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Prokurist und operativer Geschäftsleiter Thomas Schrimpff der Bayerische Kabelwerke AG, kurz Bayka, Roth, mit Kabelrollen.
Thomas Schrimpff, Prokurist und operativer Geschäftsleiter der Bayka.

Lange Kabel sorgen für lange Finger – das weiß auch die Bayerische Kabelwerke AG, kurz Bayka, in Roth. Das Unternehmen spielt beim Schutz kritischer Infrastruktur eine Rolle: Denn immer wieder sorgen Diebstähle von Kupferkabeln für Schlagzeilen – mal von einem Betriebshof oder einer Baustelle, mal verschwinden auch Kupferkabel bei der Bahn im laufenden Betrieb. Daher hat das Traditionsunternehmen verschiedene diebstahlwehrende Kabel entwickelt. Sie bestehen zum Beispiel aus Aluminium und Stahl oder aus Kupfer, Stahl und Aluminium – sind also nicht sortenrein. „Diesen Material-Mix nimmt kein Verwerter an“, sagt Thomas Schrimpff, Prokurist und operativer Geschäftsleiter. Damit die Kriminellen gleich vorgewarnt sind, signalisiert ein blauer Streifen auf den Kabeln den Material-Mix. „Das ist bekannt, diese Kabel bleiben unberührt.“ Ähnliche Lösungen gibt es auch für den Schutz von Kabeln in U-Bahnen.

Das 1885 in der Drahtzieher-Region Roth gegründete Unternehmen fertigt ein riesiges Sortiment an Kabeln. „Wir sind das letzte, übriggebliebene Universal-Kabelwerk“, hebt Schrimpff hervor. An der Bedeutung seiner Produktwelt hegt er keinen Zweifel: „Kabel und Leitungen vernetzen Maschinen und verbinden Menschen, Gebäude und ganze Kontinente.“ Unter anderem werden Energiekabel für Nieder- und Mittelspannung, Signalkabel für die Bahn, Telekommunikationskabel mit Kupferleitern oder auch Glasfaserkabel für innen und außen gefertigt. Auch in der Industrie kommen etwa Motoranschluss- oder Erdungsleitungen zum Einsatz. Insgesamt gebe es 6 500 serienreife Kabelversionen. „Wir fertigen, was unsere Kunden wollen“, erklärt der Betriebswirt.

Zu den technischen Höhepunkten zählt Schrimpff die Auszeichnung als Einzellieferant mit optimaler elektromagnetischer Verträglichkeit (EMV) für den Teilchenbeschleuniger FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) vom Darmstädter GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung. Am Brombachsee bekommen die 20 „Floating Houses“ rund 400 Meter vom Ufer entfernt ihren Strom mit Bayka-Kabeln, die besonders gegen Korrosion und Abrieb geschützt sind. Auch die fahrerlose U-Bahn in Nürnberg, der Berliner Tunnel für die U-Bahn-Linie U5, die Stadtbahn im bolivianischen Cochabamba oder die Züge der Saudi Railway Company funktionieren mit Kabeln aus Mittelfranken.

Produkte, die verbinden

Das wichtigste Geschäftsfeld ist die Sparte Mobilität, in der die Deutsche Bahn der größte Kunde ist. Dort sei man derzeit mit Muffen für Signalkabel sogar Alleinlieferant der Bahn. Im Segment regenerative Energien kommen Bayka-Lösungen bei Solar-, Wind- und Wasserkraft- sowie bei Biomasse-Anlagen zum Einsatz. Aber auch in den Branchen Energieverteilung, Telekommunikation, Anlagen- und Maschinenbau sind Produkte aus Roth gefragt. „Wir machen alles, was Spaß macht und Geld bringt“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Dabei hilft die eigene Entwicklungsabteilung, um Kundenbedürfnisse optimal abzudecken. Etwa 80 Prozent der Neuheiten stammen aus gemeinsamen Projekten mit Kunden.

Auf eine Strategie mit automatisierten Produktionsstraßen und Massenfertigung zu minimalen Preisen setzt Bayka nicht. Zumal sich auf dem Markt auch Anbieter tummelten, die ihre Produkte unter dem Materialpreis anbieten könnten, den Bayka schon beim Einkauf zahlt. Schrimpff hat manchmal sogar den Eindruck, dass Anbieter aus Fernost über die Schweiz EU-Zölle umgehen. So könnten sie auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt besonders günstig anbieten. „Wir diskutieren nicht über Preise“, hält er dagegen. „Wir haben Produkte, die Probleme lösen, sicher laufen und langlebig sind, denn unsere Kabel sind Investitionsgüter“, sagt der Geschäftsleiter. Manche Kabel würden bis zu 30 Jahre halten. Die besonderen Papierbleikabel seien sogar unverwüstlich und Bayka sei das letzte Werk, dass sie noch herstelle. Schrimpff kennt Stadtwerke, die vor gut 100 Jahren das damals klassische Hochspannungskabel verlegt und noch in Betrieb haben. Im Gesamtgeschäft fallen heutzutage die Papierbleikabel kaum noch ins Gewicht. Es stärke aber die Rolle als Spezialanbieter, weil es in Westeuropa kaum noch weitere Anbieter gebe.

