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Rennprofi auf zwei und vier Rädern

Fritz Neuser ist ein Mann mit Benzin im Blut, kein Wunder, wenn man wie er seit Ende der 50er Jahre im Automobilgeschäft tätig ist, die letzten 25 Jahre gar als Mittelfrankens einziger Ferrari-Händler. Doch angefangen hat die Karriere des Fritz Neuser auf einem anderen Gebiet, das auch mit Geschwindigkeit zu tun hat und nach Neusers Meinung wesentlich gefährlicher und verletzungsreicher ist als Motorsport: dem Radrennsport.

Zwischen 1948 und 1957 erzielte der Franke 337 Siege, darunter zwölf deutsche Meistertitel. 1956 nahm er an der Olympiade in Melbourne teil, die für ihn mit einer schweren Verletzung und dem siebten Platz endete. Wenig später entschied er sich gegen eine Profi-Karriere im Radsport und begann seine zweite Laufbahn als Auto-Verkäufer in einem Schwabacher Autohaus. Dort verkaufte er den beliebten Wirtschaftswunder-Kleinwagen „Goggomobil“ so häufig, dass er bereits nach einem Jahr Deutschlands erfolgreichster Goggo-Verkäufer war. Dennoch nahm sich Neuser in den Aufbaujahren Zeit und blieb dem Rennsport treu, wenn auch auf vier Rädern. In den 60er Jahren holte er bei Slalom-, Berg- und Rundstreckenrennen im In- und Ausland über 50 Siege bei 67 Starts.

Italienische Marken wie Abarth und Alfa lagen ihm damals schon gut und so eröffnete Neuser Anfang 1962 sein eigenes Autohaus am Maxtor in Nürnberg. 1968, Neuser war inzwischen Vertragshändler von Alfa Romeo, erfolgte der Umzug ins aktuelle Firmengelände am Röthensteig, wo Neuser im Dezember 2001 pünktlich zum 40-jährigen Firmenjubiläum sein Autohaus um 1 200 Quadratmeter erweitern konnte. Die Investitionskosten für den Neubau, der 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche nur für Ferrari-Fahrzeuge und den Rest für die seit 1999 ebenfalls angebotene Marke Maserati sowie andere Edelmarken bietet, beliefen sich nach Neusers Angaben auf rund drei Mio. DM. Eine Summe, die Neuser, der nach eigenem Bekunden noch nie Schulden gemacht hat, ohne Bank finanziert habe. Stattdessen hat er sich – schweren Herzens, wie der leidenschaftliche Sammler einräumt – von vier Fahrzeugen aus seiner privaten Sammlung getrennt.

Aktuell umfasst die Sammlung perfekt gepflegter historischer Wagen und Rennwagen 13 Exemplare, davon ein Unikat, für das ihn Sammler regelrecht „beknieen“ würden, so Neuser. „Solche Seltenheiten kann man im Wert nur grob schätzen, gerade weil es nichts Vergleichbares gibt, aber die Größenordnung ist klar der Millionen-Euro-Bereich“, so Neuser. Von daher sei eine solche Sammlung nicht nur Leidenschaft, sondern ein erhebliches Stück Geschäftserfolg und Kreditwürdigkeit.

Der Investment-Gedanke sei auch generell bei Ferrari ein Geschäftsmodell, so Neuser und zwar bei Kunden und Hersteller. „Die meisten meiner 570 Stammkunden haben nicht nur einen Ferrari, daher gibt es in Nordbayern über
1 000 Fahrzeuge.“ Die italienische Sportwagenschmiede unterstütze den Trend zur knappen, im Wert steigenden Investition durch bewusste Senkung der Produktion auf nur 3 800 Fahrzeuge in diesem Jahr. Neuser bekommt als Vertragshändler 34 Fahrzeuge pro Jahr von Ferrari aufgrund einer Marktanalyse zugeteilt, die nach seinen Angaben problemlos Absatz finden. Die Lieferzeit beträgt zwei Jahre.

Von der Marke Maserati aus dem selben Konzern ordert Neuser rund 30 Wagen pro Jahr mit steigender Tendenz. Das Produkt sei anders positioniert und nehme Ferrari daher keine Kunden weg. Dennoch sei man auf diesem Gebiet hier in der Region Pionier, weshalb es weiterer Aufbauarbeit bedürfe. Neuser rechnet damit, dass es noch zwei, drei Jahre dauern wird, um diesen Bereich voll zu etablieren. Dabei müsse man sich als Pionier auch einmal ein Jahr mit roten Zahlen leisten können, was bei ihm kein Problem sei, so Neuser, der dennoch optimistisch ist. Nach eigenen Angaben hat sein Haus die Konjunkturflaute nicht zu spüren bekommen. Der Jahresumsatz liegt nach Neusers Angaben zwischen acht und neun Mio. Euro. Das Autohaus beschäftigt zwölf Mitarbeiter.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2002, Seite 32

 
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