Vom Bio-Bike zum Stromer
In der Fürther E-Bike Factory werden Fahrräder mit Elektromotoren aufgerüstet.
Die Idee entstand in der Berufsschule: Eric Beth wünschte sich seit Langem ein Fahrrad mit Elektromotor. Im Jahr 2017 kosteten die damals noch seltenen E-Bikes jedoch mehrere tausend Euro – zu teuer für den Auszubildenden. In der Schule behandelte der angehende Elektroniker dann Motorentechnik. „Wir haben den Motor auch selbst gewickelt. Ich merkte, dass das kein Hexenwerk ist“, sagt Beth. Er fasste Mut, ein klassisches Fahrrad zum E-Bike umzurüsten und recherchierte asiatische Firmen, die Motor und Akku einzeln verkaufen. Der Umbau funktionierte, und da Beth vor seiner Fürther Haustür arbeitete, sprang die Begeisterung auf die Nachbarn über. „Ich habe direkt am ersten Tag einen Kunden gewonnen“, sagt er. Ein Geschäftsfeld tat sich auf.
Beth gründete 2019 nach der Ausbildung die Firma E-Bike Factory in Fürth. Rund 1 000 Fahrräder hat er seitdem aufgerüstet. Ein Mitarbeiter in Teilzeit unterstützt ihn aktuell in seiner Werkstatt in der Fürther Ludwigstraße. Die Kunden kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern aus ganz Deutschland sowie vereinzelt aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Belgien. Eine Spedition übernimmt den Transport der Fahrräder. „Das ist eine starke Nische“, erklärt Beth die überregionale Nachfrage. Nur eine große Firma konkurriere ernsthaft mit ihm. Traditionelle Fahrradläden bieten den Umbau laut Beth nicht an. Sie scheuten vor allem die deutschen Regularien: Wer gewerblich Fahrräder zu E-Bikes umbaut, wird rechtlich zum Hersteller. Er übernimmt damit die Produkthaftung und muss mit einer CE-Konformitätserklärung bescheinigen, dass er sich an EU-Richtlinien hält.
Beth ist inzwischen Gutachter für Pedelecs, also Fahrräder mit Elektromotoren, die bis zu 25 Kilometer pro Stunde unterstützen, und erstellt Unfall- und Tuning-Gutachten für die Polizei. Geschäftsfördernd bleibt der Preis: Ein neues E-Bike ist nach wie vor teuer. Bereits vorhandene Fahrräder aufzurüsten sei deutlich günstiger. Beth bietet den Service mit Bauteilen für um die 1 200 Euro an. Das überzeugt preisbewusste Kunden, darunter viele junge Eltern, die einen Kinderanhänger mit elektrischer Unterstützung ziehen möchten.
Die Kunden denken auch ökologisch. Viele Fahrradrahmen bestehen aus Aluminium, dessen Herstellung extrem CO2-intensiv ist. „Aluminium hält quasi für immer“, sagt Beth. Anstatt ein traditionelles Fahrrad durch ein neues E-Bike zu ersetzen, kann die Nutzungsdauer durch einen E-Motor verlängert werden. Auch Rollstuhlfahrer nutzen den Service: „Ich baue mindestens einen Rollstuhl pro Monat um“, berichtet Beth. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in der Regel nur für elektrische Modelle bis sechs Stundenkilometer. Die hohen Mehrkosten für schnellere Gefährte müssen die beeinträchtigten Menschen selbst tragen, sodass eine Aufrüstung für sie günstiger sei.
Menschen mit ausgefallenen Ideen kommen ebenso zur E-Bike Factory. Der Fürther stattete bereits eine Rikscha, ein Kettcar, viele Tandems und ein Velomobil, also ein Liegefahrrad mit windgeschützter Ummantelung, mit Elektromotoren aus. Jedes Fahrzeug benötigt eine individuelle Lösung, die zeitintensiv ist. Beth berät interessierte Kunden deshalb nicht spontan, sondern nur mit Termin. Im Winter beträgt die Wartezeit wenige Tage, im Sommer zwischen ein und drei Monaten. Um der hohen Nachfrage im Sommer gerecht zu werden, entwickelt Beth derzeit eine auf ihn zugeschnittene Telefon- und Chat-KI. Sie soll ihm bei Kundenfragen zu bestehenden Aufträgen, etwa nach dem Bearbeitungsstatus, helfen, damit der Betrieb wachsen kann.
Autorin: Annette Dönisch
Webcode: N2025