Mercosur-Abkommen: Zeigt Europa endlich Handlungsfähigkeit?
Nach 26-jährigen Verhandlungen zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist es geschafft: Das Mercosur-Abkommen ist unterzeichnet. „Das ist eine sehr gute Nachricht – und zwar sowohl für die Weltwirtschaft als auch für die exportorientierte mittelfränkische Wirtschaft“, so IHK-Präsident Dr. Armin Zitzmann. „Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass die EU noch handlungsfähig ist.“ Es sei ein wichtiges Signal gegen wirtschaftliche Abschottung, das den regelbasierten Handel stärken werde. Doch gleich nach der Unterzeichnung gab es einen herben Dämpfer: Das EU-Parlament stimmte dafür, die Vereinbarkeit des Abkommens mit EU-Recht vom Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen. Doch das kann lange dauern und das Abkommen noch in Gefahr bringen. DIHK-Präsident Peter Adrian bezeichnete das Abstimmungsergebnis deshalb als „Schlag in die Magengrube“.
Denn das Abkommen würde den Unternehmen einen deutlich besseren Marktzugang zu den Mercosur-Staaten mit seinen 270 Mio. Einwohnern eröffnen. Bisher ist der Austausch mit diesen Ländern oft mit zahlreichen Hürden verbunden – Stichworte hohe Zölle, unterschiedliche Standards und schwieriger Zugang zu den Beschaffungsmärkten. Mit Mercosur sollen nun innerhalb von zehn Jahren 91 Prozent aller Zölle auf EU-Exporte wegfallen. Allein dies wird dem Geschäft mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay laut IHK neue Impulse geben. Davon dürften in Mittelfranken insbesondere der Maschinenbau und die Automobilzulieferer profitieren. Und nicht zuletzt wird Mercosur dazu beitragen, die Lieferketten der europäischen Volkswirtschaften zu diversifizieren, gerade in den Bereichen Rohstoffe und seltene Erden.
Webcode: N2017