Die Netz-Werker
Das Laufer IT-Unternehmen Bisping & Bisping sorgt für den richtigen Anschluss – bei Firmen, Kommunen und Privatkunden.
Es ist etwas Kraft nötig, um die schweren massiven Türen zu bewegen, durch die Johannes Bisping gehen muss, wenn er das Heiligste seines Unternehmens aufsuchen will. Begleitet vom Piepsen des Perimeter-Sicherheitssystems öffnet er den Zugang zu einem Vorraum, der Schleuse. Eine Kamera an der Decke erfasst alle Personen, die dort eintreten. Erst nachdem die vorhergehende Tür zugefallen ist, geht es weiter durch den nächsten Eingang, ebenfalls durch das mehrstufige Zugangssystem gesichert. Man gelangt in einen etwas längeren Gang, in dem sich mehrere Türen aneinanderreihen. Eine davon führt zum Datacenter, quasi die Maschinenhalle der Bisping & Bisping GmbH & Co. KG in Lauf, deren Geschäftsführer Johannes Bisping ist. Auch diese Räumlichkeit lässt sich nur mit Zugangscode und -karte öffnen. Beim Betreten schlägt einem sofort die Wärme entgegen, die bei den zahllosen, in Bruchteilen von Sekunden stattfindenden Rechenvorgängen entsteht. Doch im Gegensatz zur sprichwörtlichen heißen Luft entsteht hieraus noch etwas Nützliches. Dazu später mehr.
Die Laufer Firma ist Telekommunikationsanbieter, Netzbetreiber und IT-Dienstleister für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Kommunen sowie Privatkunden. Sie bietet u. a. Internet-Zugänge und Telefondienste, sorgt für IT-Sicherheit, betreibt Rechenzentren und Cloud-Speicher und vernetzt Firmenstandorte. Die größte Gruppe sind dabei die gewerblichen Kunden, die anderen Bereiche wachsen dem Firmenchef zufolge aber sehr stark. Im Privatkundenbereich ist der Laufer Internet-Dienstleister im süddeutschen Raum u. a. in Regionen wie Westmittelfranken und im Nürnberger Land aktiv, die von den großen Anbietern derzeit nicht versorgt werden.
Die Kunden stammen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Beim Internet-Geschäft liegt es in der Natur der Sache, dass die Services weltweit angeboten werden. So wird z. B. ein Gesundheitsunternehmen, das in Nordbayern sitzt, mit Niederlassungen von Tokio bis in die USA vernetzt, erklärt Bisping. Dagegen liegt beim Breitbandausbau der Fokus derzeit auf Bayern: „60 bis 70 Prozent der Haushalte müssen noch erschlossen werden, da haben wir hier gerade ganz gut zu tun“, sagt er. Dass Deutschland bei der Digitalisierung nicht zu den Vorreitern gehört, ist schon seit Längerem in der öffentlichen Diskussion angekommen. Als Breitband-Unternehmer hat Bisping aber tagtäglich damit zu tun: „Andere Länder um uns herum sind in der digitalen Infrastruktur viel, viel weiter, die haben mit einer flächendeckenden Glasfaserversorgung ganz andere Möglichkeiten.“ Wenn diese wie hierzulande nicht zur Verfügung stehen, erschwere das auch bestimmte Geschäftsmodelle, einfach weil man die notwendigen technischen Gegebenheiten nicht nutzen könne.
Wissen als wichtigster Rohstoff
Doch statt sich die Haare zu raufen, krempelt Bisping lieber die Ärmel hoch, um solche Herausforderungen aktiv anzugehen. Deshalb ist er auch vielfältig im IHK-Ehrenamt aktiv – bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken als Vizepräsident, im Ausschuss für Kommunikation und Medien sowie als Vorsitzender des IHK-Gremiums Lauf. Zudem engagiert er sich bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Ausschuss für Informations- und Kommunikationstechnologie und als Themenpate für Breitbandinfrastruktur. „Wir sind ja kein Rohstoffland, unser wichtigster Rohstoff ist unser Wissen“, so der Geschäftsführer. Dazu gehöre dessen Kommunikation und Verarbeitung, und das müsse stärker in den Köpfen verankert werden.
