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Es war ein Dienstagabend im März, als über Mittelfranken ein Starkregen niederprasselte. Innerhalb weniger Minuten stand der Keller einer Steuerkanzlei in Fürth unter Wasser – mitsamt Servern, Akten und technischer Infrastruktur. Die Mitarbeitenden versuchten, noch Computer zu retten, doch die Daten waren verloren. Der Schock kam Tage später: Die Versicherung übernahm den Schaden nur teilweise. Eine entscheidende Zusatzklausel zum Elementarschutz fehlte – obwohl der Inhaber davon ausgegangen war, dass „alles drin“ sei.

Solche Fälle kennen Versicherungsexperten nur zu gut: Viele Unternehmer merken erst im Schadenfall, dass ihr Schutz Lücken hat – oft mit existenziellen Folgen. Deshalb sollten sie die folgenden sieben typischen Fehler bei Gewerbeversicherungen vermeiden. Außerdem können sie sich in wenigen Schritten besser aufstellen.

Fehlende Bedarfsanalyse – „Was brauche ich eigentlich?“: Versicherungsthemen gelten als trocken, kompliziert und unübersichtlich. Viele Betriebe beschäftigen sich nur mit dem Nötigsten – oft, bis ein Schaden eintritt. Das Problem: Wer die eigenen Risiken nicht kennt, kann sie auch nicht richtig absichern. Gerade bei komplexen Tätigkeiten im Handwerk oder Dienstleistungsbereich ist die individuelle Risikoanalyse entscheidend.

Falsche Angaben – kleine Fehler, große Folgen: Ob aus Unachtsamkeit oder Unwissen – fehlerhafte Angaben bei Antrag oder Schadensmeldung können den Versicherungsschutz gefährden. Wer ehrlich und präzise angibt, was er tut, ist im Zweifel auf der sicheren Seite.

Alles bei einem Anbieter – bequem, aber nicht optimal: Viele Unternehmer legen alle Policen bei einem Versicherer zusammen – aus Bequemlichkeit oder wegen angeblicher Bündelrabatte. Das kann aber teuer werden: Kein Anbieter ist in allen Sparten der günstigste oder leistungsstärkste. Fehlende Transparenz, eingeschränkte Flexibilität und überhöhte Prämien sind die Folge. Der beste Schutz entsteht durch Vergleich, nicht durch Bequemlichkeit.

Doppelte Absicherung – doppelt gezahlt, nichts gewonnen: Oft sind Risiken versehentlich mehrfach abgesichert – etwa Glasbruch in Wohngebäudeversicherungen oder Inhaltsversicherungen, die Schäden für Waren, Inventar und Betriebseinrichtung abdecken. Auch sollte man prüfen, ob Laptops in der Inhaltsversicherung versichert sind oder auch eine eigenständige Elektronikversicherung besteht. Das kostet Geld, bringt aber keinen zusätzlichen Nutzen. Ein unabhängiger Check der bestehenden Verträge kann schnell Klarheit schaffen.

Der jährliche Fragebogen – Papier mit Gewicht: Viele Versicherer schicken regelmäßig Fragebögen zur Aktualisierung der Vertragsdaten. Wer sie ignoriert, riskiert Unterversicherung. Wenn sich die Unternehmensstruktur verändert – etwa durch neue Maschinen, Mitarbeiter oder Standorte – müssen die Policen angepasst werden. Nur so bleibt der Schutz vollständig.

Alte Bedingungen – War früher wirklich alles besser? Verträge, die seit Jahren unverändert laufen, wirken stabil, sind es aber nicht immer. Denn die Versicherungsbedingungen entwickeln sich weiter. Wer sie nicht prüft, verzichtet womöglich auf bessere Leistungen oder moderne Deckungskonzepte. Deshalb sollte man mindestens alle drei Jahre prüfen, ob die Bedingungen noch zeitgemäß sind.

Selbst überweisen – kleine Nachlässigkeit, großes Risiko: Manche Unternehmer zahlen ihre Beiträge per Überweisung und vergessen sie im Alltagstrubel. Schon eine verspätete Zahlung kann den Versicherungsschutz kosten. Besser ist ein automatischer Einzug per Sepa-Mandat. Das gibt Sicherheit und vermeidet Ärger.

Fazit: Absichern ist Chefsache

Versicherung ist kein lästiges Thema – sie ist Teil der Unternehmensstrategie. Wenn man ein paar einfache Tipps befolgt, holt man bei Versicherungen das Beste für sich heraus. Dazu gehört: Bedarf ermitteln, vergleichen, doppelte Absicherungen vermeiden, regelmäßig prüfen. Und: Vertrauen ist gut, Nachfragen ist besser. Denn wenn der Sturm kommt, soll die Versicherung nicht schweigen, sondern helfen.

Patrick Kachelski ist Versicherungskaufmann (IHK) und Finanzfachwirt (FH). Seit 2000 führt er sein Maklerbüro Kachelski-Finance in Nürnberg. Er berät Unternehmen zu Absicherung und Risikomanagement (www.kachelski-finance.de).

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