Zum Hauptinhalt springen
Nina Deitermann (links), Geschäftsführerin der High Voltage Racing GmbH in Weisendorf, und ihr Partner Andreas Kein (rechts) in ihrer Motorrad-Manufaktur.
Nina Deitermann und Andreas Kein in ihrer Motorrad-Manufaktur in Weisendorf.

Wer meint, Motocross- oder Trial-Motorräder gebe es in Europa nur von einem österreichischen Hersteller, liegt falsch. Denn zumindest die High Voltage Racing GmbH, kurz HVR Bikes, in Weisendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt produziert solche Maschinen „Made in Franconia“. Und das ausschließlich mit Elektroantrieb. Die „Ewig-Motorradfahrerin“ Nina Deitermann hat bereits für eine Studienarbeit eine Suzuki von Benzin auf Elektro umgerüstet. Spätestens da beschloss die 45-jährige Maschinenbau-Ingenieurin, die aus dem Münsterland stammt, ihre weitergehenden E-Motorrad-Träume zu verwirklichen. Vollelektrische Maschinen entwickelte sie nach dem Studium zunächst jahrelang beim bekannten österreichischen Hersteller KTM. Dessen Verbrenner-Bikes beherrschen vor allem Europas Cross-Wettbewerbe. Doch das E-Motorrad sei ein Stiefkind gegenüber den Verbrennern gewesen, so Deitermann. Ihr aus Franken stammender Partner Andreas Kein habe damals als Techniker ebenfalls bei KTM gearbeitet.

2017 entschieden sich beide, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und gründeten die High Voltage Racing GmbH. Das Startkapital, eine mittlere fünfstellige Summe, bekamen sie aus dem Verkauf eines Carbon-Rennautos. Angefangen haben die Unternehmensgründer mit Offroad-Kindermotorrädern der sogenannten 50er-Klasse. Schon diese ersten HVR-Maschinen waren rennsporttauglich. Sie hatten aber die Vorteile des Elektroantriebs, nämlich einem hohen Drehmoment schon beim Start, unabhängig von der Motorendrehzahl. Und natürlich sind sie recht leise. Nach und nach wurde die Offroad-Modellpalette bei HVR erweitert, mittlerweile gibt es sogar die „Fullsize“ genannte Rennklasse „MX2“ für Erwachsene – als elektrische Konkurrenz zu den Zweitakter-Maschinen mit 125 Kubikzentimetern.

Schlüsselkomponenten in Eigenfertigung

„Wir stellen alle Schlüsselkomponenten selber her“, sagt Deitermann – also zum Beispiel Kabelbäume, Rahmen, Batterien und Elektronik. Die Akkus im Schnellwechselsystem können zwischen den Rennen getauscht werden. Die Batteriehalter für die Akkuzellen fertigt man im Unternehmen selbst per 3D-Drucker. Standardteile werden – teilweise angepasst – zugekauft. Auch der Elektromotor ist Standardware, wird aber auf die HVR-Maschinen angepasst. Eine besondere Flüssigkeitskühlung mit einem halben Liter Öl sorgt dafür, dass er nicht überhitzt. Eine eigenentwickelte App macht Ferndiagnose und Geschwindigkeitskontrolle möglich.

Blick in die Werkstatt der High Voltage Racing GmbH in Weisendorf, wo ein Mitarbeiter ein elektrisches Motorrad montiert.
Blick in die Fertigung: Bislang wurden 1 200 Maschinen aller Größen produziert.

42 Händler listet HVR aktuell, vor allem im deutschsprachigen Raum. Geliefert wird auch nach Schweden, Frankreich, Großbritannien, Italien und in die Niederlande. Mit ihren zehn Beschäftigten fertigen Deitermann und Kein aktuell über 250 E-Motorräder im Jahr. Bislang wurden 1 200 Maschinen aller Größen produziert, deren Verkaufspreise zwischen knapp 4 000 und gut 9 000 Euro liegen. Bei E-Offroad-Maschinen sieht sich HVR Bikes als der einzige deutsche Hersteller. Für das kommende Jahr hat sich HVR ein Motorrad mit Straßenzulassung vorgenommen, doch offenbar tut sich die deutsche Bürokratie schwer, den E-Maschinen entsprechende Führerscheinklassen zuzuordnen.

Autor: Heinz Wraneschitz

www.hvr-bikes.com 

Webcode: N2463