Zudem gehört es laut Schrimpff zur Geschäftspolitik, statt einer schlanken Just-in-time-Fertigung auf einen höheren Lagerbestand zu setzen. Das binde zwar Kapital, für die Kunden ergebe sich daraus aber ein deutlicher Vorteil: „Wir können innerhalb von 48 Stunden jedes Kabel liefern.“ Neben Produktqualität und schneller Reaktion würden Unternehmen auch die fixen Ansprechpartner schätzen. „Wir punkten mit Services“, zu denen eine pünktliche Lieferung, ein Liefer-Lkw mit Kran und die Baustellenreinigung gehöre. Als weiterer Pluspunkt für Kunden gilt der 2019 aufgesetzte Online-Shop „Bayka plus“. Hier können passendes Kabelzubehör wie Endkappen mit Einzugsschlaufe, Press- oder Schraubverbinder sowie Werkzeug und Hilfsmittel geordert werden.

Kabelfachmann Afrim Kabachi in der Fertigung der Bayerische Kabelwerke AG, kurz Bayka, Roth
Kabelfachmann Afrim Kabachi in der Bayka-Fertigung.

Kabel- und Verbindungstechnik stärken

Um unter anderem in den Sparten Energieversorgung und Rechenzentren weiter Fuß zu fassen, hat Bayka im letzten Jahr eine Kooperation mit der Deutschlandzentrale des US-Technologieriesen 3M Deutschland GmbH im nordrhein-westfälischen Neuss geschlossen. Auf diese Weise sollen die Kompetenzen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnik gebündelt und durch gemeinsame Auftritte die Zielmärkte erfolgreicher bearbeitet werden. Außerdem wollen beide Unternehmen gemeinsam auf Messen Flagge zeigen, etwa der Intersolar Europe, der Husum Wind und der Data Center World, einer Konferenzmesse im Bereich Rechenzentren.

Neben dem Rother Stammsitz gibt es vor Ort noch die Tochterfirma Bayka Color Farbkonzen-
trate GmbH. Sie stellt Farbkonzentrate und Kunststoffmischungen für die Kabelindustrie sowie kunststoffverarbeitende Betriebe her. Außerdem gibt es noch aus den 1950er Jahren eine Bayka-Werkswohnungs-GmbH. In Berlin betreibt das Unternehmen mit der Bayka Berlin GmbH & Co. KG sowie der Berliner Glasfaserkabel GmbH zwei kleinere Produktionsstandorte. Der frühere Standort im Iran wurde nach der Revolution 1979 verstaatlicht. Allerdings hat Schrimpff einmal überrascht auf einer Messe festgestellt, dass die einstige Auslandstochter nach wie vor unter dem mittelfränkischen Logo produziert.

Heute werden in Roth und Berlin rund 20 000 Kilometer Kabel pro Jahr produziert. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2024/2025 (Stichtag 30. Juni) auf gut 200 Mio. Euro. Unter dem Strich blieben knapp 16 Mio. Euro als Ergebnis übrig. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Schrimpff mit einem weiteren Umsatzwachstum von etwa drei bis vier Prozent. In Roth arbeiten 265 und in Berlin 60 Beschäftigte.

Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf die Firma „Riffelmacher & Engelhardt“ zurück. Sie fertigte seit 1885 leonische Erzeugnisse wie Borten und Bänder aus feinen Gold-, Silber- und Kupferdrähten. Zwei Jahre später trat Schrimpffs Urgroßvater Otto ins Unternehmen, der 15 Jahre später Alleininhaber wurde. Alle erstgeborenen Söhne erhielten als Stammhalter den gleichen Vornamen. „Ich bin der Zweitgeborene, sonst würde ich auch Otto heißen“, sagt der 1970 geborene Schrimpff, der seine Laufbahn 1990 bei Bayka begonnen hat. Doch als sein Vater „Otto III.“ 1993 gestorben war, führte zunächst ein Familienfremder die Geschicke. Weil die Geschwister keinen rechten Bezug zum familiären Kabelbetrieb hatten, wurden die Anteile im Jahr 2000 an die Wilms-Gruppe aus dem sauerländischen Menden verkauft. Sie gilt als größter Kabelhersteller in Deutschland und hat mittlerweile über 60 Firmen unter ihrem Dach zu einem Netzwerk vereint. Schrimpff aber blieb im Unternehmen und übernahm 2016 die operative Geschäftsführung. „Ich habe Kabel im Blut“, sagt er über sich. „Ich lebe meine Aufgabe so, als wäre es die eigene Firma.“

Autor: Thomas Tjiang

www.bayka.de 

Webcode: N2029