Erfolgreich mit Führung auf Zeit
Interim-Management: Für Unternehmen kann es sinnvoll sein, Führungspersonal zeitlich befristet einzusetzen. Wie kann das ablaufen?
Der Mittelstand spürt den wachsenden Druck, den globale Veränderungen, Fachkräftemangel, Lieferkettenprobleme und technologische Transformation mit sich bringen. Wenn schnell und nachhaltig transformiert werden muss, ist oft keine eigene Expertise da. Auch wenn eine Schlüsselposition unerwartet vakant wird, kann das schnell zu Engpässen führen, sei es in der Führungsebene oder in den einzelnen Fachbereichen. In solchen Situationen setzen immer mehr Unternehmen in der Region auf ein Instrument, das in Deutschland lange unterschätzt wurde: Interim-Management. Dabei übernehmen erfahrene Führungskräfte oder Projektleiterinnen und -leiter für einen begrenzten Zeitraum Projekt- oder fachliche Führungsverantwortung, von der obersten bis zur dritten Führungsebene. Interim-Managerinnen und -Manager bringen Erfahrung, Objektivität und Geschwindigkeit ein, wenn schnelle Entscheidungen und sichtbare Resultate gefragt sind. Ihr Ziel: Lücken schließen, Veränderung beschleunigen und Stabilität schaffen.
Wo kommen Interim-Manager zum Einsatz?
Es gibt viele typische Einsatzfelder: Häufig geht es um Krisenmanagement, Restrukturierungen, Optimierungen von Prozessen und Lieferketten, Projekte im Bereich Mergers & Acquitions, Change-Management oder die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit in Krisen. Ebenso gefragt sind die Interim-Manager bei Wachstumsvorhaben, beim Aufbau neuer Fertigungseinheiten oder Prozessen sowie bei der professionellen Leitung komplexer Programme. In mittelfränkischen Unternehmen übernehmen sie bei Industrie, Logistik und Handel zunehmend Verantwortung. Beispiele sind etwa der Aufbau neuer Produktionslinien, die Einführung von ERP-Systemen oder von neuen Beschaffungsstrategien. Themen sind auch Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz, wenn diese im Unternehmen verankert werden sollen.
Die Gründe für diesen Trend liegen auf der Hand: Interim-Managerinnen und -Manager bringen nicht nur tiefes Fachwissen, sondern vor allem Erfahrung, Objektivität und Umsetzungsstärke ein. Sie sind es gewohnt, sich rasch in bestehende Strukturen einzufügen, Vertrauen zu schaffen und Entscheidungen zu treffen. Ihre Unabhängigkeit erlaubt es ihnen, Herausforderungen offen und deutlich anzusprechen und schnell Maßnahmen einzuleiten. Eine Qualität, die in Transformationsphasen von unschätzbarem Wert ist.
Ein erfolgreiches Interim-Mandat beginnt stets mit einer präzisen Bedarfsanalyse: Unternehmen sollten klar definieren, welches Ziel verfolgt wird, welche Herausforderungen bestehen und welche kulturellen Rahmenbedingungen relevant sind. Diese Klarheit ist entscheidend, um die Passung zu erhöhen. Neben der fachlichen Qualifikation zählt dabei besonders die Persönlichkeit. Eine Führungskraft auf Zeit muss nicht alles wissen, sondern perfekt zur Aufgabe und zur Unternehmenskultur passen. Viele mittelfränkische Unternehmen greifen deshalb auf spezialisierte Netzwerke und Provider zurück, die den Markt kennen, Kandidaten vorqualifizieren und den Auswahlprozess begleiten. Sie achten auf transparente Verfahren und einen Abgleich, der Erfahrung, Persönlichkeit und Zielsetzung berücksichtigt. So entsteht Vertrauen auf allen Seiten und eine stabile Basis für die Zusammenarbeit.
Wie läuft die Zusammenarbeit ab?
Sobald oder sogar bevor der Einsatz beginnt, werden klare Ziele, Aufgaben und Kennzahlen vereinbart. Erfolgreiche Interim-Manager starten mit einem strukturierten Briefing und definieren gemeinsam mit dem Auftraggeber ein Zielbild für die ersten zehn und hundert Tage. Diese Etappenziele machen Fortschritte messbar und sorgen für Fokus. Interim-Manager arbeiten immer umsetzungsorientiert und setzen auf schnelle kleinere Erfolge. Regelmäßige Reviews zwischen Auftraggeber, Interim-Manager und gegebenenfalls Vermittler sichern Transparenz und Qualität.
Die durchschnittliche Dauer eines Interim-Einsatzes liegt zwischen drei und 15 Monaten – je nach Komplexität und Zielsetzung. Nach Abschluss erfolgt eine strukturierte Übergabe, in der die Ergebnisse dokumentiert und Wissen an das interne Team weitergegeben werden. So bleibt der erzielte Mehrwert im Unternehmen. Interim-Manager erzielen im Mittelwert gemäß mehreren Studien einen Return on Investment, bei dem jeder eingesetzte Euro in der Regel mehrfach zurückkommt.
Viele Projekte führen zu langfristigen Partnerschaften oder Folgeaufträgen, weil beide Seiten die Zusammenarbeit als Bereicherung erleben. Nicht selten entsteht daraus eine Vertrauensbasis, die weit über das eigentliche Mandat hinausreicht. Gerade in der Region Mittelfranken, wo mittelständische Weltmarktführer, Familienunternehmen und Start-ups eng zusammenarbeiten, passt Interim-Management hervorragend in die Wirtschaftsstruktur. Die Unternehmen sind häufig zu groß, um ausschließlich auf persönliche Netzwerke zu setzen, und zu schlank, um längere Führungsvakanzen abzufedern. Interim-Manager schließen diese Lücke: Sie sichern operative Stabilität und treiben zugleich den Wandel voran. Auch bei Nachfolgeregelungen oder Managementwechseln bewährt sich eine begleitende Führungskraft auf Zeit, weil sie Kontinuität wahrt und Wissen übergibt, bis die Nachfolge gesichert ist.
Interim-Management ist längst kein Nischenmodell mehr, sondern ein strategisches Führungsinstrument – auch und gerade im Mittelstand. Es ermöglicht Unternehmen, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren, Projekte gezielt voranzutreiben und Krisen souverän zu meistern. Interim-Manager vereinen Geschwindigkeit mit Erfahrung, Objektivität mit Umsetzungsstärke und liefern somit messbare Ergebnisse. Unternehmen, die Veränderung ernst nehmen, erkennen zunehmend, dass Führung auf Zeit kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck moderner, verantwortungsbewusster Unternehmensführung ist. Denn wer Wandel gestalten will, braucht nicht nur Ideen, sondern Menschen, die sie umsetzen – mit dem Blick von außen. Hier zählen Entschlossenheit, Pragmatismus und Ganzheitlichkeit. Interim-Managerinnen und -Manager sind genau diese Menschen und schaffen Raum für Stabilität – genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht wird.
Marko Weißhaar ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Start-as-Interim in Adelsdorf. Er berät Unternehmen bei der Besetzung von geeigneten Interim-Managern sowie Interim-Manager bei Vermarktung und Vernetzung (www.start-as-interim.com).
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