Wo es richtig rund läuft
Die GMN Paul Müller Industrie GmbH, ein Hersteller von Maschinenkomponenten und Präzisionsteilen, investiert 28 Mio. Euro in eine neue Produktionshalle – für das Unternehmen ein Bekenntnis zum Standort Nürnberg.
Hier läuft es rund, nicht nur im übertragenen Sinne: Die GMN Paul Müller Industrie GmbH, die viele Alteingesessene noch als „Kugel-Müller“ kennen, produziert am Standort Nürnberg hochwertige Maschinenkomponenten und Präzisionsteile. Die beiden Geschäftsführer Michael Lösch und Dr. Jens Falker leiten gemeinsam die Geschäfte, man verstehe sich hervorragend. Das Unternehmen wachse und die Produkte verkaufen sich in alle Welt. „Wir sind stolz auf unsere Familientradition, unseren Standort und unsere Produkte“, sagt Michael Lösch, der als Geschäftsführender Gesellschafter die vierte Generation der Eigentümerfamilie repräsentiert und seit über 30 Jahren die kaufmännische Seite des Unternehmens verantwortet.
Technischer Geschäftsführer ist seit April dieses Jahres der promovierte Maschinenbauingenieur Dr. Jens Falker, der 2020 bei GMN als Experte für die Entwicklung und das Engineering der Spindeltechnik eingestiegen ist und dann die technische Leitung aller Geschäftsbereiche übernahm. Neben den Hochfrequenz-Werkzeugspindeln sind das vor allem Hochpräzisions-Kugellager, berührungslose Dichtungen und Freiläufe. „Unsere Kernkompetenz ist die mechanische Präzision“, erklären beide.
Die drei Buchstaben GMN stehen für Georg Müller Nürnberg und erinnern an den Firmengründer. Der meldete als junger Mann 1908 eine mechanische Werkstätte beim Gewerbeaufsichtsamt an und reparierte zunächst Automotoren. Der Ein-Mann-Betrieb arbeitete zuverlässig, machte sich schnell einen Namen und erweiterte stetig seinen Kundenkreis. 1923 produzierte er für die Firma Philips Achsen für deren Fahrraddynamos. Als die Lagerung dieser Achsen von Gleitlagern auf Kugellager umgestellt werden sollte, hatte Müller seine entscheidende Geschäftsidee: Er stellte selbst diese Kugellager her und entwickelte die Dreh- und Schleifmaschinen, die er dafür brauchte, kurzerhand selber. Das war der Durchbruch – und Georg Müller wurde zum Nürnberger „Kugel-Müller“.
Kugellager für viele Anwendungen
Heute kommen die Kugellager aus dem Hause GMN weltweit in Bohr-, Fräs- und Schleifspindeln zum Einsatz – überall dort, wo höchste Drehzahlen und minimale Toleranzen gefragt sind. Zum Beispiel in Computer-Tomographen in der Medizintechnik, wo die maßgefertigten Kugellager durch ihren vibrationsarmen und leisen Lauf auch bei hohen Drehzahlen für exakte Aufnahmen sorgen.
Die beiden Geschäftsführer Lösch und Falker treffen alle Entscheidungen gemeinsam und verstehen sich als Co-Leitung. Auch das klare Bekenntnis zum Standort Nürnberg ist für sie selbstverständlich. „Made in Germany heißt bei uns Made in Nürnberg“, bringt Lösch es auf den Punkt. Während viele Industrieunternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagert haben oder dies gerade planen, hält GMN am Standort Nürnberg fest. Alle Produkte entstehen bis heute da, wo das Unternehmen gegründet wurde und verwurzelt ist – und wo 430 Beschäftigte arbeiten: 270 davon in der Produktion und 142 in der Verwaltung sowie in Forschung und Entwicklung. Zudem gibt es derzeit 18 Auszubildende.
Die Fluktuation ist gering und viele Beschäftigte bleiben dem Unternehmen über Jahrzehnte treu. Zum Teil arbeiten sogar drei Generationen einer Familie gleichzeitig bei GMN: Der Opa arbeitete in der Kugellagermontage, der Sohn ist in der Montage tätig und der Enkel hat seine Ausbildung als Industriemechaniker erfolgreich bestanden. „Die Erfahrung unserer Mitarbeiter ist für uns unbezahlbar“, sagen Lösch und Falker. „Sie stellen unsere Produkte her und wissen genau, was sie tun. Das ist ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil für uns“, so die Geschäftsführer. Genau deshalb könne und wolle GMN seine Produktion „nicht einfach irgendwohin verlagern, wo es billiger ist“.
Neue Produktionshalle
Im Frühjahr dieses Jahres hat GMN den Bau einer neuen Produktionshalle auf dem Firmengelände in der Äußeren Bayreuther Straße eingeläutet. Nach drei Jahren Planung entsteht dort nun ein Spezialgebäude, das auf die Produktion von Hochpräzisions-Kugellagern zugeschnitten ist. Das Investitionsvolumen von rund 28 Mio. Euro sei die größte Einzelinvestition des Unternehmens in den vergangenen 30 Jahren, so Lösch. Das sei ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Nürnberg, ein historischer Tag für „Kugel-Müller“ und ein Mutmacher für die Belegschaft. „Wir glauben an die Zukunft, auch wenn die Zeiten gerade wirtschaftlich nicht besonders rosig sind“, sagt Lösch. Gerade als Familienunternehmen sei man da gefragt und müsse Verantwortung übernehmen.
Das tat GMN auch Anfang der 1990er-Jahre, als das Geschäft mit Massenkugellagern plötzlich einbrach, der Export schwächelte, der Konkurrenzdruck aus Asien zu einem drastischen Preisverfall führte – und GMN 1993 schließlich Konkurs anmelden musste. Doch das Unternehmen kam zurück: Drei Mitglieder aus der Familie des Gründers sowie der frühere technische Vorstand übernahmen ein Jahr später den insolventen Betrieb und richteten das Portfolio neu aus. Anders als früher setzt GMN nun nicht mehr auf Massenkugellager, sondern auf hochwertige Maschinenkomponenten und komplexe Präzisionsteile, die nach kundenspezifischen Vorgaben entwickelt und produziert werden. „Überall da, wo Standard nicht ausreicht, beginnt unsere Arbeit“, erklärt Falker. Man konzentriere sich auf anspruchsvolle Nischenmärkte und wolle auch neue Geschäftsfelder im Bereich der Digitalisierung für sich erschließen. Damit stelle sich das Unternehmen zukunftsorientiert auf – wie auch der Bau der neuen Produktionshalle mit moderner Gebäudetechnik und Investitionen in Energieeffizienz zeigten. Oder wie Michael Lösch es formuliert: „Wir sind felsenfest überzeugt, dass wir auch in 50 Jahren noch hier in Nürnberg produzieren werden.“
Autorin: Elke Zapf
Webcode: N2310