Ein weiteres brandaktuelles Thema, das sein Unternehmen jeden Tag beschäftigt, sind Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Nicht zuletzt der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin um den Jahreswechsel hat gezeigt, wie anfällig diese mancherorts sind. Doch auch wenn solche Attacken in der analogen Welt für großes Aufsehen sorgen, ist es auch nichts Neues, dass ein Großteil der Attacken in der digitalen Welt läuft, auch auf einen Dienstleister wie Bisping & Bisping. „Es gibt keinen Tag, an dem nicht versucht wird, irgendwelche Server bei unseren Kunden oder in unseren Rechenzentren von außen anzugreifen“, berichtet der Firmenchef. Er möchte damit keine Panik schüren, sondern plädiert dafür, sich dessen bewusst zu sein und sich Gedanken darüber zu machen, wie die eigene IT aufgestellt ist und welche Sicherheitsmechanismen sinnvoll sind. Dabei sollte man sich auch auf ungewöhnliche Szenarien ohne böse Absichten Gedanken machen, etwa wenn ein Bagger versehentlich ein Leitungskabel durchtrennt: Gehen dann die Maschinen am Auslandsstandort aus? Hat man noch Zugriff auf Kundendaten? Oder was passiert, wenn ein Cloud-Dienstleister keinen Zugriff auf die eigenen Daten mehr erlauben kann, will oder darf? „Da muss man sich anschauen: Was sind meine Kronjuwelen, was sind meine Kernprozesse? Und wie kann ich mich resilienter aufstellen, damit ich für den Notfall vorbereitet bin?“, so Bispings Ratschlag.
Redundanz ist hier ein wesentlicher Baustein. Zu sehen ist das auch in den Räumlichkeiten des Rechenzentrums von Bisping & Bisping: Egal ob Brandschutzanlagen, Notstromgeneratoren oder die Serverräume selbst – für alles gibt es eine Absicherung, die einspringt, wenn etwas davon einmal ausfallen sollte. Nicht zuletzt deswegen handelt es sich hierbei um ein Hochsicherheits-Rechenzentrum. Ein besonderes Merkmal dabei ist, dass die Abwärme aus dem Serverraum für die Klimatisierung des Firmengebäudes genutzt wird. Dass das heute so eingerichtet ist, kam auf Initiative von Bisping und seinem Team zustande: Bei der Planung des Neubaus vor knapp zehn Jahren entwickelten sie ein Klimakonzept, sodass die Abwärme entgegen der Einschätzung von Fachfirmen doch genutzt werden kann. Für Johannes Bisping ein Beispiel dafür, dass man Dinge hinterfragen muss, um sie besser zu machen – eine Sache, die ihn als Unternehmer antreibt.
Gesundes Wachstum
Den Grundstein für seine Firma legte er 1990 im Alter von nur 16 Jahren: Zusammen mit seinen älteren Brüdern gründete er die Presse-, Foto- und Werbeagentur Bisping & Bisping. Mitte der Neunziger wagten sie den Schritt in das damals noch neuartige Internet-Geschäft. Johannes Bis-ping baute das Unternehmen im Laufe der folgenden Jahre weiter auf, etwa indem er immer wieder Firmen aus den Bereichen Internet, IT und Rechenzentren übernahm. Zudem wurde Bisping & Bisping 2009 exklusiver Internet-Anbieter der Stadt Nürnberg und startete 2010 eine Partnerschaft mit dem 1. FC Nürnberg, inklusive eigener Firmen-Lounge. 2017 folgte der Umzug in die neu gebaute Firmenzentrale am Oskar-Sembach-Ring in Lauf. Heute arbeiten rund 90 Beschäftigte bei Bisping & Bisping. „Wir wachsen seit 36 Jahren stetig, sodass wir unseren Betrieb kontinuierlich und gesund weiterentwickeln können“, sagt Johannes Bisping. Sein Unternehmen finde weiterhin gut Fachkräfte, setze aber stark auf eigene Nachwuchskräfte, auf Ausbildung und Netzwerke.
Im Rückblick verbucht er als unternehmerischen Erfolg, auf den Geschäftszweig digitale Kommunikation und Internet gesetzt und schon früh die zukünftige Bedeutung der Glasfaser-Technologie erkannt zu haben. In den nächsten Jahren wird seine Firma mit dem Ausbau noch gut zu tun haben. Dabei setzt er auch verstärkt auf Kooperationen mit Kommunen, beispielsweise mit den Stadtwerken Feuchtwangen, der Energie- und Wasserversorgung Hewa in Hersbruck und den Gemeindewerken in Feucht und Wendelstein. Für diese Zukunftspläne hat sich Johannes Bisping Verstärkung ins Boot geholt: Jan-Philipp Becker ist seit vergangenem Dezember als Chief Commercial Officer (CCO) und weiteres Mitglied der Geschäftsführung zuständig für Marketing, Vertrieb und Business Development. Er war zuvor u. a. bei BMW, Sixt und einem Mountainbike-Hersteller in der Region tätig. In den kommenden Jahren wird er sich darum kümmern, die eigene Marke weiterzuentwickeln und neue Produkte zu identifizieren. (jf.)
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