) sowie die Gebäudesanierung im Wohn- und Dienstleistungssektor (215 Mrd. € bzw. 80 Mrd. €). Grüne Anleihen erreichten im Jahr 2024 in der EU ein Rekordvolumen von 314 Milliarden Euro.
Herausforderungen in Schlüsselbereichen
Transport: Größter Emittent mit steigenden Emissionen (+0,7 % im EU-Inland und +3 % international)
Industrie: Emissionen blieben stabil, zeigen jedoch sektorale Unterschiede. Während die prozessbedingten Emissionen in der Chemieindustrie um 8,2 % stiegen, verzeichnete der Mineraliensektor (inkl. Zement) einen Rückgang um 2,5%.
Landnutzung: Kohlenstoffsenken sind fragil und zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich.
Deutschland im EU-Vergleich
Stärken:
- CO₂-Abscheidung im Zementsektor: Deutsche Industrieunternehmen zeigten hohe Innovationsstärke bei der Dekarbonisierung schwieriger Sektoren. Das deutsche Projekt CO2LLECT setzte sich im EU-Wettbewerb durch und konnte sich eine Förderungssumme von 157 Mio. € aus dem EU-Innovationsfonds sichern. Wasserstofftechnologien: Gemeinsam mit Österreich und Spanien wurde das Instrument "Aucttions-as-service" genutzt, um insgesamt 836 Mio. € bereitzustellen, um nationale Wasserstoffprojekte zu fördern.
Defizite:
- Laut Prognosen weist Deutschland neben Irland und Malta einer der größten Lücken bei den Zielen für die Lastenverteilung (Effort Sharing Regulation, ESR-Ziele) für 2030 auf. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird die Zielverfehlung für 2030 auf rund 13 Prozentpunkte prognostiziert (Ziel: -50 %, Prognose: -37 %), was v. a. auf den Verkehrssektor zurückgeht.
Die Senkenleistung im LULUCF-Sektor (Landnutzung) von Wäldern und Böden reicht nicht aus, sodass ein rechnerisches Defizit von ca. 4 Mio. Tonnen CO“-Äquivalenten (für 2021-2023) entstanden ist. Dieses Defizit muss durch Zuteilung aus dem ESR-Sektor (z. B. zusätzliche Einsparung in Verkehr oder Gebäuden) ausgeglichen werden.
Elektromobilität: Neuzulassungen von batteriebetriebenen Elektroautos sowie Plug-in-Hybride 2024
Deutschland befindet sich über dem EU-Durchschnitt, jedoch weit hinter den skandinavischen Ländern
EU-Durchschnitt: 14,5 %
Dänemark: 52,0 %
Deutschland: 22,0 %
Polen: 3,0 %
ESR-Ziele für die EU: Reduktion um 40 Prozent gegenüber 2005 bis 2030
Prognosen:
EU: -38 %
Deutschland: -32 %
Portugal: -45 %
Griechenland: -44 %
Während Portugal sowie Griechenland laut Prognosen das EU-Ziel von -40 Prozent erreichen und übertreffen werden, weist die Prognose für Deutschland ein Defizit von 8 Prozentpunkten auf.
Landnutzung (LULUCF):
EU-Ziel: zusätzliche -42 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalent bis 2030
Prognose EU: Lücke von 40–55 Mio. Tonnen
Deutschland: Debit im Zeitraum 2021–2023, d. h. mehr Emissionen als Entnahmen
Finnland: Prognose leichter Überschuss, Spanien: ebenfalls Fortschritte
Deutschland gehört hier zu den Ländern mit den größten Defiziten.
Eine detaillierte Aufarbeitung (auf Deutsch!) des Berichtes können Sie hier lesen:
Zusammenfassung EU-Klimafortschrittsbericht 2025.pdf (PDF, nicht barrierefrei, 1 MB)
Originalbericht: Climate action progress report 2025 - Publications Office of the EU
Quelle: DIHK