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Welche Verantwortung haben Unternehmen?

28.09.2026
Spannende Podiumsdiskussion: IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch (am Podium) mit Uwe Ritzer (Süddeutsche Zeitung), Prof. Dr. Markus Scholz (TU Dresden), Jan Niehuis (Siemens AG), Susanne Lang (Mekra Lang GmbH & Co. KG), Dr. Christiane Nischler-Leibl (Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales) und Anna Theil (More in Common e. V.).

Wirtschaftlicher Erfolg und Werte sind kein Gegensatz, sondern bedingen sich gegenseitig.“ Das machte Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken, gleich bei der Begrüßung zur Veranstaltung „Wirtschaft mit Werten“ klar. Ein erfolgreiches Geschäft werde nicht nur durch Preise und wirtschaftlichen Erfolg bestimmt, sondern auch durch Vertrauen, Fairness und langfristiges Denken. „Wir sind parteipolitisch neutral, aber nicht werteneutral“, sagte er auch mit Blick auf das Leitbild der Ehrbaren Kaufleute der IHK.

Wichtige Facetten dieser Diskussion leuchtete Dr. Markus Scholz, Professor für Responsible Management an der Technischen Universität Dresden, aus. Der Wirtschaftsethiker hatte im letzten Jahr mit seinem Buch „Wirtschaft mit Werten“ einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte über werteorientiertes Wirtschaften und Corporate Political Responsibility geleistet. Eigentlich sollten sich Unternehmen um wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen kümmern. Scholz warnte jedoch vor den Folgen, wenn die Demokratie ausgehebelt wird und rechtliche Grundprinzipien aufgeweicht werden: „Das ist dann ein Problem für Unternehmen.“ Denn sie könnten zwar mit wirtschaftlichem Risiko umgehen, aber Unsicherheit sei die größte Gefahr für sie. Die Wirtschaft in der westlichen Welt vertraue auf die fundamentalen Grundfesten liberaler Demokratien. Dazu zählt Scholz den Freiraum für langfristige Planung, die Investitionssicherheit und den Schutz durch ein unabhängiges Justizsystem. Diese Rahmenbedingungen bündelte der Professor in den Aspekten freie Märkte und Eigentumsrechte. Für ihn gehe es in der Wertediskussion nicht um ein soziales Thema, sondern um den Erhalt des Systems aus Wirtschaft und liberaler Demokratie: „Das ist für uns heute die soziale Marktwirtschaft.“ Wenn sie in Gefahr ist, sei es Recht und Pflicht für Gesellschaft und Unternehmen, die Demokratie zu beschützen. Scholz ließ keinen Zweifel, worum es geht: Ohne die Sicherheit der sozialen Marktwirtschaft könnten sich Firmenchefs nicht mehr darauf verlassen, dass Preis und Qualität über den unternehmerischen Erfolg entscheiden. Wichtiger wäre dann etwa politische Nähe zum Machtzirkel.

In der anschließenden Podiumsrunde sagte Susanne Lang, geschäftsführende Gesellschafterin der Mekra Lang GmbH & Co. KG in Ergersheim: „Werte sind das Fundament unseres wirtschaftlichen Handels.“ Es sei wichtig, Demokratieverständnis im Alltag zu leben. So werde für Azubis regelmäßig ein Demokratie-Workshop durchgeführt. „Ich dulde keine Diskriminierung oder Extremismus“, sagte sie mit Blick auf die rund 45 Nationalitäten in ihrem Unternehmen.

Für Jan Niehuis, Personalleiter bei der Siemens AG und unter anderem auch für die Standorte Erlangen und Nürnberg verantwortlich, ist klar: „Wir sehen uns als aktiven Teil der Gesellschaft.“ Er verstehe die gesellschaftliche Verantwortung als festen Bestandteil der Unternehmenskultur. Sie ist bei Siemens etwa durch Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Aktionen zur Förderung von Toleranz und Vielfalt im Unternehmen (z. B. „Demokratietag“ für Azubis) verankert. Ein wertegeleitetes Wirtschaften mit Inklusion und Diversität ergebe sich schon aus der betrieblichen Vielfalt: „Allein bei uns in Erlangen arbeitet die halbe Welt.“

„Mitarbeiter wünschen sich zuallererst einen sicheren Arbeitsplatz, die Mehrheit will hier nicht über Politik sprechen“, sagte Anna Theil von der gemeinnützigen Organisation „More in Common“ mit Sitz in Berlin und bezog sich dabei auf eine Mitarbeiterbefragung. Der Verein beschäftigt sich international mit der Frage, wie sich gesellschaftlicher Zusammenhalt und das Vertrauen in die Demokratie stärken lassen. Gleichzeitig habe der Arbeitsplatz eine besondere Schlüsselrolle, der die Menschen deutlich präge: „Es ist einer der wenigen Orte, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Ansichten begegnen.“ Gerade mit Blick auf Toleranz und Wertschätzung sei er ein „Lernort der Demokratie“. Deshalb halte sie in werteorientierten Unternehmen das Vorleben für besser als Trainings. Einen weiteren Aspekt brachte Dr. Christiane Nischler-Leibl, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, ein: „Demokratiebildung fängt weit früher als Prävention an, nämlich bei Kindern und Jugendlichen.“ Anders als der zunehmende Populismus ist ihrer Erkenntnis zufolge die Zahl der Extremisten stabil. Das gilt generell, egal ob es um religiösen, rechten oder linken Extremismus gehe. Beim wachsenden Populismus beobachtet sie: „Heute wird sagbar, was bisher nicht sagbar war.“ SZ-Journalist Uwe Ritzer, der die Veranstaltung moderierte, schloss die Diskussion mit seiner Einschätzung vom Unternehmerbild im Fernsehen. Das seien Firmenchefs, denen man alles zutraue. „Ich wünsche mir in der ARD mal einen Tatort, wo der Unternehmer der Held ist.“

www.ihk-nuernberg.de/wirtschaft-mit-werten

Autor: Thomas Tjiang

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